Historiendrama "Bel Ami": Robert Pattinson enttäuscht als selbstsüchtiger Bel Ami
In der Verfilmung von Guy de Maupassants Erfolgsroman spielt Robert Pattinson die Titelrolle. Er wird ihr nicht gerecht. Schade, denn seine Kolleginnen spielen gut.
© Studiocanal

Robert Pattinson ist Georges "Bel Ami" Duroy und will die Frauen betören.
Es ist ein reizvolles Wagnis, einen Film zu drehen, dessen Held ein selbstsüchtiger Gernegroß ist. So einer wie Georges Duroy. Duroy ist der Held in Guy de Maupassants Roman-Bestseller Bel Ami aus dem Jahr 1880. Er ist ebenso mittel- wie talentlos, aber er sieht verdammt gut aus und hat eine einzige Gabe, mit der es bis ganz nach oben schaffen wird: Er kann Frauen für sich gewinnen. Und Regisseure. Denn obwohl Maupassants Stoff schon einige Male verfilmt wurde, hat ihn das erfolgreiche Regisseur-Duo Declan Donnellan und Nick Ormerod nun noch einmal aufgelegt – mit Robert Pattinson in der Titelrolle.
Der Reihe nach verfallen Duroy also Clotilde de Marelle (Christina Ricci), eine lebenslustige, aber gelangweilte Ehefrau, Madeleine Forestier (Uma Thurman), kluge und politisch interessierte Witwe eines Journalisten, die ältliche, moralinsaure Madame Rousset (Kristin Scott-Thomas) und deren unschuldig-hübsche Tochter Suzanne (Holliday Grainger). Alle vier Frauen sind wunderschön anzusehen (auch dank der dezenten Kleiderentwürfe von Kostümbildnerin Odile Dicks-Mireaux) und spielen ihre Rollen durchaus überzeugend. Madame Rousset und ihre Tochter sind leichte Beute, die dem versierten Frauenheld nichts entgegenzustellen haben. Madeleine nutzt ihn geschickt für ihre eigenen Zwecke, unterschätzt dabei aber seine Selbstsucht. Clotilde verliebt sich so hoffnungslos, dass sie am Ende voller Bitterkeit akzeptiert, dass selbst ihre Zuneigung Duroy nicht bessern wird.
Der Film zeigt einen Reigen von Männern und Frauen der herrschenden Klasse, deren Liebesverhältnisse nie selbstlos, deren Leidenschaften nie kopflos sind. Das erinnert – obwohl Bel Ami hundert Jahre später spielt – durchaus an Stephen Frears Verfilmung des Briefromans Gefährliche Liebschaften von 1988. Auch dessen Helden, die Marquise de Merteuil (Glenn Close) und der Vicomte de Valmont (John Malkovich), boten wenig Anlass, sich mit ihnen zu identifizieren. Doch während Gefährliche Liebschaften sicherlich einer der besten Historienfilme der achtziger Jahre war, von drei Oscars gekrönt, reicht Robert Pattinsons schauspielerische Leistung als Bel Ami bei Weitem nicht an die eines John Malkovich heran, der nicht nur Michelle Pfeiffer als Madame de Tourvel verführte, sondern gleich sein gesamtes Publikum.
Pattinson sieht gut aus, zweifelsohne, dennoch bleibt völlig unklar, warum ihm die Frauen zu Füßen liegen. Er grinst viel und behandelt sie schlecht und während bei Maupassant deutlich wird, was den jungen Mann antreibt: Lebensgier und eine unstillbare Sehnsucht nach Anerkennung, fragt man sich bei diesem Bel Ami ständig, warum er so handelt. Pattinsons Spiel liefert keine Antwort.

Wenke Husmann ist Redakteurin im Ressort Kultur bei ZEIT ONLINE. Ihre Profilseite finden Sie hier.
Auch steckte Maupassant in sein Werk eine gehörige Portion Spott und Selbstironie. Gängige Interpretationen gehen davon aus, dass er mit Georges Duroy ein Porträt seiner eigenen dunklen Seiten gezeichnet hat. Auch davon findet sich in dieser Verfilmung keine Spur.
Das ist extrem schade, denn es schmälert zwangsläufig die Leistung der anderen Beteiligten: die der Schauspielerinnen und die der Regisseure (die für die Besetzung mitverantwortlich waren).






Ich glaube nicht, dass man das Scheitern von Bel Ami nur dem Hauptdarsteller anlasten kann. Zwar ist die Starriege beeindruckend, aber das Drehbuch setzt die Akzente - wenn es denn welche setzt - völlig verkehrt. Im Roman wird viel durch den Erzähler deutlich gemacht. Das hätte im Film durch das Spiel und die Dialoge erfolgen müssen. Aber beide bleiben farblos. Ich hatte den Eindruck, dass die Regisseure nicht so recht wussten, was sie mit dieser Figur anfangen sollten. Der Film wirkt wie abgespult. Auch die Heirat ab Ende, die ja den völligen Sieg Duroys bedeutet, wirkt angehängt. Hier hätte es schon viel früher im Plott eines Hinweises bedurft, um das ganze besser zu akzentuiere.
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