Oscar-Nominierungen 2012Die neuen Stars werden die alten sein

Am Dienstag wurden die Nominierungen für den diesjährigen Oscar bekannt gegeben. Mit dabei: Martin Scorsese, Meryl Streep und George Clooney. Wagt Hollywood zu wenig? von 

Es sind vor allem die ganz großen Namen, die am Dienstagnachmittag im Rahmen der Oscar-Nominierungen von der Academy of Motion Picture Arts and Sciences bekannt gegeben wurden. In der Kategorie Bester Film ist Martin Scorsese dabei mit seiner Steampunk-Hommage Hugo , die im Paris der dreißiger Jahre spielt, Woody Allen (mit Midnight in Paris ), Steven Spielberg (mit Gefährten ), Terence Malick (mit Tree of life ) und Moneyball , der Brad Pitt in der Hauptrolle zu bieten hat, und schließlich die Familienmelokomödie The Descendants unter der Regie von Alexander Payne und mit George Clooney in der Hauptrolle.

Clooney und Pitt – der eine hat bereits einen Oscar, der andere war schon zweimal im Rennen – erhielten je eine Nominierung als bester Hauptdarsteller und haben gute Chancen, das letztlich auch unter sich auszumachen. Neben ihnen treten noch Demian Bichir, Jean Dujardin und Gary Oldman an.

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Bei den Frauen wurde die zweifache Oscarpreisträgerin Meryl Streep als beste Darstellerin nominiert. Ihre Verwandlung in Margaret Thatcher ist verblüffend. Daneben wurden Glenn Close nominiert, Michelle Williams und Viola Davis – sie alle waren schon mindestens einmal bei der Oscarverleihung als Nominierte dabei.


Kaum Neues also. Was wenig überrascht, denn welche Wahl hat ein Produzent schon, wenn er Millionen in die Hand nimmt, um einen Film zu produzieren? Er verlässt sich auf anerkannt gute Leute – sowohl bei den Darstellern als auch beim Drehbuch und in der Regie. Oder er traut seinem guten Instinkt für das Potenzial eines Films – was er in der Regel nur ein- oder zweimal finanziell überlebt, sollte er sich irren. Doch falls er damit richtig liegt, kann dabei ein Film entstehen wie The Artist . Der Film über den Aufstieg und Fall eines Stummfilmdarstellers und letztlich über das Kino wurde inzwischen schon so häufig als Überraschungserfolg bezeichnet, dass es niemanden mehr wundert, dass er auch am Dienstag wieder in zehn Kategorien nominiert wurde. Er hat es verdient, weil er formal als schwarz-weißer Stummfilm so viel wagte.

Ebenso erfreulich ist die Nominierung von Wim Wenders für seinen wunderbar zarten 3D-Dokumentarfilm Pina über die Wuppertaler Choreographin Pina Bausch . Erfreulich auch, weil es ein Film ist, der zeigt, wie schön 3D sein kann, wenn es jemand zu nutzen weiß, der das Kino liebt.

Bester Film

Nominiert wurden:
The Artist
The Descendants
Extrem laut und unglaublich nah
The Help
Hugo Cabret
Midnight in Paris
Moneyball
The Tree of Life
Gefährten

Beste Darstellerinnen

Nominiert in der Kategorie Beste Hauptdarstellerin:
Glenn Close in Albert Nobbs
Viola Davis in The Help
Rooney Mara in Verblendung
Meryl Streep in Die Eiserne Lady
Michelle Williams in My Week with Marilyn
 

Und als Beste Nebendarstellerin:
Bérénice Bejo in The Artist
Jessica Chastain in The Help
Melissa McCarthy in Bridesmaids
Janet McTeer in Albert Nobbs
Octavia Spencer in The Help

Beste Darsteller

Für die Hauptrollen wurden nominiert:
Demián Bichir in A Better Life
George Clooney in The Descendants
Jean Dujardin in The Artist
Gary Oldman in Dame, König, As, Spion
Brad Pitt in Moneyball

