Max Ophüls-Festival Nie wieder sorgenfrei leben
Bislang war die Banken- und Wirtschaftskrise nur selten Thema eines Films. Anika Wangard bezieht nun in ihrem Debüt "Crashkurs" Position für die Verlierer der Krise.
© Max Ophüls Festival/dffb

Eva Meyenburg (Monika Lennartz, zweite von rechts) und ihre Mitprotestler wurden vom Filialleiter der Bank (Rainer Reiners) schlecht beraten.
Der Bankfilialleiter windet sich wortreich und muss schließlich, als die ältere Kundin einfach nicht verstehen will, deutlicher werden, als ihm lieb ist. "Ihr Geld ist weg", platzt es aus ihm heraus. 120.000 Euro hatte Eva Meyenburg (Monika Lennartz) auf Anraten ihrer Bank in die Fonds eines amerikanischen Geldinstitutes investiert, das im Zuge der Krise nun Insolvenz angemeldet hat. Dem Berliner Rentnerpaar ist es nie schlecht ergangen. Gerade haben sie eine schicke Neubauwohnung in zentraler Lage bezogen und das Polster auf der Bank sollte ihnen einen sorgenfreien Lebensabend garantieren. Ehemann Alexander (Ulrich Voß), der sich nie um die Finanzen gekümmert hat, reagiert ebenso verärgert wie lethargisch auf den Vermögensverlust, aber Eva kann sich nicht damit abfinden.
Die anfänglichen Schuldgefühle verwandeln sich in Widerstandsgeist. Eine Anwältin wird hinzugezogen, aber die Klage gegen den Bankberater wird vom Gericht abgewiesen. Derweil findet die kleine, alte Dame weitere Betroffene und gemeinsam mit dem liebenswürdigen Antiquitätenhändler Alfons (Armando Dotto) und der patenten Urberlinerin Rosi (Evelyn Meyka) beginnen die Senioren mit Protestaktionen gegen die Bank. Mit Flugblättern und Sitzblockaden machen sie Öffentlichkeit und Medien auf den Betrug aufmerksam. Sogar in dem griesgrämigen Alexander erwachen neue Lebensgeister. Nachts zieht er mit Alfons los und sprüht Parolen auf die Fensterscheiben der Bankfilialen. Schließlich gerät er sogar wegen Verdacht auf Anstiftung zu terroristischer Aktivitäten in Untersuchungshaft.
Es ist verwunderlich, dass ein einschneidendes Ereignis wie die Banken- und Wirtschaftskrise im deutschen Kino bisher kaum reflektiert wurde. Anika Wangard stellt sich nun mit ihrem Debütfilm Crashkurs, der beim diesjährigen Filmfestival Max Ophülspreis im Wettbewerb uraufgeführt wurde, auf die Seite der Krisenverlierer. Die Berliner dffb-Absolventin, die für ihren Film in der Betroffenen- und Protestszene ausführlich recherchiert hat, will zeigen, "welche Auswirkungen die globale Erschütterung im kleinsten Kosmos einer Familie hat". Dabei hängt sie ihren Film mit einem gelassenen Erzählton als Tragikomödie auf, die Position bezieht, aber nie zum politischen Pamphlet mutiert.
Mit leicht amüsiertem Blick schaut Wangard auf das Ehepaar, das sich schon in seiner Lebensabendmonotonie eingerichtet hatte und sich nun durch den Verlust der Ersparnisse und den Protest gegen die Banken neu zueinander verorten muss. Monika Lennartz und Ulrich Voß spielen die Entwicklung ihrer Figuren vollkommen unaufgeregt und sehr feinsinnig aus.
