Stummfilmerfolg "The Artist"Eine französische Liebeserklärung an Hollywood

Der Regisseur Michel Hazanavicius wagt gegen alle Trends und Normen einen Film im Stil der zwanziger Jahre Hollywoods. Am Ende kann er damit den Oscar gewinnen. von Ama Lorenz

Man nehme eine Liebesgeschichte in schwarz-weiß, ein Orchester, das die Filmmusik in einem Graben unter der Leinwand spielt und Schauspieler, die ohne Dialoge agieren – fertig ist ein Stummfilm. Doch so einfach ist es nicht in unserer Welt der 3D-Filme und Spezialeffekte. Vor sieben Jahren beginnt der französische Regisseur Michel Hazanavicius, die Idee für einen Stummfilm in Schwarz-Weiß zu entwickeln. "Als ich Freunden, Schauspielern und Produzenten von meiner Idee für diesen Film erzählte, haben sie alle gelacht", sagt er.

Hazanavicius führt uns mit The Artist in die glamourösen späten zwanziger Jahre Hollywoods mit ihren aufwändigen Garderoben, Champagner, dem Swing und schnittigen Sportwagen, als das Kino Kunstform und Massenspektakel in einem war. Im Mittelpunkt der Geschichte steht der charmante Superstar der Stummfilm-Ära, der Hollywood-Schauspieler George Valentin (Jean Dujardin). Die Fans liegen ihm zu Füßen und auch sein Produzent Al Zimmer (John Goodman) weiß, was er an ihm hat.

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Während der Dreharbeiten zu seinem neuen Film lernt der verheiratete Valentin – dessen Ehefrau (Penelope Ann Miller) im Glanz ihres Mannes immer frustrierter wirkt – das aufstrebende Starlet Peppy Miller (Bérénice Béjo) kennen. Sie steht für das Neue und für die Veränderungen, die Valentin schon bald überrollen werden.


Doch noch ist er auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Beide verlieben sich ineinander, gehen jedoch getrennte Wege. Während Peppy Miller die Chance ergreift und bei Valentins Produktionsfirma der neue Star wird, verpasst dieser den Absprung in eine neue Ära: die des Tonfilms. Was folgt ist Valentins Absturz. Sein getreuer Fahrer Clifton (James Cromwell), sein Hund Jack (Uggy) und die Erinnerungen an seine Triumphe sind, was ihm bleibt. Wird er die Folgen seiner wirtschaftlichen und persönlichen Krisen überstehen? Und was wird aus seiner Beziehung zu Peppy?

Eine Hommage an die großen Künstler der Stummfilm-Ära

The Artist ist ein anrührendes Melodrama und augenzwinkernde Komödie zugleich. Intelligent verbindet er beide Genres und taucht in die Bildsprache der Stummfilm-Zeit und die Erinnerungen, die wir mit ihr verbinden, ein. Gleichwohl distanziert er sich aber von einer reinen Imitation. Selbst die Überraschungen im Film kommen nicht als nette Tricks daher, sondern sind erfrischend klug gesetzt.

Wie bei seinen Vorbildern ist die von Ludovic Bource komponierte und vom Flandrischen Orchester eingespielte Filmmusik auf jede Stimmung in der Geschichte abgestimmt und schafft die Nähe oder notwendige Distanz zwischen Bild und Musik. Ein Spaß für jeden, der die Musik aus dieser Zeit mag.

Regisseur Hazanavicius und sein Kameramann Guillaume Schiffman haben sich viel Zeit genommen, sowohl durch die Farb- und Lichteinstellungen als auch durch die Kostüme das perfekte Schwarz-Weiß des in eigentlich in Farbe aufgenommenen Films zu erhalten.

Leserkommentare
  1. Toller Film und sehr gute Kritik, die Kritik hat mich ermuntert den Film anzusehen, der Trailer ließ mich eher zögern.
    THE ARTIST ist wirklich ein intelligent gemachter Genuss, den man nicht verpassen sollte.

  2. Diesen Film im Kino anzuschauen ist eine einzigartige Erfahrung, die man nicht verpassen sollte. Auch visuell ist er ein Juwel.

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  • Schlagworte Hollywood | Film | Filmmusik | John Ford | Orchester | Swing
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