Christian Ulmen als "Jonas" im Chemieunterricht © Delphi

In seinen Fernsehauftritten in Mein neuer Freund und ulmen.tv hat Christian Ulmen die Reibungskräfte untersucht, die eine fiktive, überhöhte Figur in Auseinandersetzung mit der Realität des Alltags freisetzt.

Diese Erfahrungen treibt Ulmen in seinem neuen Kinofilm J onas weiter voran, indem er sich als achtzehnjähriger Mehrfachsitzenbleiber in eine Gesamtschule in Zeuthen nahe Berlin einschleicht. Die Direktion und die Lehrer waren eingeweiht, die Schüler nicht. Die wussten nur, dass da ein Neuer kommt, der für eine Reportage von einer Kamera begleitet wird.

Anders als in seinen TV-Auftritten geht es in Jonas nicht um die Provokation, aus der heraus möglichst unterhaltsame Effekte hergestellt werden sollen. Vielmehr versuchten Ulmen und sein Filmteam "undercover" mit dem Mikrokosmos Schule in Kommunikation zu treten und sich vom dortigen Alltag treiben zu lassen. Dementsprechend ist Ulmens Schülerfigur weniger exzentrisch ausgefallen als seine Fernsehcharaktere.

Aber ein wenig Provokation muss trotzdem sein: Mit seiner überkommunikativen Art wird der neue Schüler von der auf Coolness bedachten Jugendkultur erst einmal mit Befremden aufgenommen und dass sich Jonas ausgerechnet in seine Musiklehrerin Frau Maschke verliebt, führt zu einer Szene die zu offensichtlich auf den Überraschungs- und Belustigungseffekt setzt. Aber in Zeiten, wo aus den Schulen nur von Mobbingdramen und PISA-Desastern berichtet wird, zeigt Jonas als filmisches Experiment ein weitaus positiveres Bild der Schülerschaft, die den etwas eigenartigen Neuling zögernd integriert.

Jonas hat ein paar ausgesprochen komische Szenen und einige Momente, in denen die Kamera es geschafft hat ein Stück Wahrhaftigkeit einzufangen. Wirklich aufgehen möchte die Reality-Comedy auf der Leinwand dann doch nicht. Der Grund dafür steht in großen Lettern auf dem Filmplakat: "Christian Ulmen ist Jonas" heißt es da. Mag sein, dass die Schüler der Gesamtschule Paul-Dessau in Jonas nicht die umtriebige Medienfigur des Christian Ulmen erkannt haben. Aber das Publikum vergisst nicht eine Minute, wer wirklich unter der Perücke steckt, und dadurch entsteht eine unproduktive Distanz zum filmischen Geschehen, das sich mit dem Mantel der Authentizität zu umhüllen versucht. Oftmals wünscht man sich den Ulmen einfach weg, weil er die Beobachtung einer Welt stört, die ohne den Promi sehr viel interessanter wäre.