- Die Kinowoche auf ZEIT ONLINE
-
Rezensionen und Interviews zu den Filmstarts dieser Woche
Glück (Deutschland; Regie: Doris Dörrie)
Im Land von Blut und Honig (USA; Regie: Angelina Jolie)
Sergej in der Urne (Deutschland; Regie: Boris Hars-Tschachotin)
Young Adult (USA; Regie: Jason Reitman)
Weitere Interviews und Besprechungen auf unseren Film- und DVD-Seiten - Vergangene Filmwoche
-
Rezensionen und Interviews zu den Filmstarts vergangener Woche:
Gefährten (USA; Regie: Steven Spielberg)
Extrem laut und unglaublich nah (USA; Regie: Stephen Daldry)
Die Thomaner (Deutschland; Regie: Paul Smaczny)
Weitere Interviews und Besprechungen auf unseren Film- und DVD-Seiten - Ihre Rezension
Haben Sie diesen Film bereits gesehen? Wie hat er Ihnen gefallen? Oder hat Sie in letzter Zeit ein anderer Film besonders beeindruckt oder enttäuscht? ZEIT ONLINE freut sich auf Ihre Filmrezension. Auf dieser Seite können Sie Ihren Text verfassen. In unseren Leserartikel-FAQ erfahren Sie, wie Sie dabei vorgehen sollten.
Trotz seiner sanften Erzählweise und der eher konventionellen visuellen Auflösung ist Crashkurs kein Feel-Good-Movie, das mit einer Hand voll kauziger Rentner kämpferischen Zwangsoptimismus verbreiten will. Ein Happy End im Kampf zwischen David und Goliath gibt es hier nicht. Im Angesicht der monströsen Bankhochhäuser in Frankfurt macht Eva - die Buttersäureflaschen im Rucksack – wieder kehrt. Auf eine Entschädigung wird sie noch lange warten, genauso wie die Protestler, die vor dem Abspann in Dokumentaraufnahmen gezeigt werden.
Noch bis zum Sonnabend konkurrieren beim Saarbrücker Filmfestival sechzehn abendfüllende Spielfilme, vierzehn mittellange, zwanzig Kurzfilme sowie zwölf Dokumentarfilme um die Trophäen mit dem stählernen Herzen und Preisgelder mit einem Gesamtwert von 60.000 Euro.
- Datum 20.01.2012 - 12:18 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 8
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:








"Lebensabendmonotonie". Dann haben sie ja Glück gehabt, dass ihnen die erspart geblieben ist. Lina Braake lässt grüßen.
Da ist mir das Original tausendmal lieber, obwohl dieser Film - nach dem, was darüber zu lesen ist - deutlich zeigt, was schon die Frankfurter Allg. Sonntagszeitung vor Jahren schrieb: "Wer reich ist, kann zocken - wer arm ist, muss zocken." Heute, wo niemand mehr weiß, ob er überhaupt noch eine Altersversorgung bekommt, ist 'alles auf eine Karte setzen' die einzige Möglichkeit für alle, die kein Erbe zu erwarten haben, zu Geld zu kommen. Und das sollten auch Occupy-Aktivisten bedenken - ohne Geld ist man der letzte A.....
Warum muß ich zocken?
Warum muß ich, um auf das Beispiel aus dem Artikel/Film zurückzugreifen, als Rentner mit meiner ALTERSVORSORGE zocken?
Oder, wie der Familienvater der das beim Jauch im TV beklagte, warum muss ein solcher den Ausbildungsfond der Kinder verzocken?
Die "Großen" machen es mit System, zweifelsohne mit krimineller Energie, ohne Moral/Anstand/Ethik (hat keinen Preis im Kapitalismus, eher negativen Wert), und werden dabei von der geschmierten Politik unterstützt, indem sie das RISIKO auf den mehr oder wehrlosen Steuerzahler umlegen. Der "systemwichtige" Kleinanleger hingegen trägt das Risiko selbst, da ist der Unterschied.
Die eigentliche Ursache des Übels ist aber, groß wie klein, identisch: man möchte Geld mit Geld verdienen.
Geld arbeitet aber nicht.
Warum muß ich zocken?
Warum muß ich, um auf das Beispiel aus dem Artikel/Film zurückzugreifen, als Rentner mit meiner ALTERSVORSORGE zocken?
Oder, wie der Familienvater der das beim Jauch im TV beklagte, warum muss ein solcher den Ausbildungsfond der Kinder verzocken?
Die "Großen" machen es mit System, zweifelsohne mit krimineller Energie, ohne Moral/Anstand/Ethik (hat keinen Preis im Kapitalismus, eher negativen Wert), und werden dabei von der geschmierten Politik unterstützt, indem sie das RISIKO auf den mehr oder wehrlosen Steuerzahler umlegen. Der "systemwichtige" Kleinanleger hingegen trägt das Risiko selbst, da ist der Unterschied.
