Gespräch Markus Schleinzer "Das Schreckliche an der Opfersituation ist, dass man so viel mitträgt"

Markus Schleinzer erhielt für sein Regiedebüt "Michael" über einen monströs-normalen Pädophilen den Max Ophüls Preis. Hier erzählt er, wie er das Thema recherchiert hat.

ZEIT ONLINE: Viele Menschen fordern für Kinderschänder drakonische Strafen. Sie auch?

Markus Schleinzer: Ich kann Menschen verstehen, deren erster Gedanke der Ruf nach einem mittelalterlichen Recht ist. Meine Emotion schließt sich dem an. Es ist erschreckend. Als ich von dem Attentat in Oslo gehört habe, war mein erster Wunsch, dass sich dieser Mann hoffentlich selbst hingerichtet haben wird, wie man das in solchen Fällen oft so sauber serviert bekommt. Dann wünschte ich mir, dass man ganz Schreckliches mit solchen Menschen anstellt. Dieses Wünschen hat mich so schockiert, dass es ein zusätzliches Motiv wurde, an diesem Stoff zu arbeiten.

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ZEIT ONLINE: Ihr Protagonist, hat nichts mit den bekannten Täterfiguren zu tun, die in den vergangenen Jahren durch die Medien gingen: mit dem Fall Kampusch, dem Fall Fritzl. Ihre Täterfigur haben Sie von einer Psychologin wissenschaftlich absichern lassen. Haben Sie Ihrem eigenen Konstruktionstalent nicht getraut?

Markus Schleinzer

"Da wir uns in Zukunft neuen Herausforderungen widmen werden, wurde das Büro geschlossen", heißt es lapidar auf der Homepage von Vendetta Film, der Casting-Agentur, für die Markus Schleinzer jahrelang gearbeitet hat, mit Regisseuren wie Jessica Hausner, Ulrich Seidl, Benjamin Heisenberg und Michael Haneke. Über 60 Spielfilme, für die der 39-jährige gebürtige Wiener stilsicher und kenntnisreich die passenden Darsteller suchte, sind von 1994 bis 2010 entstanden. Besonders als Trainer für anspruchsvolle Kinderrollen hat Schleinzer sich einen Namen gemacht, besonders in Hanekes Weißem Band. Markus Schleinzer wählte aus 7.000 Kindern 48 für den Film aus. Schon lange habe er einmal selbst einen Spielfilm inszenieren wollen, sagt Schleinzer ZEIT ONLINE. Mit Michael ist ihm das gelungen. Mehr noch: Michael wurde im Mai als einziger deutschsprachiger Beitrag in den Wettbewerb des Filmfestivals nach Cannes eingeladen und erhielt am Wochenende den Max Ophüls Preis.

Zum Film "Michael"

Unterkühlt und ernsthaft, die Dialoge auf ein Minimum reduziert und ohne jeden Musikeinsatz als Emotionsverstärker – so inszeniert Markus Schleinzer sein Spielfilmdebüt Michael. Der Film beschreibt die letzten Monate des unfreiwilligen Zusammenlebens eines 35-jährigen Pädophilen mit seinem Opfer. Der Junge ist ein Gefangener im hermetisch abgeriegelten Kellerraum seines Peinigers, der die Fassade des unscheinbaren Versicherungsangestellten jahrelang so gut aufrechterhalten hat, dass weder seine Familie noch seine Kollegen ahnen, welches perfide Doppelleben er führt. Schleinzer stellt den Täter in den Mittelpunkt seines Films, nicht das Opfer. Die Isolation des Kinderschänders ist darin ebenso erschütternd anzusehen wie die scheinbare Ausweglosigkeit der Gefangenschaft des 10-Jährigen in seinem Kellerraum, wo zu festgesetzter Stunde allabendlich das Licht verlöscht.

Zur Rezension Protokoll einer monströsen Normalität

Schleinzer: Ich halte es für nicht richtig, einen Film über das Thema zu machen und sich dem Wildwuchs der eigenen Phantasie zu überantworten. Das ist geschmacklos. Ich habe schon zu viele Filme gesehen, in denen Kindesmissbrauch als Motiv herbeizitiert wurde, ich aber das Gefühl hatte, die Filmemacher erzählten ihre Geschichte, wie es ihnen dramaturgisch in den Kram passte – kaum eine CSI-Folge oder ein Tatort, in dem das nicht der Fall wäre. Das finde ich widerlich und ärgert mich wahnsinnig, weil so viel Dummheit damit getrieben wird – und Missbrauch. Es war mir also wichtig, dass die Handlung noch einmal von Heidi Kastner, einer forensischen Psychologin, deren Spezialgebiet diese Art von Mensch ist, überprüft wird. Vielleicht bin ich außerdem ein ängstlicher Mensch und wollte nicht in der Sorge leben, mir nachher von Hinz und Kunz sagen lassen zu müssen, das sei alles ein Quatsch.