Und für die Nebenrollen:
Kenneth Branagh in My Week with Marilyn
Jonah Hill in Moneyball
Nick Nolte in Warrior
Christopher Plummer in Beginners
Max von Sydow in Extrem laut und unglaublich nah

Beste Regie

The Artist von Michel Hazanavicius
The Descendants von Alexander Payne
Hugo Cabret von Martin Scorsese
Midnight in Paris von Woody Allen
The Tree of Life von Terrence Malick
 

Bleiben noch die wenigen, von denen wir in Zukunft mehr hören werden als in der jüngeren Vergangenheit, selbst wenn es am Ende nicht für den Oscar reichen sollte. Allen voran Rooney Mara. Mit ihrem Spiel der Lisbeth Salander in der Hollywoodverfilmung des Schweden-Thrillers Verblendung widerspricht sie auf schmerzlich erhellende Weise jedem Frauenbild des Kinos. Mehr davon, bitteschön. Ebenso wünscht man sich mehr aus den Federn der Animationsfilmer Alain Gagnol, Jean-Loup Felicioli (nominiert für A cat in Paris ), Fernando Trueba und Javier Mariscal (für Chico & Rita ) – damit auch künftig nicht nur Kung Fu treibende Pandabären und stiefelnde Kater ins Rennen gehen für den besten Animationsfilm.


Und dann gab es noch eine Nominierung, über den sich die deutsche Filmbranche besonders freuen wird: Raju von den Filmemachern Max Zähle und Stefan Gieren wurde in der Kategorie Bester Kurzfilm nominiert. Die beiden erzählen darin die Geschichte eines deutschen Paars, das in Kalkutta ein indisches Waisenkind adoptiert. Der Film hat bereits etliche Auszeichnungen bekommen, darunter auch den Student Academy Award. Nun soll der große Oscar folgen. Die Chancen stehen gut.

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Leserkommentare
    • memoe
    • 24. Januar 2012 19:15 Uhr

    Wenn "Die Eiserne Lady" einen Oscar gewinnen sollte, dann doch bitte nur für die schauspielerische Leistung von Meryl Streep!
    Insgesamt soll uns da eine Person, nun im Alter gebrechlich und sentimental, zu Tränen rühren um uns die Botschaft einzutrichtern: die Maßnahmen Thatchers in den 80er Jahren waren zwar hart aber notwendig.

    Zu unreflektiert werden da die neoliberalen Phrasen propagiert! Angefangen von den Kürzungen im sozialen Bereich bis hin zur Kriegspropaganda zu Gunsten des Falklandkrieges.

    Ich hatte nicht gedacht, daß sich Meryl Streep für sowas hergibt! Schade.

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    • Gerry10
    • 24. Januar 2012 21:31 Uhr

    ...wofür soll sie denn sonst einen Oskar bekommen?
    Hollywood vergibt den Akademie Award an Schauspieler nicht Politiker, die werden von der Geschichte be/verurteilt.

    Zum Thema:
    Es freut mich das "Midnight in Paris" nominiert wurde, auch wenn es bestimmt nur Aussenseiter ist.
    Leider wird Gary Oldman kaum eine Chance gegen George Clooney haben.
    Unter den männlichen Nebenschauspielern haben wirklich alle einen Oskar verdient.
    Meryl Streep gehört der Oskar sowieso :-)

  1. "Clooney und Pitt, die beiden Oscarpreisträger erhielten ebenfalls je eine Nominierung als bester Hauptdarsteller und haben gute Chancen, das letztlich auch unter sich auszumachen."

    Ahja, und wofür genau hat Pitt den Oscar gewonnen?

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    Redaktion

    Gute Frage – natürlich noch gar nicht. Er war zwei Mal nominiert: 1996 als bester Nebendarsteller in "12 Monkeys" und 2009 für seine Hauptrolle in "Der seltsame Fall des Benjamin Button" und natürlich schmückte er mit seiner Anwesenheit auch andere Verleihungen. Dennoch: Wenn er am 26. Februar einen Oscar bekommen sollte für seine Darstellung des Billy Beane in "Moneyball", dann wäre es sein erster.

