César-VerleihungStarke Filme, flache Gags

"The Artist" war mit sechs Césars Gewinner des Abends, die Filmpreis-Show in Paris krankte aber an Bierzelthumor und schwachen Witzen im Fließbandtempo. von 

Die französische Schauspielerin Berenice Bejo und "The Artist"-Regisseur Michel Hazanavicius

Die französische Schauspielerin Berenice Bejo und "The Artist"-Regisseur Michel Hazanavicius  |  © Pascal Le Segretain/Getty Images

Die größte Überraschung kam kurz vor Schluss. Ausgerechnet Omar Sy erhielt den César als bester Hauptdarsteller für seine Rolle in dem Film Les Intouchables (Ziemlich beste Freunde) . Er ist damit der erste farbige Preisträger in der Geschichte des französischen Filmpreises, der in Paris verliehen wurde.

Doch ob die Darstellung des Driss für Omar Sy wirklich eine so große Leistung war, fragt sich der César-Zuschauer spätestens zu Beginn der Preisverleihung, als ihn der Moderator Antoine de Caunes bittet, zumindest für diesen Abend sein nicht nur aus dem Film bekanntes raumfüllendes Lachen ein wenig zu dämpfen. Es werde schließlich "viele lustige Momente" geben, droht de Caunes.

Vielleicht war es ein kleines Zugeständnis an einen Film, der mit 18,7 Millionen Besuchern zu den erfolgreichsten französischen Produktionen aller Zeiten gehört. Les Intouchables sollte nach neun Nominierungen nicht ganz leer ausgehen. Dass dies allerdings auf Kosten von Darstellern wie Jean Dujardin (The Artist ) oder Denis Podalydès ging, der in La Conquète den französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy geradezu inkarniert, gehört wohl zum Spiel.

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Gewinner des Abends

Dujardins leere Hände waren der einzige Schönheitsfehler auf dem Schlussbild, das The Artist dominierte. Der Stummfilm wurde erwartungsgemäß zum besten Film gekürt, Michael Hazanavicius zum besten Regisseur. Weiters gab es Césars für Kamera, Musik und Szenenbild, sowie die längst überfällige Anerkennung für die Hauptdarstellerin Bérénice Bejo, die bislang ein bisschen im Schatten von, nun, Jean Dujardin gestanden hatte. Bei den Oscars ist sie übrigens nur für einen Nebenrollen-Preis nominiert. Mit sechs von zehn möglichen Césars war The Artist der Gewinner des Abends.

Mit zwei von dreizehn möglichen Preisen musste sich der große Favorit Polisse zufrieden geben.

Naidira Ayadi wurde als "weibliche Hoffnung" ausgezeichnet (übrigens originellerweise ex aequo mit Clotilde Hesme für Angèle et Tony), Laure Gardette für den besten Schnitt. Regisseurin Maïwenn, die auch das Drehbuch geschrieben hatte, weinte allerdings bei Gardettes Dankesrede in Form einer Liebeserklärung gleich mit, als ob sie selbst geehrt worden wäre.

Leserkommentare
  1. "The Artist"s Handlung ist bestes Hollywood-Kino: Gute Schauspieler in anspruchsfreier, flacher und antizipierbarer Handlung. "Highly overrated" IMHO ...

  2. Entfernt. Bitte formulieren Sie Ihre Kritik sachlich und respektvoll. Danke, die Redaktion/ls

  3. Muss schon hart sein, einen Artikel zu schreiben, wenn sich so gar nichts zu sagen hat.
    Es geht ja hier schließlich nicht über irgendeine dumme Fernsehsendung - dass solche Sendungen immer etwas flach sind, weiß in Frankreich jedes Kind - sondern um den Film.
    Keine Ahnung auch, was hier das "ausgerechnet" Omar Sy... bedeuten soll.
    Interessanter wäre schon, dass gerade das in Frankreich schon lange keine Frage ist. Leute wie Jamel Debbouze gehören schon länger zu den best-bezahltesten französischen Schauspielern. Und ganz generell sind Franzosen mit Immigrationshintergrund, wie das so schön heißt, schon immer in allen Bereichen der Kunst stark vertreten. Nur dass das heute anders thematisiert wird.
    Interssant wäre auch gewesen, festzustellen, dass immer mehr Filme mit sozialem Hintergrund gedreht werden, und auch immensen Erfolg haben.
    Interessant wäre vielleicht auch gewesen, dass es auch Komödien schaffen, einen Preis zu bekommen; was bisher in diesen pseudo-intellektuell-künstlerischen Kreisen beinahe von vornherein ausgeschlossen war; zumal wenn sie auch noch Erfolg hatten. Anscheinend kann man also auch intelligente Komödien drehen, in denen die Schausspieler auch noch gut spielen...
    Und natürlich, dass bei so einer Verleihung auch immer "Politk" eine Rolle spielt, und dass die Jury vor dem Dilemma stand, eine ganze Reihe außergewöhnlich erfolgreiche Filme würdigen zu sollen; auch das hätte man vielleicht erwähnen können.
    Immerhin über 210 Millionen Zuschauer 2011.

