Es sind vor allem die ganz großen Namen, die am Dienstagnachmittag im Rahmen der Oscar-Nominierungen von der Academy of Motion Picture Arts and Sciences bekannt gegeben wurden. In der Kategorie Bester Film ist Martin Scorsese dabei mit seiner Steampunk-Hommage Hugo , die im Paris der dreißiger Jahre spielt, Woody Allen (mit Midnight in Paris ), Steven Spielberg (mit Gefährten ), Terence Malick (mit Tree of life ) und Moneyball , der Brad Pitt in der Hauptrolle zu bieten hat, und schließlich die Familienmelokomödie The Descendants unter der Regie von Alexander Payne und mit George Clooney in der Hauptrolle.

Clooney und Pitt – der eine hat bereits einen Oscar, der andere war schon zweimal im Rennen – erhielten je eine Nominierung als bester Hauptdarsteller und haben gute Chancen, das letztlich auch unter sich auszumachen. Neben ihnen treten noch Demian Bichir, Jean Dujardin und Gary Oldman an.


Bei den Frauen wurde die zweifache Oscarpreisträgerin Meryl Streep als beste Darstellerin nominiert. Ihre Verwandlung in Margaret Thatcher ist verblüffend. Daneben wurden Glenn Close nominiert, Michelle Williams und Viola Davis – sie alle waren schon mindestens einmal bei der Oscarverleihung als Nominierte dabei.


Kaum Neues also. Was wenig überrascht, denn welche Wahl hat ein Produzent schon, wenn er Millionen in die Hand nimmt, um einen Film zu produzieren? Er verlässt sich auf anerkannt gute Leute – sowohl bei den Darstellern als auch beim Drehbuch und in der Regie. Oder er traut seinem guten Instinkt für das Potenzial eines Films – was er in der Regel nur ein- oder zweimal finanziell überlebt, sollte er sich irren. Doch falls er damit richtig liegt, kann dabei ein Film entstehen wie The Artist . Der Film über den Aufstieg und Fall eines Stummfilmdarstellers und letztlich über das Kino wurde inzwischen schon so häufig als Überraschungserfolg bezeichnet, dass es niemanden mehr wundert, dass er auch am Dienstag wieder in zehn Kategorien nominiert wurde. Er hat es verdient, weil er formal als schwarz-weißer Stummfilm so viel wagte.

Ebenso erfreulich ist die Nominierung von Wim Wenders für seinen wunderbar zarten 3D-Dokumentarfilm Pina über die Wuppertaler Choreographin Pina Bausch . Erfreulich auch, weil es ein Film ist, der zeigt, wie schön 3D sein kann, wenn es jemand zu nutzen weiß, der das Kino liebt.

Bleiben noch die wenigen, von denen wir in Zukunft mehr hören werden als in der jüngeren Vergangenheit, selbst wenn es am Ende nicht für den Oscar reichen sollte. Allen voran Rooney Mara. Mit ihrem Spiel der Lisbeth Salander in der Hollywoodverfilmung des Schweden-Thrillers Verblendung widerspricht sie auf schmerzlich erhellende Weise jedem Frauenbild des Kinos. Mehr davon, bitteschön. Ebenso wünscht man sich mehr aus den Federn der Animationsfilmer Alain Gagnol, Jean-Loup Felicioli (nominiert für A cat in Paris ), Fernando Trueba und Javier Mariscal (für Chico & Rita ) – damit auch künftig nicht nur Kung Fu treibende Pandabären und stiefelnde Kater ins Rennen gehen für den besten Animationsfilm.


Und dann gab es noch eine Nominierung, über den sich die deutsche Filmbranche besonders freuen wird: Raju von den Filmemachern Max Zähle und Stefan Gieren wurde in der Kategorie Bester Kurzfilm nominiert. Die beiden erzählen darin die Geschichte eines deutschen Paars, das in Kalkutta ein indisches Waisenkind adoptiert. Der Film hat bereits etliche Auszeichnungen bekommen, darunter auch den Student Academy Award. Nun soll der große Oscar folgen. Die Chancen stehen gut.