    • Gerry10
    • 24. Januar 2012 21:31 Uhr

    ...wofür soll sie denn sonst einen Oskar bekommen?
    Hollywood vergibt den Akademie Award an Schauspieler nicht Politiker, die werden von der Geschichte be/verurteilt.

    Zum Thema:
    Es freut mich das "Midnight in Paris" nominiert wurde, auch wenn es bestimmt nur Aussenseiter ist.
    Leider wird Gary Oldman kaum eine Chance gegen George Clooney haben.
    Unter den männlichen Nebenschauspielern haben wirklich alle einen Oskar verdient.
    Meryl Streep gehört der Oskar sowieso :-)

    • VitusPR
    • 24. Januar 2012 21:56 Uhr

    Meiner Meinung nach wurden dieses Jahr viele tolle Filme und Schauspieler bei den Oscar-Nominierungen übergangen. Hier ein paar Beispiele:

    Bester Film:
    Was ist mit 'THE IDES OF MARCH', 'MELANCHOLIA', 'DER GOTT DES GEMETZELS' oder 'DRIVE'?
    Positive Überraschung in dieser Kategorie 'EXTREM LAUT & UNGLAUBLICH NAH'

    Bester Hauptdarsteller:
    RYAN GOSLING für 'DRIVE' oder 'THE IDES OF MARCH'?
    ANDY SERKIS für 'PLANET DER AFFEN'?
    MICHAEL FASSBENDER für 'SHAME'?
    SEAN PENN für 'CHEYENNE - THIS MUST BE THE PLACE'
    traurig, traurig!

    Beste Hauptdarstellerin:
    Wo ist KIRSTEN DUNST mit 'MELANCHOLIA'?

    Bester Nebendarsteller:
    ALBERT BROOKS in 'DRIVE'?
    PHILIP SEYMOUR HOFFMAN in 'THE IDES OF MARCH'?
    persönlich hätte ich noch gerne WILLIAM MAPHOTER in 'ANOTHER EARTH' nominiert gesehn.

    Beste Nebendarstellerin:
    hier fehlen meiner Meinung nach
    KATE WINSLET in 'DER GOTT DES GEMETZELS'
    CHARLOTTE GAINSBOURG in 'MELANCHOLIA'
    CARY MULLIGAN in 'DRIVE'
    zum Glück ist JESSICA CHASTAIN für 'THE HELP' nominiert!

    Die größten Verlieren der diesjährigen Oscar Nominierungen:
    'DRIVE'
    'MELANCHOLIA'
    'DER GOTT DES GEMETZELS'
    und 'THE IDES OF MARCH'
    schade auch, dass ein so guter Film wie 'ZIEMLICH BESTE FREUNDE' in keiner Kategorie nominiert worden ist - auch nicht als Bester fremdsprachiger Film.

    Bleibt nun abzuwarten, wer die Oscars gewinnt, jedoch glaube ich kaum, dass es große Überraschungen geben wird - leider!

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    • Kugell
    • 24. Januar 2012 23:21 Uhr

    Beide Filme haben meiner Meinung nach keine Oscars verdient. Melancholia ist einfach nur gewollt und Drive ganz nett mehr aber auch nicht. Und The Ides of March ist auch eher ein Leichtgewicht, wenn man es mal realistisch betrachtet.

    Ganz anders The Tree of Life oder Tinker, Tailor, Soldier Spy - die haben ihre Nominierungen wahrhaft verdient. Tolle Filme!
    Aber unterm Strich bieten diese Nominierungen leider wirklich keine Überraschungen. Schade.

