Film "Kriegerin""Niemand will das neue Hoyerswerda sein"

Wie definieren sich Frauen in der rechten Szene? In seinem Film "Kriegerin" setzt sich der Regisseur David Wnendt mit der Ideologie weiblicher Neonazis auseinander. von 

Sandro (Gerdy Zint) und Marisa (Alina Levshin) sind ein Paar.

Sandro (Gerdy Zint) und Marisa (Alina Levshin) sind ein Paar.  |  © Ascot Elite Filmverleih / Alexander Janetzko

ZEIT ONLINE: Warum haben Sie sich mit dem Thema Rechtsradikalismus auseinandergesetzt?

David Wnendt:  Als ich nach dem Abitur 1997 nach Berlin gekommen bin, habe ich für mein Studium ein Fotoprojekt in Brandenburg und Sachsen-Anhalt gemacht. Bei diesen Touren fiel mir auf, dass es in den Dörfern und Städten viele Jugendliche gab, die wegen ihrer Frisur und Kleidung der rechten Szene zuzuordnen waren. Das war ganz anders, als ich das aus meiner Schulzeit in der Nähe von Bonn kannte. Da wäre ein einzelner rechter Skinhead auf der Schule ein Skandal gewesen. Hier war das ein breites Phänomen , um das sich niemand zu kümmern schien.

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ZEIT ONLINE: Warum blicken Sie in Ihrem Film Kriegerin aus der Frauenperspektive auf die rechtsextreme Szene?

Wnendt:Es gibt immer mehr Frauen in der rechten Szene , die auf verschiedenen Ebenen mitmachen – sei es als Funktionärin, in den Kameradschaften oder bei gewalttätigen Aktionen. Das fand ich sehr spannend, weil diese Frauen offensichtlich mit gewissen Widersprüchen leben. In der rechtsradikalen Ideologie werden Frauen ja kaum Entwicklungsmöglichkeiten zugestanden. Ihr Platz ist zu Hause als Mutter am Herd. Das Rebellische, was diese Frauen in den rechten Gruppen ausleben, kommt in ihrer Ideologie gar nicht vor.

ZEIT ONLINE: Sie haben in der rechtsextremen Szene recherchiert. Wie gehen die Frauen mit diesem Widerspruch um?

Wnendt: Wir haben über einschlägige Internetforen Kontakt aufgenommen und letztendlich sind sechs sehr intensive Gespräche mit Frauen aus der rechten Szene zustande gekommen. Natürlich nehmen sie diese Widersprüche auch wahr, haben sich aber darin eingerichtet. Sie sind vehement gegen den Feminismus und sagen, dass sie eigentlich Mutter und Hausfrau sein wollen, so aber im Moment noch nicht leben können.

ZEIT ONLINE: Was hat Sie in den Gesprächen am meisten überrascht?

 

Wnendt: Dass die direkte Kriegsgeneration der Groß- und Urgroßväter eine so wichtige Rolle spielt. Eine der Frauen hat mir erzählt, dass sie mit ihren Eltern viele Konflikte, aber zu ihrem Urgroßvater immer ein vertrautes Verhältnis hatte. Und wenn dieser Urgroßvater sagt: "Das Dritte Reich war gut. Glaube ja nicht alles, was die über den Holocaust erzählen", dann glaubt dieses Mädchen eher ihrem Urgroßvater als der Lehrerin in der Schule .

ZEIT ONLINE: Sie sind auch bei Nazi-Demos mitgelaufen. Wie fühlt man sich dort als Andersdenkender?

Wnendt: Da ist man natürlich unter einer großen Anspannung. Ich war inkognito und hatte natürlich Angst aufzufliegen. Bei einer Demonstration in Lübben war ich der Einzige, der allein kam, und das fiel natürlich auf. Ich wurde ziemlich schnell angesprochen, musste meinen Namen sagen, meinen Ausweis zeigen, durfte aber dann mitlaufen und sogar das Transparent halten. Wenn man mitten in so einer Demo ist, versucht man natürlich alles genau zu beobachten und in sich aufzunehmen. Aber es ist schon gruselig, wenn man durch so eine Kleinstadt läuft und alle rufen "Nationaler Sozialismus – Jetzt!"

