Nachruf Johannes HeestersDer stilvolle Gentleman prägte sein Image

Er war der wahrscheinlich älteste aktive Schauspieler der Welt. Ein Nachruf auf Johannes Heesters von Volker Schmidt. von 

Johannes "Jopie" Heesters ist an Heiligabend im Alter von 108 Jahren gestorben.

Johannes "Jopie" Heesters ist an Heiligabend im Alter von 108 Jahren gestorben.  |  © Horst Ossinger / dpa

Mit einem Witz fängt man keinen Nachruf an. Außer wenn es um einen Entertainer geht, der dem schwarzen Humor nicht abgeneigt war. Über Johannes Heesters kursiert folgende Geschichte: Es klingelt bei Familie Heesters. Jopie öffnet. Draußen steht ein Skelett mit Stundenglas und Sense. Ruft Johannes nach drinnen: "Simone, für Dich."

Heesters hatte zuletzt tatsächlich Angst, er könne auch seine zweite Frau überleben, die Schauspielerin Simone Rethel, Jahrgang 1949. Mit der belgischen Schauspielerin Louise H. Ghijs war Heesters 55 Jahre lang verheiratet, ihr Tod 1985 war ein schwerer Schlag für ihn.

Rethel heiratete Heesters 1992, er war 88, sie 43 Jahre alt. Zusammen spielten sie von 1996 bis 2001 Ein gesegnetes Alter , ein Stück, das Curt Flatow dem Paar auf den Leib geschrieben hatte.  Danach trat Heesters bei Galas und Revuen auf, gab im Sommer 2009 in Stuttgart die Rolle Gottes des Herrn im Jedermann und 2010 den König in Rolf Hochhuths Inselkomödie im Berliner Ensemble. Er war der älteste aktive Bühnenkünstler der Welt.

Angefangen hatte Heesters 1921 in Shakespeare- und Strindberg-Stücken, im Faust , aber auch in Edelschmachtfetzen wie Alt-Heidelberg . Dabei hatte der am 5. Dezember 1903 im niederländischen Amersfoort geborene Johan Marius Nicolaas Heesters eigentlich katholischer Pfarrer werden wollen. Als er 16 war, ging er mit dem Vater ins Theater und beschloss darauf zu dessen Leidwesen, Schauspieler zu werden.

Anzeige

Mit 17 bekam er die ersten Engagements in Amsterdam, bald auch in Rotterdam, Den Haag und Brüssel. Im Jahr 1924 spielte Heesters im Stummfilm Cirque Hollandais . Dann entdeckte er, dass er am besten war, wenn er auch sang: in Operetten wie Dreimäderlhaus , König der Vagabunden und Walzertraum . Da war der Weg nach Wien vorgezeichnet; 1934 gab Heesters an der Volksoper den Bettelstudenten .

1600 Mal gab er den Graf Danilo

Zu seiner Paraderolle wurde Graf Danilo, der vergnügungslustige Diplomat aus der Lustigen Witwe , den er 1938 am Münchner Gärtnerplatz zum ersten Mal spielte. Zylinder, Seidenschal, Da geh ich ins Maxim : Bei rund 1.600 Aufführungen hat Heesters den Danilo im Laufe seines Lebens dargestellt. Und auch abseits der Bühne prägte der stilvolle Gentleman sein Image.

"Ich hab mein Leben gelebt und hab mich stets bemüht, den Weg gerade zu gehen, auch durch den Sturm der Zeit", sang Heesters in späten Jahren. Darüber lässt sich streiten. Trotz seiner niederländischen Herkunft gehörte Heesters in die lange Reihe "unpolitischer" Künstler, die sich mit dem NS-Regime arrangierten, vom Verschwinden jüdischer Konkurrenten profitierten und zwischen 1933 und 1945 einen Karriereschub erlebten.

Im Jahr 1936 entdeckte die deutsche Film-Firma Ufa den Holländer. Er drehte einen Kassenschlager nach dem anderen, vor allem Operetten- und Revue-Filme wie Der Bettelstudent , Hallo Janine! , Die Fledermaus . Keine Propaganda, wie ihm die Alliierten nach dem Krieg bescheinigten, nur Unterhaltung, die vom Krieg ablenken sollte. Adolf Hitler mochte den Schauspieler; Propaganda- und Filmminister Josef Goebbels setzte ihn auf eine Liste unverzichtbarer Künstler. Das Berliner Publikum nannte Heesters liebevoll Jopie; der Spitzname blieb hängen.

