Lange Zeit liefen über die Leinwand des Savoy Theaters in Düsseldorf Kinofilme. Mit Filmen hatten auch viele der 500 geladenen Gäste am Samstagabend zu tun, mit Kino dagegen weniger: Viele produzieren Webvideos, also Clips, die ausschließlich im Internet zu sehen sind.

Zum zweiten Mal wurde der Deutsche Webvideopreis verliehen. In insgesamt neun Kategorien wurde jeweils ein Jury- und ein Publikumspreis vergeben, über den Internetnutzer abstimmen konnten. Mehr als 6.500 Einsendungen musste die sechs Mitglieder zählende Jury, zu der neben dem Journalisten Mario Sixtus (Elektrischer Reporter) auch die ehemalige Ehrensenf-Moderatorin Katrin Bauerfeind gehörte, dafür sichten.

Größer, bunter und professioneller solle es werden, sagte Initiator und Veranstalter Markus Hündgen im Vorfeld der Veranstaltung. Und prompt versagte gleich mit der ersten Einspielung des Düsseldorfer Oberbürgermeisters Dirk Elbers der Ton. "Wir haben die Show vorher nicht geprobt", entschuldigte sich Moderator Christoph Krachten, der mit Clixoom selbst einen erfolgreichen YouTube-Kanal betreibt, und synchronisierte das Video spontan selbst.

Überhaupt war die Stimmung schon vor Beginn der Gala sehr gelöst. Viele der aus ganz Deutschland angereisten Webvideo-Produzenten und Fans hatten sich bereits am Nachmittag auf dem angeschlossenen Videocamp und YouTuber-Treffen ausgetauscht. Für sie war die Preisverleihung nur der Abschluss eines Gesamtpakets, das sich um das Medium Webvideo drehte. So bunt wie die Webvideos war auch das Publikum: Junge und Ältere kamen, gekleidet in lange Ledermäntel, Gorilla-Kostüme oder elegante Abendroben. Überall dabei: Kameras. Viele der Gäste nutzen die Chance, um den besonderen Rahmen gleich in ihr eigenes nächstes Projekt einzubinden.

Dass Webvideos nicht nur aus Spaß und Katzen bestehen müssten, zeigten schon die ersten Kategorien des Abends. Den Jurypreis in der Kategorie "FYI" gewann ein Projekt des Zentrums für politische Schönheit. Sie hatten mit Schuld. Die Barberei Europas eine Dokumentation über Nahrungsmittelspekulationen in Europa produziert. Der Publikumspreis ging an Mad World von Peter Schilling und Andreas Weingart für eine Bachelorarbeit zum Thema Realität und Manipulation in den Medien.

Mit Medien haben auch die großen Gewinner des Abends zu tun. Die ZiB-Redaktion des österreichischen ORF gewann sowohl den Jury- als auch den Publikumspreis in der Kategorie "IMHO", sowie den Jurypreis für das beste Webvideo. "Ausgerechnet die vom Fernsehen räumen beim Webvideopreis ab", twitterte Janis Kucharz vom Blog Netzfeuilleton augenzwinkernd den Erfolg.

 
Die "Fernseh-Dinosaurier" (Hyperland) hatten im vergangenen Jahr ein Protestvideo produziert, in dem sie sich gegen die Beeinflussung bei der Stellenbesetzung aussprachen. Vorausgegangen war eine Unterschriftenliste von mehr als 1.000 Mitarbeitern. 55 davon gaben dem Video schließlich ihre Stimme.

"Sie haben Eier", begründete Jury-Mitglied Mario Sixtus die Entscheidung. Etwas eloquenter drückten es seine Kollegen aus: "Die ZiB-Redaktion hat dem Aufschrei gegen die politische Gewalt ein Gesicht gegeben", hieß es. Sichtlich gerührt zeigte sich Initiator und ORF-Redakteur Dieter Bornemann angesichts des Erfolgs: Dass Fernsehleute ein Medium wie Webvideo nutzen können, um ihr Anliegen vorzutragen, sei ein Erfolg für die Medienfreiheit, sagte Bornemann in seiner kurzen Dankesrede.