Film "This Ain’t California"Große Freiheit auf kleinen Rollen
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Die DDR ist nur nebenbei Thema

Aus eben diesem Spannungsfeld aus gebieterischem Auftreten eines bereits weitgehend maroden Staates einerseits und dem jugendlichen Aufbäumen andererseits zieht This Ain’t California seinen Charme. Weil es aber nur bedingt Filmmaterial aus dieser Zeit gibt, hat Marten Persiel aus der Not eine Tugend gemacht und aus Super-8-Bändern, an nachgestellten Spielfilmsequenzen, Archivbildern aus dem DDR-Fernsehen, einem Gespräch der erwachsen gewordenen Skater und einigen Waltz with Bashir ähnelnden Animationen eine Collage der Erinnerung entworfen. Das wird dem Thema und den Protagonisten vollkommen gerecht, deren Erinnerung ist schließlich auch keine lückenlose, einheitliche Erzählung. Manches bleibt hier also vage Erinnerung und manches bloße Vermutung.

Dass der Film dabei manche Längen und Dopplungen hat, weil es den Machern offenbar schwer fiel, sich von Originalaufnahmen zu trennen oder Zeitzeugen nicht zu Wort kommen zu lassen – geschenkt. Dass der Film den Zuschauer darüber im Unklaren lässt, was Dokumentar- und was Spielfilm ist und etwa ohne jeden Hinweis den Namen der Hauptperson ändert, ist für einen Film, der ein Dokumentarfilm sein soll, zumindest problematisch. Herausgekommen ist aber auch so ein äußerst humorvoller und berührender Film. Weil er die DDR eher nebenher zum Thema macht und weil der Film den ostdeutschen Sozialismus nicht mit erhobenem Zeigefinger verdammt, sondern ihm stattdessen ausreichend Platz gibt, sich in seiner bürokratischen Absurdität und spaßbefreiten Verkrampftheit lächerlich zu machen.

Die Hoffnung aber, Freiheit könne vielleicht etwas sein, dass sich nicht nur gegen, sondern auch durch einen Staat erkämpfen lasse, die lässt This Ain’t California erst gar nicht aufkommen: Der im Film Denis genannte Skater kam 2011 als Soldat in Afghanistan ums Leben.
 

 
Leserkommentare
    • GregP
    • 13.02.2012 um 22:34 Uhr

    Nach dieser Kritik würde ich nicht in den Film gehen, den ich heute bei der Berlinale gesehen habe. Bei Ihnen entsteht der Eindruck, "It Ain't California" wäre eine brave Doku, bei der man wegen der Längen und Dopplungen vielleicht sogar einschläft. Das Gegenteil ist der Fall. Der Film hat Tempo, rasende Bildwechsel, die durch perfekte Musik begleitet werden. Im Grunde ein Spielfilm, der als Doku getarnt ist. Einer der besten Filme für mich in 9 Jahren Berlinale.

    Eine Leserempfehlung
    • ananam
    • 29.02.2012 um 13:08 Uhr
    2. super

    superfilm! kann ich nur jedem empfehlen. nicht zuletzt der sympathischen skater wegen!

  1. Tja, Dennis hat es leider nie gegeben - so wie ein Großteil des gezeigten Materials nicht echt ist. Ich bin etwa so alt, wie die angeblichen Skater und in Ost-Berlin aufgewachsen. Daher hab ich den Vorteil, Fehler in den nachgestellten Szenen wenigstens erkennen zu können. Ich kenne auch einen der Akteure des Films und weiß, dass er da nicht über sich selbst spricht sondern eine Rolle spielt. Jemand ohne Hintergrundwissen und ohne die Info, dass da nachgestelltes Material verarbeitet worden ist, hält das ganze Werk ziemlich sicher für echt. Für mich ist das der reinste Etikettenschwindel. Außerdem können weder Regisseur noch Produzent mit Kritik an der Art und Weise, wie mit den erfundenen und nachgedrehten Teilen der Geschichte gearbeitet wurde, umgehen. Der Regisseur gibt erst auf der Berlinale nach einer kritischen Journalistenfrage überhaupt zu, dass Teile der Films nicht "echt" sind. Und als der SPIEGEL beim Produzenten genaueres wissen will, kommt per Email ne Antwort nach dem Motto "Das geht euch gar nichts an." Kritische Zuschauerkommentare sind ebenfalls auf der Facebook-Seite unerwünscht und werden binnen weniger Minuten gelöscht. Das hat doch ein ziemliches "Geschmäckle".

    • Benjos
    • 22.05.2013 um 13:11 Uhr

    Ich kann nur sagen, dass mir der Film sehr gut gefallen hat und ich ihn gerne und oft weiterempfehle. Ich wurde mitgerissen von der Geschichte, der Musik, dem Gefühl und sehe durchaus die Wahrheit in diesem Film. So schön, so bittersüß, so aufregend war und ist die Jugend. Wen's interessiert: https://itunes.apple.com/..., denn Spaß macht der Film allemal.

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