Im Jahr 1941 ließen Heesters und einige Theaterkollegen sich zu einem Besuch im Konzentrationslager Dachau einladen. Er räumte später ein, er habe sich für die Propaganda missbrauchen lassen. Gegen die Behauptung, er sei vor den SS-Wachleuten aufgetreten, wehrte Heesters sich juristisch – doch die Wahrheit ließ sich nicht rekonstruieren. In erster Instanz verlor Heesters 2008, in der Berufung einigte man sich dann auf einen Vergleich.

Leserkommentare
  1. 1. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Pietätslosigkeiten. Danke, die Redaktion/se

    • fooby
    • 24. Dezember 2011 18:38 Uhr

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Respektlosigkeiten. Danke, die Redaktion/se

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Der Kommentar auf den Sie sich beziehen, wurde bereits entfernt. Danke, die Redaktion/se

  2. es kommt so überraschend!
    R.I.P.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Harald4
    • 25. Dezember 2011 5:06 Uhr

    Zugegeben, Johannes war nicht mein maximaler Künstler.
    Trotzdem verkörperte er, wie auch seine Witwe,
    eine Qualität, an der wir uns heute messen lassen sollten

    • zelotti
    • 24. Dezember 2011 18:45 Uhr

    Dem hätte ich noch zugetraut, dass er die Moderation von "Wetten, Dass???" übernimmt. Ein fantatischer Entertainer. Andichten einer NS-Vergangenheit könnt ihr euch aber sparen, das ist geschmacklos.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • xpeten
    • 24. Dezember 2011 21:11 Uhr

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Polemik. Danke, die Redaktion/se

    In den Kommentarspalten hier. Und ich bin nicht enttäuscht worden. Mal wieder typisch.

    ... hat der Verblichene sich selbst erworben. Auch die gehört zur Würdigung eines Lebenswerkes.

  3. Der Kommentar auf den Sie sich beziehen, wurde bereits entfernt. Danke, die Redaktion/se

    Antwort auf "ruhe in frieden"
  4. dabei sollte man es dann auch belassen. Er ist wohl immer seiner Berufung gefolgt. Respekt für das lange Durchhalten. R.I.P. Jopie

    • J.E.B.
    • 24. Dezember 2011 18:51 Uhr

    ...während der NS-Zeit mit dem Regime nicht einverstanden waren, ins Exil gegangen wären, wäre hier kaum etwas übrig geblieben.

    So haben sich aber viele "arrangiert", um arbeiten, leben und überleben zu können.

    All denen daraus eine Nähe zum Nazi-Regime zu konstruieren halte ich nicht für angemessen.

    Es gab nach dem Krieg wesentlich mehr "echte" Nazis, die mangels Fchkräften - sogar von den Besatzungsmächten - wieder in "Amt und Würden" gebracht wurden.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • TDU
    • 24. Dezember 2011 21:01 Uhr

    Er hat immer eine gute "Figur" gemacht in der Öffentlichkeit, jedenfalls solange ich ihn erlebt habe. Und so eine lange Ehe muss man auch erst mal bringen. Was er gedreht und gemacht hat, hat mich allerdings weniger interessiert, genauso wenig wie die Kunst Peter Alexanders. Ist ja auch Geschmmackssache.

    Und was die heutigen politischen Verurteiler unter den Nachgeborenen angeht? Freuen wir uns, dass wir diese zu spät geborenen Widerstandskämpfer nicht brauchen.

    Es konnten nicht alle die Künstler, die mit dem Regime nicht einverstanden waren, ins Exil gehen. Vor allem die jüdischen Künstler wurden ins Exil gedrängt (was etwas anderes ist) oder ermordet.

    Woher nehmen Sie die Phantasie, dass erstens gerade die Künstler besonders kritisch gewesen waren und zweitens nicht dazu kamen, sich dementsprechend zu verhalten?
    Nein, bis 1943 gab es eine massive und sehr weit verbreitete Zustimmung unter den "arischen" Deutschen. Also so lange, wie das System erfolgreich war, im Sinne seiner verbrecherischen Interessen.

    Zudem vergessen Sie nicht: Heesters war kein Deutscher. Er hat sich für Deutschland entschieden.

    • xpeten
    • 25. Dezember 2011 13:34 Uhr

    Entfernt. Bitte bleiben Sie beim Thema des Artikels und verzichten auf Polemik. Danke, die Redaktion/se

  5. O.w.T.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service