Regisseur Ulrich Seidl"Auch Geld ist ein Stimulans"
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"Wenn du eine weiße Frau hast, ist dein sozialer Status gehoben"

ZEIT ONLINE: Das erregt ihn?

Seidl: Habe ich vorher auch nicht gewusst: Auch Geld ist ein Stimulans.

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ZEIT ONLINE: Wie erklären Sie sich, dass Frauen im Gegensatz dazu eine Art verbale Girlande brauchen? Es gibt diese Szene, in der Teresa von ihrem Beachboy verlangt, er solle ihr zärtlich in die Augen schauen, sie sagt sogar: "ins Herz".

Seidl: Frauen sind romantischer veranlagt. In Kenia spielt ihr Alter und ihr Aussehen keine Rolle – das nimmt man als Frau gerne an. Sie wollen als Person gemeint und kein Objekt sein. Daran zerbricht Theresa am Ende auch, als sie merkt, sie ist nur die weiße Haut.

ZEIT ONLINE: Und das Portemonnaie.

Seidl: Es geht den Schwarzen nicht nur ums Geld. Unter ihnen gilt: Wenn du eine weiße Frau hast, dann ist dein sozialer Status gehoben.

ZEIT ONLINE: Weil das potenziell Geld bringt und die Familie ernähren kann?

Seidl: Nicht nur, sondern auch weil sich der Schwarze dann als Mann den Weißen näher fühlt. Wie mir gesagt wurde, fühlt er sich wie ein Weißer. Aufgewertet.

ZEIT ONLINE: Damit hat er ja den Kolonialismus vollständig verinnerlicht!

Seidl: Völlig, in der Tat.

ZEIT ONLINE: Wie ausgeprägt ist das Phänomen des weiblichen Sextourismus überhaupt?

Seidl: O, sehr ausgeprägt. Es gibt ein dickes Buch für Sextouristinnen über die weltweiten Hot Spots : Darin ist erklärt, wo man was findet, wie viel das kostet, wie man sich benehmen soll, was die lokale Spezialität ist... ein echter Reiseführer eben.

ZEIT ONLINE: Interessant. Gibt es das auch für Männer?

Seidl: Kiloweise! Kistenweise!

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Leserkommentare
    • cvnde
    • 20. Mai 2012 22:22 Uhr

    und dann fallen sie auf die Nase, werden augenommen und landen beim Sozialamt.

    Aber es ist der "Status" der B'wana...

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  1. Irgendwie drängt sich hier der Verdacht auf, daß auf einmal zwischen guten (weiblichen) und bösen (männlichen) Sextouristen und Prostituierten unterschieden und mal wieder das gängige Vorurteil: Frauen wollen liebe, Männer wollen Sex bedient wird.

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    @ HiTechHobo

    Finden Sie wirklich? Der Artikel stellt vielleicht die Hypothese auf, dass männliche Sextouristen nur Sex ohne viel emotionales Beiwerk kaufen, während ihre weiblichen Pendants für die Illusion einer Beziehung plus Sex bezahlen. Warum sollte der Handel mit Emotionen moralisch weniger verwerflich sein als der mit Sex?
    Ich hatte eher den Eindruck, dass der weibliche Sextoursimus als verlogener als der männliche dargestellt wird.

  2. @ HiTechHobo

    Finden Sie wirklich? Der Artikel stellt vielleicht die Hypothese auf, dass männliche Sextouristen nur Sex ohne viel emotionales Beiwerk kaufen, während ihre weiblichen Pendants für die Illusion einer Beziehung plus Sex bezahlen. Warum sollte der Handel mit Emotionen moralisch weniger verwerflich sein als der mit Sex?
    Ich hatte eher den Eindruck, dass der weibliche Sextoursimus als verlogener als der männliche dargestellt wird.

    Eine Leserempfehlung
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    "Seidl: O, sehr ausgeprägt. Es gibt ein dickes Buch für Sextouristinnen über die weltweiten Hot Spots...
    ZEIT ONLINE: Interessant. Gibt es das auch für Männer?
    Seidl: Kiloweise! Kistenweise!"