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    Um eines gleich klarzustellen: Das "ausgerechnet" bezog sich auf den "Schwierigkeitsgrad" der Rolle, nicht auf die Hautfarbe des Darstellers. Wenn Sie die Verleihung gesehen haben, werden Sie mir zustimmen, dass Omar Sy sich offensichtlich nicht sonderlich anstrengen musste, um in seinen Charakter hineinzufinden. Ausgerechnet also deshalb, weil - wie erwähnt - mindestens zwei weitere Schauspieler mit wahrlich beeindruckenderen Leistungen zur Auswahl gestanden wären.

    Es ist übrigens der Job so gut wie jeder Jury, schwierige Entscheidungen zu treffen. Und im Fall eines Filmpreises ist ihre Aufgabe nicht, zwischen "erfolgreichen Filmen" den besten auszuwählen, sondern den nach künstlerischen Kriterien besten.

    Erfolgreiche Filme werden an den Kinokassen "gewürdigt", künstlerisch hochstehende mit Filmpreisen. So sollte es jedenfalls sein.

  4. ..."ex aequo"? Tschuldigung, hatte Französisch statt Latein.

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    "ex aequo" ist falsch geschrieben, gemeint ist wohl "ex equo", das heißt dann "aus dem Pferd".

    Vielen Dank für Ihren Hinweis. Es liegt jedoch kein Fehler vor. "ex aequo" bedeutet "gleichermaßen", wie Sie hier nachlesen können.
    https://www.duden.de/rechtschreibung/ex_aequo

    Die Redaktion/sc

  5. "ex aequo" ist falsch geschrieben, gemeint ist wohl "ex equo", das heißt dann "aus dem Pferd".

    Vielen Dank für Ihren Hinweis. Es liegt jedoch kein Fehler vor. "ex aequo" bedeutet "gleichermaßen", wie Sie hier nachlesen können.
    https://www.duden.de/rechtschreibung/ex_aequo

    Die Redaktion/sc

  6. "The Artist" und "Ziemlich beste Freunde" habe ich mit viel Vergnügen angeschaut und mich köstlich amüsiert. Am meisten aber hat mich ein anderes Film tief berührt und bewegt: "die Mühle und das Kreuz". Obwohl der Film bis jetzt mit keinem Preis ausgezeichnet worden ist, ist er für mich der Beste seit langem.

  7. Um eines gleich klarzustellen: Das "ausgerechnet" bezog sich auf den "Schwierigkeitsgrad" der Rolle, nicht auf die Hautfarbe des Darstellers. Wenn Sie die Verleihung gesehen haben, werden Sie mir zustimmen, dass Omar Sy sich offensichtlich nicht sonderlich anstrengen musste, um in seinen Charakter hineinzufinden. Ausgerechnet also deshalb, weil - wie erwähnt - mindestens zwei weitere Schauspieler mit wahrlich beeindruckenderen Leistungen zur Auswahl gestanden wären.

    Es ist übrigens der Job so gut wie jeder Jury, schwierige Entscheidungen zu treffen. Und im Fall eines Filmpreises ist ihre Aufgabe nicht, zwischen "erfolgreichen Filmen" den besten auszuwählen, sondern den nach künstlerischen Kriterien besten.

    Erfolgreiche Filme werden an den Kinokassen "gewürdigt", künstlerisch hochstehende mit Filmpreisen. So sollte es jedenfalls sein.

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    • ShanaL
    • 05. März 2012 16:30 Uhr

    Ich möchte darauf hinweisen, dass vielleicht nicht "ausgerechnet" aber der Begriff "farbig" eindeutig rassistisch ist und sich Journalisten durchaus einer politisch korrekten Sprache bedienen müssen. Es gibt genügend Quellen, bei denen man sich diesbezüglich informieren kann, wie z. B. "Der braune Mob". Es wäre schön, wenn Journalisten, die für die ZEIT schreiben, auch hier eine entsprechende Sensibilität und Kenntnis aufweisen.
    Ansonsten haben meiner Ansicht nach kritische Berichterstattungen über Preisverleihungen durchaus ihre Berechtigung. Was ich aus den vielen Kommentaren hier heraus lese, ist vielleicht eine Kritik an der starken Subjektivität des Artikels.

  8. Anscheinend hat Ihnen die César-Zeremonie gar nicht gefallen, warum auch immer. Was das Niveau des Humors angeht, bestimmt nicht schlechter als das der Oscars in Hollywood.

    "in einem Land, das der englischen Sprache nach wie vor so gut wie nicht mächtig ist"
    Nicht weniger mächtig als Deutschland, meiner Erfahrung nach.

    Und "La Conquête" mit ê, und nicht mit è bitte.

    "ex aequo" sagt man in Frankreich für Personen, die die gleiche Position in einem Wettbewerb erreicht haben. Wenn zwei Leute auf Position 3 sind, sind diese zwei Leute "ex aequo" ("egsekko" ausgesprochen). Ich weiß nicht, ob "gleichermaßen" die richtige übersetzung ist.

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