Regisseur Steve McQueen"Er schafft sich durch die Sexsucht sein eigenes Gefängnis"

In "Shame" reflektiert Steve McQueen kühl über Sexsucht. Das zugrunde liegende Gefühl von Verlorenheit kennt der Regisseur selbst zu gut, sagt er im Interview.

ZEIT ONLINE: Wie sind Sie auf das Thema Sexsucht gestoßen?

Steve McQueen: Ich habe im Internet Berichte über Menschen gelesen, die regelmäßig Sex brauchen, um den Tag zu überstehen. Das fand ich sehr interessant, weil mir bisher, wenn ich über Süchte nachdachte, nie diese in den Sinn gekommen ist. Sie involviert ja zwangsläufig andere Menschen –  darin habe ich den Stoff für ein interessantes Drama gesehen.

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ZEIT ONLINE: Wie unterscheidet sich diese Sucht von anderen?

McQueen: Ob Sex, Alkohol oder Drogen – jede Sucht ist gleich strukturiert. Es gibt keinen Unterschied bis auf das Ziel der Begierde, nach dem sich die Sucht ausrichtet.

Steve McQueen

Der britische Regisseur Steve McQueen (geb. 1969) wurde zunächst als Videokünstler bekannt und 1999 mit dem angesehenen britischen Turner-Preis für junge Kunst ausgezeichnet. 2009 vertrat er Großbritannien auf der Kunst-Biennale in Venedig. Sein Kinodebüt Hunger (2008) schilderte eindringlich den Hungerstreik der IRA-Gefangenen im Jahre 1981 und wurde in Cannes mit der Goldenen Kamera ausgezeichnet. Sein neuer Film Shame lief im vergangenen Jahr im Wettbewerb von Venedig. Hauptdarsteller Michael Fassbender wurde dort mit der Coppa Volpi ausgezeichnet.

Zum Film "Shame"

Brandon (Michael Fassbender) braucht Sex wie andere Kokain oder Alkohol. Täglich und in steigender Dosis. Sein ganzes Leben dreht sich darum, wo er sich den nächsten Kick holt: mit einem schnellen Flirt an der Bar oder einer Prostituierten, auf einer Pornoseite im Internet oder dem hastigen Masturbieren auf der Bürotoilette. Erfolgreich im Beruf lebt der attraktive Mittdreißiger in New York nach außen das moderne Ideal urbaner Unabhängigkeit. Aber Brandons von der eigenen Sucht strukturierte Existenz wird empfindlich gestört, als seine jüngere Schwester Sissy (Carey Mulligan) sich bei ihm einquartiert.

ZEIT ONLINE: Haben Sie in der Vorbereitung auf den Film mit Betroffenen gesprochen?

McQueen: Ich habe mit drei Therapeuten in New York gesprochen, die als die kompetentesten Experten auf diesem Gebiet gelten. Über sie wurde dann auch der Kontakt zu Betroffenen hergestellt, die bereit waren, über ihre Sucht zu sprechen. Wir haben viele Interviews geführt und sehr gründlich recherchiert. Ich entwickle meine Drehbücher am liebsten aus eigenen Nachforschungen.

ZEIT ONLINE: Welche Art von Leere versucht Brandon durch seine Sucht nach Sex zu füllen?

McQueen: Wir haben im Film bewusst offengelassen, was genau Brandon in seinem Leben fehlt. Ich wollte, dass jeder Zuschauer sich selbst darüber Gedanken macht, was ihn in diese Sucht treibt. Dabei geht es nicht darum, die Sucht als etwas Geheimnisvolles oder Exotisches zu zeigen, sondern sie im Gegenteil für das Publikum zugänglicher zu machen.

ZEIT ONLINE: Brandon und seine Schwester Sissy haben denselben Familienhintergrund. Wie kommt es, dass sie ihre schlechten Kindheitserfahrungen so unterschiedlich kompensieren?