ZEIT ONLINE: Ist die rechtsextreme Szene in Ostdeutschland wirklich stärker oder ist das nur ein Vorurteil?

David Wnendt
David Wnendt

David Wnendt (geb. 1977) studierte Film an der FAMU in Prag und der HFF Konrad Wolf in Potsdam-Babelsberg. Die Kriegerin ist sein Abschlussfilm. Darin porträtiert er die rechtsextreme Szene in Ostdeutschland anhand der Protagonistin Marisa (Alina Levshin), die beginnt ihre eigene Gewaltbereitschaft infrage zu stellen.

Wnendt: Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus gibt es überall. Im Osten, im Westen und nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen Ländern. Von den absoluten Zahlen ist die Anzahl der rechtsextremen Gewalttaten in Ost- und Westdeutschland etwa gleich , aber auf die Bevölkerungszahl umgerechnet ist sie im Osten deutlich höher. In der Propaganda der Neonazis im Osten wird das Thema Sozialismus stärker betont. Die rechtsradikale Ideologie wird dort mit einer bestimmten Kapitalismuskritik verbunden. Die Neonazis sind gegen die Globalisierung, wollen wieder mehr staatliche Kontrolle in der Wirtschaft, aber eben unter nationalen Gesichtspunkten. In Ostdeutschland finden die jungen Rechtsradikalen in der Elterngeneration auch noch einmal andere Anknüpfungspunkte. Auch wenn die Eltern gegen Nazis und Gewalt sind, gibt es in der Kritik am Kapitalismus und dem westlichen parlamentarischen System auch Gemeinsamkeiten.

Leserkommentare
    • Azenion
    • 18. Januar 2012 16:48 Uhr

    "Demokratie" und "parlamentarisches System" ist nicht das gleiche.

    Das parlamentarische System, in dem der Bürger exakt Null verbrieften Einfluß auf den Gesetzgebungsprozess hat, ist nicht demokratisch, denn nicht das Volk herrscht, sondern Parlamentarier, die straflos machen können was sie wollen. Abwahl ist doch keine Strafe, wenn die Honigtöpfe der "Eliten" als Belohnung für Wählerverrat winken.

    Wer unserem System "skeptisch gegenüber steht" kann genauso gut mehr Demokratie wünschen wie weniger. Und ich nehme an, die meisten tun genau das!

    9 Leserempfehlungen
  1. “.... Ich bin ein Teil von jener Kraft, die stets das Gute will und Böse schafft.“

    Vielleicht fragen man sich mal, warum sich immer mehr Menschen vom offiziellen Political Correctness abwenden. Vielleicht analysiert man einmal, warum der rechtsradikale Positionen, die bis vor ein paar Jahren fast ausschließlich auf junge Männer begrenzt waren, plötzlich auch von jungen Frauen vertreten werden.

    Warum sich diese Menschen und auch unsere Polizei, von der Politik und der Justiz im Stich gelassen und verraten fühlt.

    Zur Zeit kochen gerade in Sachsen-Anhalt die Emotionen wieder hoch. Auch so ein „rechtes“ Land.

    http://www.mz-web.de/serv...

    http://www.mz-web.de/serv...

    Inzwischen sind ja solche Ereignisse wie in Dessau, in DE keine Einzelfälle mehr. -> Teil 2

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    Aber ausländerfeindliche Sätze und Einstellungen kenn ich von Frauen genauso wie von Männern, die geben sich da nun wirklich nichts.

  2. 3. Teil 2

    Aber ein polizeilich bekannter Deutscher, der einem Afrikaner, der einem Opfer zu Seite stehen wollte, ein Messer in den Kopf gerammt hätte, hätte wahrscheinlich für eine Sondersitzung im Bundestag gesorgt.

