Der große Gewinner der 84. Oscar-Nacht ist ein überaus charmanter Stummfilm in Schwarz-Weiß , der den großen Umbruch Hollywoods zum Tonfilm zeigt. Das hat den meisten der über 6.000 stimmberechtigten Mitglieder der amerikanischen Acadamy of Motion Picture gefallen. The Artist erhielt die drei wichtigsten Oscars für die beste Regie (Michel Hazanavicius), den besten Hauptdarsteller (Jean Dujardin) und als bester Film. Der französische Überraschungserfolg ist ganz sicher ein guter Film. Und er wärmt das Herz der Filmschaffenden.

Die Academy Awards, wie sie offiziell heißen, gelten als wichtigste Filmpreise weltweit und in der Nacht von Sonntag auf Montag wurden sie zum 84. Mal verliehen, um die besten filmkünstlerischen Leistungen zu prämieren. Doch was können diese sein in Zeiten, in denen das Kino in einer Krise steckt und die Gewinne allenfalls dank der Zuschläge für 3-D-Blockbuster wieder ein wenig steigen? Computerspiele machen längst mehr Umsatz, das DVD-Geschäft zieht die Filme rasch von der Kinoleinwand auf die heimischen Flatscreens. Gleichzeitig kosten die Produktionen unerschwinglich viel Geld, und es wird immer noch schwieriger, einen Produzenten für eine andersartige Idee zu begeistern.

Das ist nicht wirklich neu, aber der Einsatz steigt und mithin das Risiko zu scheitern. Selbst das Kodak Theatre, in dem die Verleihung seit 2002 stattfindet, heißt jetzt nur noch Hollywood & Highland Center, weil das sponsernde Unternehmen für fotografische Ausrüstungen Kodak im Januar Insolvenz anmeldete. Man kann verstehen, dass sich die Branche nach ein wenig Wärme sehnt.

Auch die Show selbst steckt in einer Krise. Ihr Publikum wird immer älter. Im vergangenen Jahr hatte man mit der Moderation ein jüngeres Duo beauftragt, doch Anne Hathaway und James Franco machten keine wirklich gute Figur und mehr jüngere Zuschauer lockten sie auch nicht vor die Bildschirme. Dann sprang für die diesjährige Verleihung kurzfristig Eddy Murphy als Moderator ab und der Job ging an Billy Crystal – zum neunten Mal.

Mit dem 63-jährigen Entertainer wollte man auf Nummer sicher gehen. Er beherrscht die Kunst des lockeren Moderierens, ist witzig, ohne je derb zu sein, souverän ohne zu langweilen und kann singen und tanzen. Man weiß, was man an ihm hat, und er hat seinen Auftrag auch in diesem Jahr wieder zuverlässig erfüllt. Dankenswerterweise mit einer gehörigen Portion Selbstironie. So trat er in dem Clip, der traditionell zu Beginn der Show gezeigt wird und eine Art launiger Zusammenschnitt der nominierten Beiträge ist, als Koma-Patient auf, der von George Clooney erst wachgeküsst werden muss.

Doch selbst er, der sich des Problems des Überalterns offensichtlich bewusst ist, kündigte als Unterhaltungseinlagen zwischen den einzelnen Preisübergaben verflixt viel Historisches an. So sah man beispielsweise eine Zirkusnummer der Artisten vom Cirque du Soleil, bei der im Hintergrund Cary Grant und andere Schwarz-Weiß-Größen auf eine Leinwand gebeamt wurden. Mit Meryl Streep wurde eine überaus verdiente und wunderbare Hauptdarstellerin geehrt, die in The Iron Lady zeigte, was Können auf allerhöchstem Niveau bedeutet . Jede jüngere Schauspielerin kann von Streep lernen, wie diese Kunst immer schon funktionierte. Mit Christopher Plummer als bester Nebendarsteller in The Beginners wurde gar der älteste Oscargewinner aller Zeiten gekrönt. Er ist 82 Jahre alt (und hielt die professionellste Dankesrede).