    "Ziemlich beste Freunde" konnte nicht berücksichtigt werden, da Frankreich ihn nicht als franz. Kandidaten eingeschickt hat, sondern "La guerre est déclarée" von Valérie Donzelli, der nicht nominiert wurde. Filme für den diesjährigen Oscar müssen zwischen dem 1.10.2010 und 30.9.2011 veröffentlicht worden sein. "Ziemlich beste Freunde" kam erst am 2.11.2011 in Frankreich raus.

    http://en.wikipedia.org/wiki/List_of_submissions_to_the_84th_Academy_Awa...

    Ich finde persönlich "Der Gott des Gemetzels" sehr enttäuschend, dieser Film wird sehr schnell in Vergessenheit geraten. Die Ignoranz von "Drive" finde ich allerdings auch sehr schade. Naja, Gosling und Fassbender werden noch genug Chancen bekommen. Aber die Academy kann es jedes Jahr niemandem recht machen, sind halt alles demokratische Abstimmungen von ca. 6000 Mitgliedern die alle ihren eigenen Geschmack haben-wie wir Zuschauer halt auch.

    • Kugell
    • 24. Januar 2012 23:21 Uhr

    Beide Filme haben meiner Meinung nach keine Oscars verdient. Melancholia ist einfach nur gewollt und Drive ganz nett mehr aber auch nicht. Und The Ides of March ist auch eher ein Leichtgewicht, wenn man es mal realistisch betrachtet.

    Ganz anders The Tree of Life oder Tinker, Tailor, Soldier Spy - die haben ihre Nominierungen wahrhaft verdient. Tolle Filme!
    Aber unterm Strich bieten diese Nominierungen leider wirklich keine Überraschungen. Schade.

  2. "Ziemlich beste Freunde" konnte nicht berücksichtigt werden, da Frankreich ihn nicht als franz. Kandidaten eingeschickt hat, sondern "La guerre est déclarée" von Valérie Donzelli, der nicht nominiert wurde. Filme für den diesjährigen Oscar müssen zwischen dem 1.10.2010 und 30.9.2011 veröffentlicht worden sein. "Ziemlich beste Freunde" kam erst am 2.11.2011 in Frankreich raus.

    http://en.wikipedia.org/wiki/List_of_submissions_to_the_84th_Academy_Awa...

    Ich finde persönlich "Der Gott des Gemetzels" sehr enttäuschend, dieser Film wird sehr schnell in Vergessenheit geraten. Die Ignoranz von "Drive" finde ich allerdings auch sehr schade. Naja, Gosling und Fassbender werden noch genug Chancen bekommen. Aber die Academy kann es jedes Jahr niemandem recht machen, sind halt alles demokratische Abstimmungen von ca. 6000 Mitgliedern die alle ihren eigenen Geschmack haben-wie wir Zuschauer halt auch.

  3. erklären, wofür George Clooney noch einen Oscar verdient haben sollte? Sein erster Oscar war schon unverdient aber für "The Descendants" hat er erst recht keinen verdient. Er ist ja kein schlechter Schauspieler aber steht meines erachtens noch eine Stufe unter Matt Damon, Brad Pitt und Leonardo di Caprio.

  4. Tröstet Euch, liebe Foristen. Es wird nie eine Oscar-Nominierung, Geschweige denn einen Oscar geben, wo alle zu 100% einverstanden sind.

    Ich habe z.B. "The Descendants" gesehen, fand den Film wirklich gut, die schauspielerische Leistung von Clooney auch. Aber ob das jetzt einen Oscar wert war, finde ich nicht. Da hätte Clooney für andere Filme sicher eher einen Oscar verdient. In dem Fall muss man sagen, es ist eine Nominierung für einen etwas zu beliebigen Film. Aber egal. Geschmäcker sind halt verschieden.

    Was Kommentar 1 betrifft, kriege ich allerdings die Krise. Muss denn heutzutage zu jedem Thema Kapitalismuskritik und Liberalismuskritik herhalten? So langsam werde ich schon aus Protest Neoliberal, weil mir dieses eindimensonale Kritisieren auf den Zwirn geht.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Martin Scorsese | George Clooney | Meryl Streep | Pina Bausch | Film | Hollywood
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