Film "Drive" Die Stille zwischen den Crashs

Wer stehen bleibt, ist tot: Im dänischen Thriller "Drive" bringt sich ein Stuntman um die Zukunft mit der Frau, die er liebt. Ryan Gosling glänzt in der Hauptrolle.

Ohne Zukunft: Driver (Ryan Gosling) und Irene (Carey Mulligan) begegnen sich in "Drive" zum ersten Mal im Aufzug.

Ohne Zukunft: Driver (Ryan Gosling) und Irene (Carey Mulligan) begegnen sich in "Drive" zum ersten Mal im Aufzug.

Verfolgungsjagden per Automobil gehören zur dramaturgischen Grundausstattung nicht nur des Actionkinos. Da sollte ein Film mit dem bewusst an Walter Hills Genreklassiker Driver anspielenden Titel Drive einiges bieten, erst recht, wenn er einen namenlos bleibenden Asphalt-Cowboy (Ryan Gosling) zum Helden erhebt.


Doch die wenigen, zudem eher zähen Rasereien durch ein taghell gleißendes oder nächtlich schimmerndes Los Angeles (Kamera: Newton Thomas Sigel) dürften Fans von stilisierten Blechballetten wie Fast & Furious vor Rätsel stellen: Da explodiert nichts, da fliegt kaum etwas durch die Luft, und es wird auch nur jede zweite Ampel bei Rot überfahren. Stattdessen verformen sich tonnenschwere Vehikel mit realistischer Trägheit – selten wurden die Auswirkungen kinetischer Energie so unprätentiös und eindrucksvoll visualisiert.

Anzeige

Der dänische Regisseur Nicolas Winding Refn erzählt in Drive eine Geschichte von archaischer Wucht, einfach in den Grundmotiven und doch erratisch. Sein anonymer Driver ist – Goslings bubenhaft-zarten Gesichtszügen zum Trotz – kein Unschuldsengel, sondern ein Pragmatiker am Lenkrad, der seine Fahrkünste sowohl als Stuntman wie auch als Fluchtwagenlenker für Überfälle zur Verfügung stellt. Natürlich ist es die Liebe, die eine verhängnisvolle Ereigniskette in Gang setzt, als sein Panzer aus Gleichmut und Einsamkeit von der Zuneigung einer Nachbarin (Carey Mulligan) aufgebrochen wird und der Driver plötzlich moralische Maßstäbe für sein Handeln an den Tag legt.

Die Kinowoche auf ZEIT ONLINE

Rezensionen und Interviews zu den Filmstarts dieser Woche

Glück (Deutschland; Regie: Doris Dörrie)
Im Land von Blut und Honig
(USA; Regie: Angelina Jolie)
Sergej in der Urne
(Deutschland; Regie: Boris Hars-Tschachotin)
Young Adult
(USA; Regie: Jason Reitman)

Weitere Interviews und Besprechungen auf unseren Film- und DVD-Seiten

Vergangene Filmwoche

Rezensionen und Interviews zu den Filmstarts vergangener Woche:

Gefährten (USA; Regie: Steven Spielberg)
Extrem laut und unglaublich nah
(USA; Regie: Stephen Daldry)
Die Thomaner
(Deutschland; Regie: Paul Smaczny)

Weitere Interviews und Besprechungen auf unseren Film- und DVD-Seiten

Ihre Rezension

Haben Sie diesen Film bereits gesehen? Wie hat er Ihnen gefallen? Oder hat Sie in letzter Zeit ein anderer Film besonders beeindruckt oder enttäuscht? ZEIT ONLINE freut sich auf Ihre Filmrezension. Auf dieser Seite können Sie Ihren Text verfassen. In unseren Leserartikel-FAQ erfahren Sie, wie Sie dabei vorgehen sollten.