McQueen: Geschwister unterscheiden sich immer. Jeder geht mit seiner familiären Vergangenheit anders um. Sissy ist eine Künstlerin. Sie will geben, sich ausdrücken und das, was in ihr ist, nach außen kehren. Sie ist ein extrovertierter Mensch, der explodiert. Und Brandon ist ein introvertierter Typ, der implodiert.

ZEIT ONLINE: Warum bleibt die sicherlich keineswegs glückliche Vergangenheit der beiden im Dunkeln?

McQueen: Mir ging es weniger um die Ursachen von Brandons Sucht, als darum, wie er mit dieser Sucht umgeht. Die Folgen seiner familiären Vergangenheit waren mir wichtiger als die Vergangenheit selbst.


ZEIT ONLINE:
Was ist Scham für ein Gefühl?

McQueen: Es ist ein Gefühl tiefer Erniedrigung. In den Interviews mit Betroffenen bin ich immer wieder auf dieses Schamgefühl gestoßen, das dann auch zum Titel des Filmes wurde. Wenn die Sexsüchtigen aus ihren sexuellen Eskapaden zurück ins Leben treten und einen Moment der Klarheit haben, denken sie fast immer: "Was zum Teufel mach’ ich hier eigentlich?" Sie überfällt ein Gefühl der Peinlichkeit, weil sie sich haben gehenlassen. Um dieses tiefe Schamgefühl zu verdrängen, müssen sie sich gleich den nächsten sexuellen Kick holen.

Leser-Kommentare
  1. eine Krankheit? Logisch, dass dies (so weit ich sehe) im puritanischen Amerika erfunden wurde. Wahrscheinlich ist diese Film auch nur für Amerikaner genießbar.
    Wieso jemand Scham empfindet, wenn er seine "Sexsucht" auslebt, bleibt mir auch ein Rätsel (solange er niemanden nötigt ihm zu Willen zu sein). Das liegt wohl auch an der puritanischen Erziehung. Die Amerikaner (und der Rest der westlichen Welt) sind vom Thema Sex "besessen", weil- trotz ach so großer ( rein äußerlicher) Liberalität wir anscheinend doch noch sehr verklemmt sind. Witzigerweise sind gerade auch Sendungen wie zB. Sex and the City ein Beleg dafür. Denn wenn Sex wirklich so locker wäre, gäbs nicht andauernd Filme und Bücher darüber wie locker Sex doch eigentlich ist:). Und ein starkes Triebleben innerhalb der strafrechtlichen Grenzen, würde nicht als Krankheit qualifiziert. Dann könnte man sich auch solche Filme schenken.

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    Warum sollte Sexsucht keine Krankheit sein, nur weil man sie im Rahmen der Legalität ausübt? Ein Alkoholiker oder Raucher handelt doch auch nicht illegal, egal wie viel er säuft oder raucht. Und dennoch handelt es sich um Sucht und damit eine Krankheit. Ebenso ist es bei Sexsucht. Glaubt man diversen Medienberichten, so gibt es eine Vielzahl von Leuten, die den ganzen Tag auf Pornoseiten verbringen und dafür auch noch Geld zahlen bzw. den ganzen Tag im Puff sitzen. Ist das dann keine Sucht?

    Aber ganz abseits dieser Diskussion ist der Film einfach mal etwas anderes, nichts ausgelutschtes. Lieber diesen Film, als noch eine austauschbare Hollywood-Actionkomödie.

