ZEIT ONLINE: Gab es einen bestimmten Moment im Verlauf Ihrer Krankheit, an dem Sie gedacht haben "Daraus muss ich einen Film machen"?

Will Reiser: Während meiner Krankheit fragten mich auf Partys immer wieder Leute, ob es nicht ein paar Sachen gäbe, die ich schon mein ganzes Leben lang hätte machen wollen: eine Safari in Afrika , einen Löwen schießen, in Ägypten die Pyramiden anschauen – so wie Jack Nicholson und Morgan Freeman in The Bucket List ( Das Beste kommt zum Schluss ). Aber das war das Letzte, was ich mir vorstellen konnte. Ich war krank. Mir ging es dreckig. Ich hatte keine Energie mehr. Ich wollte nur zu Hause auf dem Sofa sitzen und Baseball schauen. Seth Rogen und ich haben uns über die Vorstellungen dieser Leute lustig gemacht und kamen irgendwann auf die Idee, daraus eine Krebs-Komödie zu machen, die wir The Fuck It List nennen wollten. Zuerst war es nur ein Witz, aber dann kamen immer mehr Einfälle dazu, und als es mir nach der Operation wieder besser ging, haben wir beschlossen daraus wirklich einen Film zu machen.

ZEIT ONLINE: Wie viel von Ihrem eigenen Wesen steckt in der Hauptfigur Adam?

Reiser: Adam fürchtet sich davor, die Kontrolle über sein Leben zu übernehmen. Er trägt viele Ängste in sich. Auch wenn er nach außen hin ruhig und ausgeglichen wirkt, lebt er in einem Zustand innerer Panik. So habe ich mich als Mittzwanziger gefühlt. Das hat sich heute glücklicherweise geändert.

ZEIT ONLINE: Wie nah bewegt sich der gute Freund, den Seth Rogen im Film spielt, an dem Freund, der Seth Rogen für Sie während der Krankheit war?

Reiser: Seth war und ist einer meiner engsten Freunde. Ich habe in der Zeit, als ich Krebs hatte, gesehen, wie unterschiedlich die Leute auf eine solche Krankheit reagieren. Ich habe auch einige Freunde verloren, weil sie mit der Situation einfach nicht umgehen konnten. Seth hatte ebenfalls keine Ahnung und hat sich manchmal vollkommen idiotisch benommen, aber er war immer da, wenn ich ihn brauchte. Hat er alles richtig gemacht? Natürlich nicht. Keiner weiß, wie er mit so etwas umgehen soll. Aber wenn man über seine eigene Unbeholfenheit reden und lachen kann, erleichtert das die Situation ungemein.

ZEIT ONLINE: Wie haben die Menschen denn reagiert, wenn Sie Ihnen erzählten, dass Sie an Krebs erkrankt sind?

Reiser: Die meisten drehen einfach durch. Die erste Frage lautet immer, woran hast du es gemerkt? Dann erzählt man von den Symptomen und sieht den Leuten an, dass sie am liebsten sofort einen Termin beim Arzt ausmachen würden.

ZEIT ONLINE: Welche Reaktionen und welchen Umgang hätten Sie sich gewünscht?

Reiser: Wenn man krank ist, fühlt man sich ohnehin schon sehr isoliert. Im Körper mutieren die eigenen Zellen. In einem drin wächst dieses fremdartige Wesen und keiner um einen herum kann nachvollziehen, wie sich das anfühlt. Deshalb will man mit so einer Krankheit einfach nur normal behandelt werden. Wenn die Leute plötzlich mit dieser mitleidserfüllten Babystimme auf einen einreden, macht das alles nur schlimmer.

Aber letztendlich wusste ich selbst nicht, wie ich mich verhalten sollte. Ich habe emotional dicht gemacht. Ich habe nicht mehr mit meiner Mutter geredet. Ich habe Erwartungen gestellt, die meine Freunde nicht erfüllen konnten. Ich war kein guter Mensch. Und das ist ein Schmerz, der bleibt, auch wenn der Krebs nicht mehr da ist.