Drive war zunächst als Blockbuster mit Hugh Jackman in der Hauptrolle geplant. Kaum vorstellbar, dass dies mit dem vorliegenden Werk, das nur 15 Millionen Dollar kostete, hätte konkurrieren können. Ryan Gosling brilliert als Titelheld, unter dessen somnambuler Erscheinung ein Vulkan brodelt. Carey Mulligan ist in ihrer kindfraulichen Rätselhaftigkeit ein faszinierendes Love Interest, Breaking Bad-Star Brian Cranston gibt als väterlicher Schrauber einen herzzerreißenden Loser ab, Albert Brooks und Ron Perlman sind hinreißende Übelwichte.

Suggestive Bilder, ein hypnotischer Soundtrack und ein ruhiger, von verstörenden Gewaltexplosionen durchbrochener Erzählrhythmus sind weitere Zutaten dieses meisterhaften, jenseits aller Genrezuordnungen funktionierenden Films, der das Zeug zum Klassiker hat.

Erschienen im Tagesspiegel

 
Leser-Kommentare
  1. Der Film war super. Ein Krimi mit Action, aber er hält sich an durchdachten Akteuren und der Physik fest.

    Ganz großes Plus: Ein Soundtrack im Stil der 80er. Wow, hat der gut gepasst!!

    Umbedingt ansehen.

  2. !! Ron Perlman ist übrigens auch ein Serienstar aus "Sons of Anarchy".

  3. Eine Erzählung, die dich von der ersten Minute an packt.
    Der Film bewegt sich nahe der Grenze zum Stummfilm - sehr beeindruckendes Werk.

    Eine Leser-Empfehlung
  4. artet komplett zum gewalt-kitsch aus!

    war bitter enttäuscht.

    schade um den tollen film. hätte potential gehabt.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Anay
    • 28.01.2012 um 10:34 Uhr

    Und? Das tat Taxi Driver auch. If you can't stand the heat…, kann man da nur sagen.

    • Anay
    • 28.01.2012 um 10:34 Uhr

    Und? Das tat Taxi Driver auch. If you can't stand the heat…, kann man da nur sagen.

    • Anay
    • 28.01.2012 um 10:34 Uhr

    Und? Das tat Taxi Driver auch. If you can't stand the heat…, kann man da nur sagen.

    Antwort auf "GRAUENHAFT!"
  5. Kann sich die Zeit eigentlich keine besseren Rezensionen leisten? Wie kommt der Autor darauf, der Film sei dänisch? Auch mit 'Driver' hat der Film nichts zu tun, sondern basiert auf dem gleichnamigen Buch von James Sallis...

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Der Film wurde von einem dänischen Regisseur verfilmt, ist an sich aber wohl kaum "dänisch" (spielt in USA, wo auch die Produzenten des Films hocken)

    Der Film basiert zwar auf dem Buch Drive von James Sallis, aber der Film nimmt anklang am Film Driver von 1978 -> http://de.wikipedia.org/wiki/Driver_(Film)

    Der Film wurde von einem dänischen Regisseur verfilmt, ist an sich aber wohl kaum "dänisch" (spielt in USA, wo auch die Produzenten des Films hocken)

    Der Film basiert zwar auf dem Buch Drive von James Sallis, aber der Film nimmt anklang am Film Driver von 1978 -> http://de.wikipedia.org/wiki/Driver_(Film)

  6. Der Film wurde von einem dänischen Regisseur verfilmt, ist an sich aber wohl kaum "dänisch" (spielt in USA, wo auch die Produzenten des Films hocken)

    Der Film basiert zwar auf dem Buch Drive von James Sallis, aber der Film nimmt anklang am Film Driver von 1978 -> http://de.wikipedia.org/wiki/Driver_(Film)

    Antwort auf "Kein Drive"
  7. verdeutlicht mal wieder warum man nur noch die Originale in Englisch sehen sollte.

    Da geht so viel in der Synchronisation verloren...einfach nur schade.

    Perlman und Cranston in einem Film? Gebucht! ;)

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle Tagesspiegel
  • Kommentare 9
  • Versenden E-Mail verschicken
  • Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
  • Artikel Drucken Druckversion | PDF
  • Schlagworte Filmrezension | Film | Regisseur | Schauspieler
  • Artikel-Tools präsentiert von:

Service