ZEIT ONLINE: Michael und das gefangene Kind unternehmen auch Ausflüge. Warum läuft der Junge nicht einfach weg?

Schleinzer: Weil er das nicht kann! Das Schreckliche an der Opfersituation ist ja, dass man so sehr viel mitmacht und mitträgt. Eines der berührendsten Bücher, die ich je gelesen habe, ist das von Sabine Dardenne, Ihm in die Augen sehen. Sie war eine der zwei Dutroux-Überlebenden, das Mädchen, das am längsten gefangen gehalten wurde. Dutroux hat sie glauben gemacht, dass ihr Vater, ein Polizist, sich mit der Mafia eingelassen hätte. Und dass die Mafia komme und alle häuten und umbringen würde und dass ihr Vater ihn persönlich gebeten habe, das Mädchen in Gewahrsam zu nehmen und zu beschützen. Sie hat das geglaubt, obwohl sie in diesem Käfig eingekerkert war, nackt, angekettet, schwerst missbraucht – grauenvoll. Trotzdem hat sich irgendetwas in ihrem Kopf daran festgehalten, dass dieser Mensch noch etwas von Güte haben müsse. Sie sagt in ihrem Buch, das sei es, wofür sie sich am meisten schäme: Dass sie bis zum Ende immer noch bereit war, Dutroux zu glauben.

Sabine Dardenne war etwas älter als mein Darstellerkind. Aber wenn du mit zehn Jahren einer Situation wie dieser ausgeliefert bist, musst du dich organisieren, um das überleben zu können, nicht nur im Alltag, sondern auch in deinem Geiste. Wenn einem so etwas Extremes widerfährt, dann mit absolut geistiger Offenheit geschlagen zu sein, kann auch ein Fluch sein, möchte ich fast sagen.

ZEIT ONLINE: Stilistisch könnte Michael auch ein Film von Michael Haneke sein. Inwieweit ist Haneke ein Vorbild für Sie?

Leser-Kommentare
  1. In einer Newsletternachricht vom 30.01.2012 fordert der Botschaftenvermittler Herrn Wolfgang Nebrig alias Jophiel Mitglied der Lichtfamilie www.teleboom.de, seine Newsletterempfänger auf, den sexuellen Missbrauch an Kindern als ein Akt der Liebe anzusehen. Hier der Teilauszug und Aufruf zur Förderung von sexuellem Missbrauch an Kindern.
    Emailbotschaft von Herrn Wolfgang Nebrig alias Jophiel:

    Auch hier möchte ich eine eigene Erfahrung aus unserer Heilarbeit mitteilen.

    Zwei Seelen machen sich vor der Inkarnation aus, dass die eine Seele zuerst inkarniert und die 2. Seele dann als eigenes Kind begrüßt. Und so inkarnierten sie als Vater und Tochter. Und wie vor der Inkarnation besprochen, vergewaltigte der Vater seine Tochter, weil die Tochter-Seele dies unbedingt mal in einer Inkarnation erleben wollte.

    Und was machen wir? Wir verurteilen den Vater aufs Schärfste. Wir fordern eine hohe und harte Strafe. Dabei hat diese Seele nur aus große Liebe zu der anderen Seele gehandelt und ihr diesen Wunsch (aus Liebe) erfüllt. Deshalb auch hier an dieser Stelle meine Bitte: Verurteilt nie einen Menschen, egal was er tut. Wir kennen die spirituellen Hintergründe dieses Tuns nicht! Und deshalb hat auch Jesus sinngemäß zu den Menschen gesagt: Vergebt und liebt auch Eure Feinde. ~ Ergänzung von Jophiel

    "Hurra" Pädophile und Väter die ihre Kinder missbrauchen, erhalten Feibrief zu Straftaten. So die wahre Message von Herrn Wolfgang Nebrig alias Jophiel

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