    • Cutty
    • 29.02.2012 um 18:09 Uhr

    ..., oder besser zum Glück, bewegt sich ihre Wahrnehmung von Sexualität und Triebbefriedigung anscheinend nicht in krankhaften Dimensionen, anders kann ihr Kommentar nicht erklärt werden.
    Einem Sexsüchtigen geht es eben nicht um das Ausleben einer starken Libido. Wie mit jedem anderen Suchtkranken dreht sich auch in diesem Krankheitsbild alles nur um den "nächsten Kick", wobei das Bedürfnis, die Erwartungshaltung und auch die für einen "normalen" Menschen damit einhergehende Befriedigung, niemals erreicht wird. Da werden anderweitig nutzbare Energien umgeleitet und fixieren sich ausschließlich auf den nächsten Koitus, die nächste Masturbation, etc.
    Stellen sie es sich wirklich und nicht nur im übertragenen Sinne wie bei einem Heroin-Fixer vor, der im wahrsten Sinne "an seiner Nadel hängt".
    Eine normale Sexualität ist dabei weder Ziel des Erkrankten, noch ist diese ihm Möglich.
    Und glauben sie bitte, dass der Betroffene darunter auf jeden Fall leidet und es nicht in Machomanier ("Boah, bin ich ein geiler Hengst!" usw.) zu Markte tragen wird...
    ...bisher ist der Film noch nicht auf meinem Schirm gewesen. Dieses Interview lässt die Chancen steigen, dass dieser auch goutiert wird.
    Danke an die Zeit!

    Sexsucht eine Krankheit? Logisch, dass dies (so weit ich sehe) im puritanischen Amerika erfunden wurde. Wahrscheinlich ist diese Film auch nur für Amerikaner genießbar.

    Sexsucht ist keine Krankheit, die erfunden wurde, um manche Menschen zu maßregeln, weil sie überdurchschnittlich viel Sex wollen. Menschen, die sexsüchtig sind, leiden darunter tatsächlich, weil sie ein starkes Bedürfnis nach etwas haben, das sich selbst dann nicht oder nur schwer befriedigen lässt, wenn man der Begierde nachgibt und dem Süchtigen das gibt, was er verlangt. Sexsucht erkennt man nämlich zum Beispiel auch daran, dass das Verlangen danach selbst noch psychisch vorhanden ist, wenn der Körper wegen Sex bereits physisch erschöpft ist. Erklären Sie das mal mit ihrer Theorie von der Moralkeule.

    Nicht ganz, denn tatsächlich handelt es sich bei der Sexsucht nicht um ein dem Süchtigen von der puritanischen Gesellschaft oktroyiertes Schamgefühl, sondern um eine Krankheit, die im Interview von dem Regisseurs auch erläutert wird. Wer lesen kann...

    Der Regisseur ist im Übrigen Brite, ebenso wie sein Hauptdarsteller, und einige Beobachter der Oscar-Verleihung sind der Überzeugung, dass das Thema des Films gerade wegen der Prüderie der Academy-Mitglieder seine Chancen auf eine Auszeichnung zunichte gemacht hat. Insofern treffen Vorwürfe der Prüderie durchaus auf den Umgang mit der Materie zu, nicht aber auf die Ursachen der Krankheit.

    Warum sollte Sexsucht keine Krankheit sein, nur weil man sie im Rahmen der Legalität ausübt? Ein Alkoholiker oder Raucher handelt doch auch nicht illegal, egal wie viel er säuft oder raucht. Und dennoch handelt es sich um Sucht und damit eine Krankheit. Ebenso ist es bei Sexsucht. Glaubt man diversen Medienberichten, so gibt es eine Vielzahl von Leuten, die den ganzen Tag auf Pornoseiten verbringen und dafür auch noch Geld zahlen bzw. den ganzen Tag im Puff sitzen. Ist das dann keine Sucht?

    Aber ganz abseits dieser Diskussion ist der Film einfach mal etwas anderes, nichts ausgelutschtes. Lieber diesen Film, als noch eine austauschbare Hollywood-Actionkomödie.