    EIN dickes Buch für Sextouristinnen weltweit - und KILOWEISE - KISTENWEISE Bücher für Männer!

    Frage an den Filmemacher Herrn Seidl: Wieso haben Sie dann nicht zuerst einen Film über männliche Sextouristen in Osteuropa, Thailand, Singapur und auf den Philippinen usw. gemacht und dann den weiblichen Sextourismus als marginalen Untertitel mit eingebaut?
    Sie haben nichts von Zuhältern der Beachboys erzählt - sie scheinen es also freiwillig zu machen und es hebt auch - paradoxerweise - ihren Status- während die weiblichen Armutsprostituierten in Südostasien, Osteuropa und deutschen Flatrate-Bordellen(!) vielfach in grausamen Zuhälterringen versklavt werden und gesellschaftlich ganz unten stehen, wie Lydia Cacho in "Sklaverei" beschreibt.
    Wieso prangern Sie die "Verrohung" der "freienden" Frauen an? Natürlich ist das, was sie tun, zu kritisieren und kann als Neokolonialismus benannta werden. Nur: Ist es nicht viel verrohter, was männliche Sextouristen seit JAHRZEHNTEN (!) (eigentlich: was Männer seit Jahrhunderten!) mit Prostituierten machen? Da ist nämlich gar kein Gefühl und Gewissen mehr dabei! Sie messen mit zweierlei Maß, Herr Seidl!

  3. ZEIT ONLINE: "Interessant. Gibt es das auch für Männer?"

    Niedlich, sehr niedlich die Frage....!

  4. Sehr erhellend. Ich wusste gar nicht, dass sowas existiert. Generell nicht und das man sich damit bei Zeit-Online beschäftigt. Aber ich bin positiv überrascht.

  5. Es handelt sich um Entwicklungshilfe.

    Und dafür werden die Frauen auch noch emotional von den Loverboys betrogen.

    Das hier teilweise in Richtung von Prostitution überhaupt nur gedacht wird, das zeigt nur, dass wenn wir die menschliche Gesellschaft wollen, wir noch viel männliches zu überwinden haben.

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    whow. satire ohne smilie. mutig.

    ... weiblicher Kapitalismus: sanfter, gefühlvoller, irgendwie netter. Täterätäää! Frauen sind mehr so wie Männer als anders. Gähn... Wer hätte das gedacht?

  6. whow. satire ohne smilie. mutig.

  7. Was mich berührt, am Film, dessen Trailer ich sah, und bei den vielen Rezensionen im Netz, dass die gemütliche, runde Frau,die im Mittelpunkt steht, als sexuell so derartig unattraktiv beschrieben und angesehen wird.
    Mir gefällt die Schauspielerin, mir gefällt auch die Film-Frau, die durchaus eine erotische Ausstrahlung hat, wenn auch sicher nicht gerade für 20jährige Jungs.

    In einer Rezension hieß es, sie müsse die "ultimative Demütigung" erleben, als ihr Lover "keinen hochkriegt".
    Als wenn sowas nicht ständig vorkommt und als wenn es nicht auch andere Spielartes des Sexes gäbe.

    Vielleicht empfindet die Frau im Film es als "ultimative Demütigung", aber das ist was anderes, als wenn es von außen so beurteilt wird.

    Klar - Sextouristinnen reden sich die Loverboy-Affaire sicher allermeistens schön. Und das muss man wohl auch, wenn man nicht wirklich der Meinung ist, man dürfe sich problemlos Sex einkaufen, weil man in der stärkeren Position ist.
    Wie die alten Männer es wohl machen, die sich in Thailand Kindfrauen kaufen?

    Jedenfalls: Ich empfinde die meisten Rezensionen als ziemlich verächtlich allgemein in Bezug auf ältere, mollige Frauen, und ich bin sehr neugierig darauf, ob der Film das zu verantworten hat oder diejenigen, die die Rezensionen schreiben.

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  • Schlagworte Film | Drehbuch | Geld | Teresa | Kenia | Liebe
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