Fernsehtechnik : Sendeschluss fürs Analoge

Ende April wird das analoge Satellitensignal abgeschaltet. Wer sein Fernsehprogramm bis dahin noch nicht digital empfängt, sieht schwarz.
Die meisten Satellitenschüsseln sind für den digitalen Empfang vorbereitet - andere können aufgerüstet werden. © Sean Gallup/Getty Images

Intensivere Farben, höhere Kontraste, besserer Ton, mehr deutsche und mehr fremdsprachige Programme, elektronische Programmführung - das digitale Fernsehen bietet viele Vorteile. Und doch halten von den 17 Millionen deutschen Satellitenhaushalten laut Landesmedienanstalten noch knapp zwei Millionen an der analogen Technik fest. Genaue Zahlen liegen nicht vor. "Wir können nur spekulieren, warum die Menschen abwarten. Vielleicht hoffen sie auf sinkende Preise bei den Geräten", sagt Klaus Hofmann vom Projektbüro klardigital 2012 . Diese Initiative der Landesmedienanstalten wurde im Frühjahr 2010 gegründet, um betroffenen Satellitenhaushalte zu informieren.

Digitales Fernsehen gibt es in Deutschland seit mehr als zehn Jahren. Wegen der unterschiedlichen Formate müssen die Sender ihre Programme oft dreifach ausstrahlen: analog, digital in Standardqualität und digital in HDTV . Das ist teuer. Die zum 30. April 2012 geplante Abschaltung der analogen Signale bringt aber nicht nur Einsparungen, sondern schafft auch Platz für neue hochauflösende Programme. Vorreiter sind die kleinen Sender DMAX, Viva und Comedy Central. Sie knipsten ihr analoges Satellitensignal schon zum 1. Januar 2012 aus.

Für Haushalte, die ihr Fernsehprogramm über DVB-T oder ein internetbasiertes IPTV empfangen ändert sich nichts. Und auch die meisten Kabelbetreiber sind auf die digitalen Signale aus dem All eingestellt. Satellitenkunden, die nicht sicher sind, wie sie ihr Signal empfangen, gibt die Videotext-Tafel 198 beim Ersten, den Dritten Programmen, ZDF, ProSieben , RTL oder SAT.1 Auskunft. In den nächsten Wochen scheuchen alle Sender die analogen SAT-Haushalte mit Laufschriften und Trailern auf. "Die Sender werden die Anzahl der Durchläufe so erhöhen, dass analoges Fernsehen keinen Spaß mehr macht", sagt Hofmann.

Die meisten Satellitenschüsseln auf Dach oder Balkon sind für das digitale Zeitalter gerüstet. Dann ist der Wechsel leicht. Man muss lediglich einen digitalen Receiver oder ein modernes Fernsehgerät mit integriertem Empfänger kaufen. Schwieriger wird es bei SAT-Schüsseln, die älter als zehn Jahre sind. Sie müssen durch einen LNB-Converter befähigt werden, digitale Signale zu empfangen. Der Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke rät zu SAT-Schüsseln mit einem Durchmesser von 60 bis 65 Zentimetern. Sonst würden Bildaussetzer den digitalen Fernsehgenuss stören.

In alten Häusern kann es sogar sein, dass schlecht isolierte Leitungskabel Probleme machen. Denn Digitalsignale sind störungsanfälliger als analoge. Der TV-Experte des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen Michael Bobrowski rät deshalb dringend, sich möglichst rasch zu informieren: "In den letzten Wochen vor der Umschaltung kann es zu Engpässen bei den Handwerkern kommen."

Der Deutsche Mieterbund macht darauf aufmerksam, dass Mieter für die eigenen Fernsehgeräte und SAT-Schüsseln verantwortlich sind. Vermieter müssen nur aktiv werden, wenn die Signale über eine Gemeinschaftsanlage ins Haus kommen. Dann sollten sie den Weg für die digitalen Programme bis in die Anschlussdosen der Wohnungen frei machen. In einigen Fällen müssen Haus-und Wohnungsbesitzer neue Satellitenanlagen installieren und veraltete Kabel austauschen. Strittig ist, ob das so entstandene größere Programmangebot als Modernisierung gilt. In dem Fall müssten sich auch die Mieter an den Kosten beteiligen.

Um das digitale Fernsehen in Deutschland zu verbreiten und weiterzuentwickeln haben sich private und öffentlich-rechtliche Programmanbieter, Gerätehersteller, Infrastrukturbetreiber, Universitäten, Bundes- und Landesbehörden, Landesmedienanstalten mit branchennahen Unternehmen und Institutionen zur Deutschen TV-Plattform zusammengeschlossen. Auf der Homepage des Vereins zählt eine Uhr den Tages -, Minuten- und Sekunden-Countdown bis zur Abschaltung. Die letzten Bremser auf dem Weg zur digitalen Zukunft werden ermahnt.

In einer Studie von Ende 2011 stellte der Verein fest, dass noch knapp 24 Prozent der Krankenhäuser und 35 Prozent der Hotels nur analoge Signale empfangen können. Pension und kleine Hotels scheinen die Kosten ebenso zu scheuen wie Krankenhäuser, die ohnehin wenig Geld für Investitionen haben. "Doch der Druck nimmt zu", sagt Hofmann. Für die Menschen, die am 1. Mai 2012 einen schwarzen Bildschirm sehen, beantragt der Handel Sonderöffnungszeiten am Feiertag. Doch ist ungewiss, ob die Behörden dem zustimmen. Wer so lange mit dem Kauf eines Digitalreceivers gezögert hat, muss dann eben noch einen Tag warten.

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Kommentare

9 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Genau, es gibt Besseres zu tun im Leben :-)

Der Artikel klingt ja gerade so als würde von der Röhre das Leben abhängen. De facto ist es doch so, dass viele Menschen Fernsehen überhaupt nur nutzen, weil zufällig einer 'rumstand und das Kabel nur in die Wand musste.
Kein Ahnung, woher unser Signal aus der Wand kommt, aber extra Geld ausgeben für irgendwelche anderen Empfänger oder eine häßliche Satschüssel an der Hauswand: NEIN DANKE.
Dann doch lieber Buch... Vermutlich werden in besagter Nacht einige Menschen seit langem mal wieder zusammen sitzen und sich in fröhlicher Runde entspannen anstatt einsam vor dem Fernseher zu hängen. Ist das nicht positiv?
Wichtige Informationssendungen zu politischem Tagegeschehen kann man immer auch im Internet nach-kucken. Oder einfach Zeitung lesen.

Welcher Druck

nimmt da denn zu?

Es gab mal eine Zeit, in der war das Fernsehprogramm etwas anspruchsvoller als heute. Seit den Talkshows zB "Fliege" gings meiner Meinung nach immer weiter bergab...

Wenn ich das mit dem alten Rom vergleiche hat das Programm das Level "Spiele" erreicht.

Andereseits will die Masse auch keine Information sondern das was zur Zeit laeuft.