    • Cutty
    • 29.02.2012 um 18:09 Uhr

    ..., oder besser zum Glück, bewegt sich ihre Wahrnehmung von Sexualität und Triebbefriedigung anscheinend nicht in krankhaften Dimensionen, anders kann ihr Kommentar nicht erklärt werden.
    Einem Sexsüchtigen geht es eben nicht um das Ausleben einer starken Libido. Wie mit jedem anderen Suchtkranken dreht sich auch in diesem Krankheitsbild alles nur um den "nächsten Kick", wobei das Bedürfnis, die Erwartungshaltung und auch die für einen "normalen" Menschen damit einhergehende Befriedigung, niemals erreicht wird. Da werden anderweitig nutzbare Energien umgeleitet und fixieren sich ausschließlich auf den nächsten Koitus, die nächste Masturbation, etc.
    Stellen sie es sich wirklich und nicht nur im übertragenen Sinne wie bei einem Heroin-Fixer vor, der im wahrsten Sinne "an seiner Nadel hängt".
    Eine normale Sexualität ist dabei weder Ziel des Erkrankten, noch ist diese ihm Möglich.
    Und glauben sie bitte, dass der Betroffene darunter auf jeden Fall leidet und es nicht in Machomanier ("Boah, bin ich ein geiler Hengst!" usw.) zu Markte tragen wird...
    ...bisher ist der Film noch nicht auf meinem Schirm gewesen. Dieses Interview lässt die Chancen steigen, dass dieser auch goutiert wird.
    Danke an die Zeit!

    Sexsucht eine Krankheit? Logisch, dass dies (so weit ich sehe) im puritanischen Amerika erfunden wurde. Wahrscheinlich ist diese Film auch nur für Amerikaner genießbar.

    Sexsucht ist keine Krankheit, die erfunden wurde, um manche Menschen zu maßregeln, weil sie überdurchschnittlich viel Sex wollen. Menschen, die sexsüchtig sind, leiden darunter tatsächlich, weil sie ein starkes Bedürfnis nach etwas haben, das sich selbst dann nicht oder nur schwer befriedigen lässt, wenn man der Begierde nachgibt und dem Süchtigen das gibt, was er verlangt. Sexsucht erkennt man nämlich zum Beispiel auch daran, dass das Verlangen danach selbst noch psychisch vorhanden ist, wenn der Körper wegen Sex bereits physisch erschöpft ist. Erklären Sie das mal mit ihrer Theorie von der Moralkeule.

    Nicht ganz, denn tatsächlich handelt es sich bei der Sexsucht nicht um ein dem Süchtigen von der puritanischen Gesellschaft oktroyiertes Schamgefühl, sondern um eine Krankheit, die im Interview von dem Regisseurs auch erläutert wird. Wer lesen kann...

    Der Regisseur ist im Übrigen Brite, ebenso wie sein Hauptdarsteller, und einige Beobachter der Oscar-Verleihung sind der Überzeugung, dass das Thema des Films gerade wegen der Prüderie der Academy-Mitglieder seine Chancen auf eine Auszeichnung zunichte gemacht hat. Insofern treffen Vorwürfe der Prüderie durchaus auf den Umgang mit der Materie zu, nicht aber auf die Ursachen der Krankheit.

  2. Warum sollte Sexsucht keine Krankheit sein, nur weil man sie im Rahmen der Legalität ausübt? Ein Alkoholiker oder Raucher handelt doch auch nicht illegal, egal wie viel er säuft oder raucht. Und dennoch handelt es sich um Sucht und damit eine Krankheit. Ebenso ist es bei Sexsucht. Glaubt man diversen Medienberichten, so gibt es eine Vielzahl von Leuten, die den ganzen Tag auf Pornoseiten verbringen und dafür auch noch Geld zahlen bzw. den ganzen Tag im Puff sitzen. Ist das dann keine Sucht?

    Aber ganz abseits dieser Diskussion ist der Film einfach mal etwas anderes, nichts ausgelutschtes. Lieber diesen Film, als noch eine austauschbare Hollywood-Actionkomödie.