    Demokratie, Freiheit und Gleichbehandlung für alle und wirklich für alle.

    Statt dessen müssen sich in manchen linken Foren, die Freunde und Angehörige des Opfers, die sich spontan zu einer Mahnwache versammelt hatten, auch noch als Nazis beschimpfen lassen.

    In unserer sogenannten multikulturellen Gesellschaft haben einige Zeitgenossen jeglichen gesunden Menschenverstand, Gerechtigkeitsempfinden, Anstand und Realismus verloren.

    Und sollte sich das so ungebremst fortsetzten, wird auch der Westen ganz schnell in der rechten Statistik aufholen....

    Eine Leserempfehlung
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    Dann klärt sich vieles von alleine.
    Sie sollten aber auch diesen Artikel lesen, besonders die Fragen 8 und 9, plus zugehörige Antworten, dann würden Sie vielleicht auch nichts von "Sondersitzungen des Bundestags" schreiben.

  3. Es überrascht mich nicht, dass es auch Frauen geben soll, die dafür kämpfen, kochende und putzende Gebärmaschinen sein zu dürfen. Allerdings bezweifle ich stark, dass die interviewten Damen tatsächlich wissen, wofür sie eigentlich kämpfen. Zuerst ist da nämlich bloss Wut, ein verletztes Selbstwertgefühl und die Lust, gegen die Gesellschaft und "die Spiesser" zu rebellieren. Bei den meisten ist es nur eine Frage des Zufalls, ob sie sich den Punks (links) oder eben den Glatzen (rechts) anschliessen. Die Ideologie wird dann dementsprechend angepasst.

    3 Leserempfehlungen
  4. ...mir!

    Ansonsten interessiert mich der Film eher nicht.

    P.S. ex-Oi! ;-)

  5. Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich mit sachlichen Argumenten und verzichten Sie auf diskriminierende Pauschalisierungen. Danke, die Redaktion/lv

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    die skandinavischen Frauen, die von ihren skandinavischen Männern vergewaltigt werden...

    Entfernt. Bitte achten Sie auf einen differenzierten und sachlich argumentierten Diskussionsbeitrag. Danke, die Redaktion/lv

    Und so bestätigen sie nur was ich schrieb.

    Ich konnte das jetzt Entfernte noch lesen.

    Dann geben sie doch mal ihre ach so zuverlässigen skandinavischen Quellen an und ich sag Ihnen wieviel Wahrheitsgehalt dran ist.

    Auch bei uns in Norwegen wird immer noch mehr Gewalt in der Familie ausgeübt als von Ausländern an den 'blonden skandinavischen Frauen' (Ihr Ideal hinkt leider, es gibt gemessen an der Gesamtbevölkerungszahl nicht so viele Blondinen wie sie gern hätten. Waren sie eigentlich schon mal weiter nördlich als Oslo?)

    Übrigens Gewalt von norwegischen Männern an ihren Frauen, egal ob norwegisch oder 'aus dem Urlaub mitgebracht' (auch nicht gerade selten hier). Die Frauenhäuser sind voll davon.

    Lg aus Norwegen.

    Entfernt. Bitte kehren Sie zum Artikelthema zurück. Danke, die Redaktion/lv

  6. die skandinavischen Frauen, die von ihren skandinavischen Männern vergewaltigt werden...

    5 Leserempfehlungen
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    wenn man hineinsticht entsteht ein großes Gesumme.

    Die Fakten bleiben aber.

  7. Dann klärt sich vieles von alleine.
    Sie sollten aber auch diesen Artikel lesen, besonders die Fragen 8 und 9, plus zugehörige Antworten, dann würden Sie vielleicht auch nichts von "Sondersitzungen des Bundestags" schreiben.

    Antwort auf "Teil 2"
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    Nicht um die Beschönigung und Besänftigung durch die MSM Medien.

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