Film "Words of Witness”: "Ägypten ist gespalten"
Der Dokumentarfilm "Words of Witness" erzählt die Revolution in Ägypten aus Sicht der Journalistin Heba Afify. Im Interview spricht sie über die Situation in ihrem Land.
© Mai Iskander

Szene aus dem Film "Words of Witness"
ZEIT ONLINE: Wie kam es, dass man über Sie ein Film gedreht hat?
Heba Afify: Es war Zufall, denn Mai wollte eigentlich meine Chefin für ihren Film gewinnen. Sie hatte aber keine Zeit dafür und hat mich empfohlen. Ich zögerte, weil ich nicht wusste, ob ich mich mit den permanenten Dreharbeiten wohl fühle und ob dies meine Arbeit beeinträchtigen würde. Meine Erfahrung war aber positiv.
Heba Afify (23) studierte Journalismus an einer privaten Amerikanischen Universität und fand ihre erste Stelle als Reporterin, als die ägyptische Revolution begann. Kurz danach beschloss die amerikanische Filmemacherin Mai Iskander, deren Vater aus Ägypten stammt, Afify zu porträtieren. Ihr Dokumentarfilm "Words of Witness” feiert seine Premiere auf der Berlinale.
ZEIT ONLINE: Sie wollten immer Journalistin werden. Wie sind Sie eine geworden?
Afify: Zufällig erhielt ich meine erste feste Stelle bei der englischen Redaktion der Tageszeitung Al Masry al Youm (heute Egypt Independent) nur 10 Tage vor der Revolution. Dort hatte ich mein Praktikum gemacht. Die englischsprachigen Zeitungen in Ägypten sind journalistisch besser als diejenigen auf Arabisch. Außerdem genießen sie mehr Freiheit, weil die Behörden diese Blätter weniger beachten. Wir können Geschichten veröffentlichen, die die Kollegen der arabischen Redaktion nicht veröffentlichen dürfen. Zum Beispiel berichten wir sehr kritisch über den regierenden Militärrat. Am 9. März lösten sie zum ersten Mal eine Demonstration auf und missbrauchten die 120 Verhafteten, indem sie die Frauen einem "Jungfräulichkeitstest" unterzogen. Das war sexueller Missbrauch. Wir veröffentlichten die Berichte der Frauen, später folgte auch die CNN.
ZEIT ONLINE: Gerieten Sie als Reporterin in gefährliche Situationen?
Afify: Oft, zum Beispiel als die Polizei vor dem Fernsehgebäude das Feuer auf christliche Demonstranten eröffnete (27 Menschen starben, über 200 wurden verletzt, Anmerkung der Redaktion). Militärische Lastwagen haben Protestler überfahren. Ich war dort und es war beängstigend, weil Scharfschützen auf die Demonstranten schossen. Man wusste nicht, woher das Feuer kam. Dennoch war es wichtig, von dort genau zu berichten und so Gerüchte über die angebliche Gewalt der Demonstranten zu zerstreuen.
ZEIT ONLINE: Im Film wirken Sie oft sehr emotional bei Ihren Interviews auf der Straße, zum Beispiel im Gespräch mit der Mutter eines Verschollenen. Wie schwer war es für Sie, eine objektive Reporterin zu bleiben?
Afify: Im vergangenen Jahr war es eine Herausforderung für alle ägyptischen Journalisten, über die Revolution distanziert zu berichten. Es ist zwar nicht sehr professionell, aber viele Kollegen und ich entschieden: Heute berichte ich über diesen Protest, und morgen bin ich bei der Demonstration als Teilnehmer.






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