    4 Leser-Empfehlungen
    Antwort auf "Sexsucht "
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    Erst vor kurzem las ich einen anderen Artikel, eine Übersetzung aus dem Französischen, in welchem der Autor über die viele Zeit nachdachte, die er auf pornographischen Seiten im Internet verbringt. Auch er sprach von "Sucht" und fast konnte man den Eindruck bekommen, er wünschte sich eine Zensur. Er schrieb davon, dass er sich dafür schäme. Dazu kommt ja noch die Tatsache, dass jeder Klick auf pornographische Seiten die Nachfrage nach noch mehr Produktionen dieser Art anheizt - Produktionen, die weltweit "gedreht" werden und teilweise mit gravierenden Menschenrechtsverletzungen einher gehen. Der Autor zeigte sich davon entsetzt, konnte aber offenbar doch nicht von seiner Sucht nach Pornographie lassen. Er dachte darüber nach, wie dieses Verhalten vereinbar sein sollte mit dem edlen Menschenbild, das die Philosophen und Dichter wie z. B. Aristoteles, in ihrer Vorstellung hatten.

    Erst vor kurzem las ich einen anderen Artikel, eine Übersetzung aus dem Französischen, in welchem der Autor über die viele Zeit nachdachte, die er auf pornographischen Seiten im Internet verbringt. Auch er sprach von "Sucht" und fast konnte man den Eindruck bekommen, er wünschte sich eine Zensur. Er schrieb davon, dass er sich dafür schäme. Dazu kommt ja noch die Tatsache, dass jeder Klick auf pornographische Seiten die Nachfrage nach noch mehr Produktionen dieser Art anheizt - Produktionen, die weltweit "gedreht" werden und teilweise mit gravierenden Menschenrechtsverletzungen einher gehen. Der Autor zeigte sich davon entsetzt, konnte aber offenbar doch nicht von seiner Sucht nach Pornographie lassen. Er dachte darüber nach, wie dieses Verhalten vereinbar sein sollte mit dem edlen Menschenbild, das die Philosophen und Dichter wie z. B. Aristoteles, in ihrer Vorstellung hatten.

    • Cutty
    • 29.02.2012 um 18:09 Uhr

    ..., oder besser zum Glück, bewegt sich ihre Wahrnehmung von Sexualität und Triebbefriedigung anscheinend nicht in krankhaften Dimensionen, anders kann ihr Kommentar nicht erklärt werden.
    Einem Sexsüchtigen geht es eben nicht um das Ausleben einer starken Libido. Wie mit jedem anderen Suchtkranken dreht sich auch in diesem Krankheitsbild alles nur um den "nächsten Kick", wobei das Bedürfnis, die Erwartungshaltung und auch die für einen "normalen" Menschen damit einhergehende Befriedigung, niemals erreicht wird. Da werden anderweitig nutzbare Energien umgeleitet und fixieren sich ausschließlich auf den nächsten Koitus, die nächste Masturbation, etc.
    Stellen sie es sich wirklich und nicht nur im übertragenen Sinne wie bei einem Heroin-Fixer vor, der im wahrsten Sinne "an seiner Nadel hängt".
    Eine normale Sexualität ist dabei weder Ziel des Erkrankten, noch ist diese ihm Möglich.
    Und glauben sie bitte, dass der Betroffene darunter auf jeden Fall leidet und es nicht in Machomanier ("Boah, bin ich ein geiler Hengst!" usw.) zu Markte tragen wird...
    ...bisher ist der Film noch nicht auf meinem Schirm gewesen. Dieses Interview lässt die Chancen steigen, dass dieser auch goutiert wird.
    Danke an die Zeit!

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    Antwort auf "Sexsucht "
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    "Eine normale Sexualität". Was ist das, und wer bestimmt das? Und muß man sich krank fühlen, wenn man von dieser Norm abweicht? Und kann man es vielleicht auch als krank betrachten, wenn jemand viele Stunden am Tag mit unsinnigen Tätigkeiten verbringt, wie etwa Börsenkurse zu verfolgen und Profit zu maximieren, oder: Suchen Sie sich was aus. Jede Norm ist fragwürdig, und es ist von vornherein problematisch, von normaler Sexualität, normalen Hobbys oder normalem Berufsleben zu sprechen.

