Oscar-Vorfreude: Klassenfahrt des deutschen Films
Während Hollywood auf die heutige Oscar-Nacht wartet, feiern Wim Wenders und Julia Richter ihre Nominierungen. Aus der Villa Aurora in L.A. berichtet Eva Schweitzer.

Der Filmregisseur Wim Wenders ist einer der deutschen Oscar-Nominierten.
Der Hollywood Boulevard wird schon seit Tagen für die Oscars herausgeputzt, der berühmte rote Teppich verlegt; noch ist er von dicken Plastikschichten geschützt, damit er von Journalisten und Aufbauhelfern nicht beschmutzt wird, bevor George Clooney, Meryl Streep und Brad Pitt hier flanieren. Statisten posieren als Darth Vader und Marilyn Monroe, L'Oreal verteilt knallrote Lippenstifte der Marke Red Carpet, und der Chefkoch Wolfgang Puck produziert Schoko-Oscars bedeckt mit 24-Karat-Goldstaub, Lachs-Oscars mit Kaviar, und Miniburger aus Kobe-Rind für den Governor's Ball, der nach der Verleihung stattfindet. Über dem Eingang des Filmtheaters, wo die Statuetten verliehen werden, schwebt der goldene Schriftzug "Kodak" – noch. Nachdem der Fotogigant Konkurs anmelden musste, ist auch der Werbevertrag mit der Academy of Motion Picture Arts and Sciences hinfällig. Womöglich wird die Academy sogar aus Hollywood wegziehen: in das mit 7.100 Sitzen mehr als doppelt so große Nokia Theatre, heißt es.
Weit entfernt, in der Villa Aurora, der alten Feuchtwanger-Villa am Strand von Malibu, hat German Films eingeladen, die Vertretung der deutschen Filmindustrie im Ausland. Hier werden die Oscar-Nominierten gefeiert. Wim Wenders ist gekommen; sein 3-D-Dokumentarfilm Pina ist im Rennen. Wenders bewirbt ihn schon seit Wochen, eigentlich ist er seit dem Hamptons Film Festival im November in Amerika. Er fröstelt ein wenig, trotz der Sonne, vom Meer bläst ein kühler Wind. Mit seiner hageren Figur und seiner Hornbrille ähnelt er ein wenig Woody Allen (der für Midnight in Paris nominiert ist). "Ich kann gar nicht sagen, wie viele Gespräche ich geführt habe, und Interviews gegeben, und Dinner besucht", sagt er. "Vom Breakfast TV morgens um halb sieben bis zur Mitternachtsshow".
Wenders ist in Amerika bekannt. Er hat hier Million Dollar Hotel gedreht; sein Buena Vista Social Club war für einen Oscar nominiert. "Da merkt man, in der Zehntelsekunde, wenn der Umschlag geöffnet wurde, da geht der Blutdruck hoch." Aber sein mit Abstand bekanntester Film in Amerika sei immer noch Der Himmel über Berlin. Verbessert das seine Chancen auf einen Oscar? "Es geht immer nur darum, wie gut der aktuelle Film ist. Niemand kann sich auf seinen Lorbeeren ausruhen." Aber Hoffnung macht er sich schon. "Pina ist nicht nur der mit Abstand meistgesehene der fünf nominierten Dokumentarfilme, sondern auch der, der die Zuschauer am meisten bewegt. Er hat etwas Heilsames, Positives, Optimistisches". Auch Pina Bausch ist zumindest in New York bekannt; das Wuppertaler Tanztheater tritt regelmäßig in der Brooklyn Academy of Music auf.
Auf dem grünen Rasen der Villa Aurora steht die Crew von Raju und feiert, hier herrscht eine ausgelassenere Stimmung als beim abgeklärten Wenders. Der Abschlussfilm der Hamburg Media School ist als bester Kurzfilm nominiert. Raju, in dem es um Kinderhandel in Indien geht, wurde bereits mit Preisen überhäuft, aber der Oscar ist schon etwas Besonderes. "Wir haben zehn Tage ohne Pause in Indien gedreht, sonst hätten wir es mit unserem Budget nicht geschafft", sagt Max Zähle, der Regisseur. Das war gar nicht so einfach; Inder sind Filmfanatiker, und jedes Mal, wenn die Crew irgendwo auftauchte, wurde sie umringt von Möchtegernstatisten. "Wir haben dann ein Scheinteam mit einer unechten Kamera abgestellt, um die abzulenken", sagt Stefan Gieren, der Produzent.
Ein Dutzend Mitstreiter hat Zähle mitgebracht, darunter die Hauptdarstellerin Julia Richter. "Fast wie eine Klassenfahrt", sagt er. Eine Klassenfahrt, auf der sie Steven Spielberg und Martin Scorcese treffen. "Es ist ganz lustig, mal auf der anderen Seite der Universal Studio-Tour zu stehen", sagt Zähle. Die Crew hat tatsächlich sechs Plätze im Kodak-Theater bekommen. Julia Richter wurde während der Grenzkontrolle gefragt, wofür das Kleid denn sei, für eine Hochzeit? "Für eine Oscar-Nominierung", antwortete sie, und wurde daraufhin mit Glückwünschen überhäuft. Als nächstes will Zähle eine "norddeutsche Tragikomödie" machen.






... das kann doch dann nur ein Künstler sein, auch wenn de rote Schal fehlt?
Jedenfalls würde ich es dem Pia Film wünschen!
Das die Eva auch anstaendige Berichte schreiben kann.
Man kann nur gratulieren.
Pina Bausch hat es wirklich verdient, daß Wenders sie nochmal mit diesem Film gewürdigt hat und durch die Welt zeigt! Meine letzte,vorbildlich liebe Hündin hatte ich nach ihr benannt.
die Deutschland hat, der amerik.Freund mit Dennis Hopper und Paris/Texas mit der schönen Gitarrenmusik von Ry Cooder-
Der Mann ist eine Diva seines Genres, ich drück ihm die Daumen
für seinen exotischen Tanzfilm von dem ich Ausschnitte sah-
das sah richtig gut aus, aber auch ohne Oscar braucht er sich um seine
Kreativität keine Sorgen machen.
dass es sich bei "Pina" nicht um einen Dokumentarfilm handelt. Aber wen interessiert das schon?
Wenn Sie als Insider mehr wissen als Hr. Wenders selbst, dann verraten Sie uns doch, um was für einen Film es sich handelt. Mich interessiert das brennend.
Wenn Sie als Insider mehr wissen als Hr. Wenders selbst, dann verraten Sie uns doch, um was für einen Film es sich handelt. Mich interessiert das brennend.
Wenn Sie als Insider mehr wissen als Hr. Wenders selbst, dann verraten Sie uns doch, um was für einen Film es sich handelt. Mich interessiert das brennend.
bezeichnet hat, ausgerechnet, als sie auf dem roten Teppich stand. Das machte wie ein Lauffeuer die Runde.
Noch arroganter konnte sich Deutschland nicht präsentieren.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren