Tatsächlich ist es heute, nur wenige Wochen nachdem die deutschen Behörden vollkommen zufällig einer rechtsextremistischen Terrorzelle auf die Spur gekommen sind, bestürzend zu sehen, wie etwa Günther Beckstein zu seiner Zeit als bayerischer Innenminister Kubans Fragen zur Rechtsrock-Szene abwiegelt. Und wie Becksteins Pressesprecher Kubans wahrheitsgetreuen Schilderungen der Szene und der Zurückhaltung der Polizei als unglaubwürdig abtut und lieber über die Gefahr durch islamistischen Terror sprechen mag.

Das von Kuban aber immer wieder behauptete Desinteresse der Öffentlichkeit am Thema ist dagegen schwerer nachzuvollziehen: So wurde Thomas Kubans Arbeit in den vergangenen Jahren nicht nur vom Netzwerk Recherche beleuchtet und mit einem Medienpreis ausgezeichnet , sondern war auch Thema in Interviews und in Artikeln von Kuban selbst, beispielsweise für die Bundeszentrale für politische Bildung .

Solche Ungenauigkeiten sind leider nur ein Problem des Films. Ein anderes ist, dass er zwar die Rechtsrock-Szene in der Breite zeigt, dabei aber arg an Tiefe vermissen lässt. Viele wichtige Fragen werden nur angerissen oder dann behandelt, wenn Undercover-Filmmaterial erläutert werden muss. Wer aber die Organisatoren der Konzerte sind, wer die Versandhandelshäuser betreibt, die die Szene mit Pullover, Mützen und indizierten CDs versorgt, wie das Verhältnis zur NPD und vor allem zu deren Jugendorganisation JN ist, warum die Polizei so oft vor Ort ist, aber so selten eingreift und wer die immer wieder gezeigten Bands sind und wie sie heißen, das alles bleibt leider weitgehend unerklärt.