Die eigentliche Ursache des Übels ist aber, groß wie klein, identisch: man möchte Geld mit Geld verdienen.
Geld arbeitet aber nicht.
Warum muß ich zocken?
Warum muß ich, um auf das Beispiel aus dem Artikel/Film zurückzugreifen, als Rentner mit meiner ALTERSVORSORGE zocken?
Oder, wie der Familienvater der das beim Jauch im TV beklagte, warum muss ein solcher den Ausbildungsfond der Kinder verzocken?
Die "Großen" machen es mit System, zweifelsohne mit krimineller Energie, ohne Moral/Anstand/Ethik (hat keinen Preis im Kapitalismus, eher negativen Wert), und werden dabei von der geschmierten Politik unterstützt, indem sie das RISIKO auf den mehr oder wehrlosen Steuerzahler umlegen. Der "systemwichtige" Kleinanleger hingegen trägt das Risiko selbst, da ist der Unterschied.
Die eigentliche Ursache des Übels ist aber, groß wie klein, identisch: man möchte Geld mit Geld verdienen.
Geld arbeitet aber nicht.
Na klar, Geld geben damit ein Anderer was damit anfangen kann, ist zocken. Da gibt mans besser dem Staat, nicht wahr?. Natürlich arbeitet Geld nicht, aber man kann mit Geld arbeiten. Und bearbeitet wirds ja auch oder warum wirds mesitens weniger, wennman es leigen lässt? Und die Spareinalgen sidn auch nihct bis € 100.000,00 gesichert.
Aber gut, wer beklaut wird, ist natürlich selbst schuld. Hätte sich ja nichts kaufen brauchen.
"Na klar, Geld geben damit ein Anderer was damit anfangen kann, ist zocken."
Nicht so schwarzweiss bitte: erst Geld verleihen, damit man MEHR zurückbekommt, als man verliehen hat, ist zocken. Umso mehr Zins, umso höher das Risiko, umso mehr "zocken": HIER wird Renditedruck erzeugt: schon ganz "unten".
"Da gibt mans besser dem Staat, nicht wahr?"
Wenn Sie damit auf die Altersvorsorge ansprechen: das umlagebasierte, staatliche Rentensystem funktioniert eigentlich ganz gut: jung sorgt für alt.
Private Anbieter, die einem versprechnen den Kunden per Zinseszins im Rentenalter zum Millionär zu machen, gleichzeitig ihre Wolkenkratzer bauen und den gewaltigen Vertriebs+Managementoverhead schon JETZT zu reichen Männern machen -das funktioniert besser, ja?
"Natürlich arbeitet Geld nicht, aber man kann mit Geld arbeiten. Und bearbeitet wirds ja auch oder warum wirds mesitens weniger, wennman es leigen lässt?"
Das Geld wird unter der Matratze nicht weniger, es verliert an Wert. Sie möchten sich mit Zins, Inflation und woher das kommt auseinandersetzen.
"Aber gut, wer beklaut wird, ist natürlich selbst schuld. Hätte sich ja nichts kaufen brauchen."
Nicht kaufen, investieren. Investieren=Gewinnabsicht. Chance auf Gewinn aber auch Risiko für Verlust.
Wenn man für die Großen das Riskio auf die Kleinen auslagert (was vor allem auch geschah weil die Großen ZU groß wurden), dann sind die Spielregeln falsch und man braucht sich nicht wundern, daß das alles nicht mehr auf Dauer funktioniert.
"Na klar, Geld geben damit ein Anderer was damit anfangen kann, ist zocken."
Nicht so schwarzweiss bitte: erst Geld verleihen, damit man MEHR zurückbekommt, als man verliehen hat, ist zocken. Umso mehr Zins, umso höher das Risiko, umso mehr "zocken": HIER wird Renditedruck erzeugt: schon ganz "unten".
"Da gibt mans besser dem Staat, nicht wahr?"
Wenn Sie damit auf die Altersvorsorge ansprechen: das umlagebasierte, staatliche Rentensystem funktioniert eigentlich ganz gut: jung sorgt für alt.