    "Eine normale Sexualität". Was ist das, und wer bestimmt das? Und muß man sich krank fühlen, wenn man von dieser Norm abweicht? Und kann man es vielleicht auch als krank betrachten, wenn jemand viele Stunden am Tag mit unsinnigen Tätigkeiten verbringt, wie etwa Börsenkurse zu verfolgen und Profit zu maximieren, oder: Suchen Sie sich was aus. Jede Norm ist fragwürdig, und es ist von vornherein problematisch, von normaler Sexualität, normalen Hobbys oder normalem Berufsleben zu sprechen.

  3. Genau wie jede andere Sucht. Da geht es nicht um ein "starkes Triebleben innerhalb der strafrechtlichen Grenzen", sondern im Gegenteil um das Fehlen jeglicher Befriedigung. Man empfindet keinen Genuss mehr und kann sich nicht kontrollieren, man sucht den Kick, den man nicht findet, immer öfter und immer schneller. Und das hat auch nichts mit Amerika zu tun, solche verzweifelten, verlorenen Menschen gibt es überall. Die Reduktion dieser Sucht auf ein "starkes Triebleben" nimmt den Suchtcharakter und die Verlorenheit dieser Menschen, die daran erkrankt sind, nicht ernst und verharmlost das Problem. Genau das verhindert auch, das solchen Leuten geholfen werden kann. Deshalb ist dieser Filme notwendig.

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  4. Bei der Sexsucht ist es in der Tat wie mit jeder anderen Sucht. Der Rubikon wird m. M. nach stets dann überschritten, wenn der Süchtige mehr oder weniger von seiner Sucht beherrscht oder getrieben wird, und das obwohl er noch im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte ist.

    Dabei gibt es natürlich viele Stadien. Den eine kann eben damit umgehen, obwohl er nur noch in sexuellen Kategorien denkt, ein anderer eben nicht mehr. Und genau da kann es in der Tat problematisch werden.

    Entsteht nämlich ein Leidensdruck - also in der Tat ein Leiden - weil er im Grunde selbst versucht dagegen anzukämpfen, dann leidet er, und wenn er Pech hat verbrennt er wie eine Mücke im Licht.
    Sei es nun im Masturbationswahn oder bei der Realisierung seiner Fantasien. Die Sucht kann ihn im wahrsten Sinne des Wortes zerstören. Sein eigener Verstand warnt ihn, es nicht auf die Spitze zutreiben, aber im nächsten Moment treibt es ihn schon wieder fort.

    Entsteht dagegen kein Leidensdruck, das heißt, er kann die Balance nach wie vor noch halten, dann ist er auch nicht krank. So einfach ist das. Amerikanische Filme interessieren mich grundsätzlich nicht. Zeitverschwendung. Da lese ich lieber ein gutes Buch.

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    Na man gut, dass das ein britischer Film ist, der in Amerika spielt.

    Na man gut, dass das ein britischer Film ist, der in Amerika spielt.

  5. Na man gut, dass das ein britischer Film ist, der in Amerika spielt.

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    • timbo4
    • 29.02.2012 um 20:14 Uhr

    das Interview schon auch gelesen haben bevor man möglicherweise voreilige Schlüsse zieht.

    "Ich könnte nie einen amerikanischen Film mit einem Happy End machen. Shame wurde zwar in den USA gedreht, aber es ist sicherlich kein Hollywood-Film. Mir geht es darum, die Leute herauszufordern und ihre Ansichten zu hinterfragen. Als nächstes werde ich einen Film über die Sklaverei drehen, über den sich in den Staaten bestimmt viele Menschen aufregen werden."

  6. das sexsucht (hypersexualität) eine erfindung der puritanischen gesellschaft wäre aber kurzes googeln hat mich eine besseren belehrt, hier ein link der das thema etwas näher beleuchtet.

    http://www.heilpraxisnet....

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