Private Anbieter, die einem versprechnen den Kunden per Zinseszins im Rentenalter zum Millionär zu machen, gleichzeitig ihre Wolkenkratzer bauen und den gewaltigen Vertriebs+Managementoverhead schon JETZT zu reichen Männern machen -das funktioniert besser, ja?
"Natürlich arbeitet Geld nicht, aber man kann mit Geld arbeiten. Und bearbeitet wirds ja auch oder warum wirds mesitens weniger, wennman es leigen lässt?"
Das Geld wird unter der Matratze nicht weniger, es verliert an Wert. Sie möchten sich mit Zins, Inflation und woher das kommt auseinandersetzen.
"Aber gut, wer beklaut wird, ist natürlich selbst schuld. Hätte sich ja nichts kaufen brauchen."
Nicht kaufen, investieren. Investieren=Gewinnabsicht. Chance auf Gewinn aber auch Risiko für Verlust.
Wenn man für die Großen das Riskio auf die Kleinen auslagert (was vor allem auch geschah weil die Großen ZU groß wurden), dann sind die Spielregeln falsch und man braucht sich nicht wundern, daß das alles nicht mehr auf Dauer funktioniert.
Von der Hand in den Mund ist scheinbar die einzig moralische Lebensweise. Wenn einem dann einer den Bissen wegnimmt, ist auch ein klarer Bösewicht erkennbar.
Dazu muß man nur ganz aufmerksam das BGB, HGB und StGB lesen, dann versteht man, dass es in der bürgerlichen Gesellschaft zwangsläufig so zugehen muss.
Nicht umsonst werden wir unermüdlich von Parlamenten und Regierungen abgebügelt, dass es ja schließlich unsere Sache wäre, Verträge genau zu prüfen, ob wir damit nicht über den Tisch gezogen werden. Natürlich könnte man auch Gesetze machen, wo den Betrügern vollständiger Vermögensverlust, hohe Gefängnisstrafen und Verlust der bürgerlichen Rechte und der Geschäftsfähigkeit auf Lebenszeit drohte. Das aber wollen die Abgeordneten offensichtlich nicht, sonst gäbe es diese Gesetze schon lange. So dürfen Betrüger munter ihre Geschäfte weiterbetreiben.
Daraus lernt man, die Bank gewinnt immer. Und denen darf man nicht über den Weg trauen. Und den Abgeordneten, die dieses System stützen auch nicht.
"Na klar, Geld geben damit ein Anderer was damit anfangen kann, ist zocken."
Nicht so schwarzweiss bitte: erst Geld verleihen, damit man MEHR zurückbekommt, als man verliehen hat, ist zocken. Umso mehr Zins, umso höher das Risiko, umso mehr "zocken": HIER wird Renditedruck erzeugt: schon ganz "unten".
"Da gibt mans besser dem Staat, nicht wahr?"
Wenn Sie damit auf die Altersvorsorge ansprechen: das umlagebasierte, staatliche Rentensystem funktioniert eigentlich ganz gut: jung sorgt für alt.
Private Anbieter, die einem versprechnen den Kunden per Zinseszins im Rentenalter zum Millionär zu machen, gleichzeitig ihre Wolkenkratzer bauen und den gewaltigen Vertriebs+Managementoverhead schon JETZT zu reichen Männern machen -das funktioniert besser, ja?
"Natürlich arbeitet Geld nicht, aber man kann mit Geld arbeiten. Und bearbeitet wirds ja auch oder warum wirds mesitens weniger, wennman es leigen lässt?"
Das Geld wird unter der Matratze nicht weniger, es verliert an Wert. Sie möchten sich mit Zins, Inflation und woher das kommt auseinandersetzen.
"Aber gut, wer beklaut wird, ist natürlich selbst schuld. Hätte sich ja nichts kaufen brauchen."
Nicht kaufen, investieren. Investieren=Gewinnabsicht. Chance auf Gewinn aber auch Risiko für Verlust.
Wenn man für die Großen das Riskio auf die Kleinen auslagert (was vor allem auch geschah weil die Großen ZU groß wurden), dann sind die Spielregeln falsch und man braucht sich nicht wundern, daß das alles nicht mehr auf Dauer funktioniert.
lesenswert und lang , aber deutsch
http://www.handelsblatt.c...
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren