Film "Cosmopolis" : Wenn nur Robert Pattinson nicht wäre

Die misslungene Verfilmung eines gelungenen Buchs: David Cronenbergs Bearbeitung von Don DeLillos "Cosmopolis" scheitert an seinem Hauptdarsteller.
Schuss statt Biss: Der Spekulant Eric Packer (Robert Pattinson) verliert die Nerven. © Falcom Media GmbH

Er wurde in Cannes mit einer gewissen Spannung erwartet: der Wettbewerbsbeitrag Cosmopolis von Thrillermeister David Cronenberg . Es ist die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Don DeLillo , in dem er den Kapitalismus zur Hölle schickt. Des weiteren wurde in Cannes mit gewisser Hysterie erwartet: Robert Pattinson . Er ist der Darsteller des gleichnamigen Vampirs.

Man kann Cronenberg verstehen: Er suchte jemanden für die Rolle des reichen, 28-jährigen Währungsspekulanten Eric Packer, erfolgreich, grenzautistisch und definitiv sozial gestört, der auch das junge Publikum, das nicht unbedingt den Roman kennt, ins Kino treiben würde. Warum also nicht Pattinson? Der Mann hat ein Gesicht so perfekt wie die Glasfassaden jener New Yorker Bürotürme, zwischen denen die Story spielt. Leider hat er auch in etwa die gleiche Ausdrucksfähigkeit.

Aber zunächst zu den guten Absichten: Das Buch ist allemal eine Verfilmung wert. Unglaublich, wie hellsichtig DeLillo darin bereits im Jahr 2004 die Krise des Finanzsektors beschrieben hat, die Hybris der Spekulanten, das Aufbegehren der Bürger und das Formieren einer eigenen, ganz neuen Protestbewegung.

Ein klaustrophobischer, abgeriegelter Kosmos

Auch das Setting ist reizvoll: ein Gutteil des Films spielt in einer wahrlich überlangen weißen Stretchlimousine, in die die anderen Figuren ein- und wieder aussteigen wie Darsteller auf einer Theaterbühne. Das ergibt interessante Episoden. Einmal tritt Juliette Binoche auf als die ältere, kunstinteressierte Geliebte Erics und zeigt in der wenigen Zeit, die sie für ihre Figur hat, wie sie ihren Gesichtsausdruck von sexuell befriedigt zu intellektuell angewidert verrutschen lassen kann.

Bei der Überarbeitung des Romans zu einem Drehbuch hat Cronenberg manche Szenen, die ursprünglich außerhalb der Luxuskarosse spielten, in deren Inneres verlegt. So wirkt dieser von der Außenwelt schallisoliert abgeriegelte Kosmos noch klaustrophobischer. Wie er die Limousine in manchen Einstellungen gefilmt hat, langsam vorangleitend im zähfließenden Verkehr, sieht sie aus wie der Sarg eines Leichenzugs – auch im Film eine schöne Metapher für diese Kapitalismus-Apokalypse.

Doch die Geschichte funktioniert auf der Leinwand dennoch nicht. Die Dialoge und vor allem die inneren Monologe von Cosmopolis sind ein Lesevergnügen. Im Kino wirken sie auf die Dauer ermüdend. Von DeLillos reizvollen Gedankenspielen und -sprüngen bleibt oft nicht viel mehr als Zynismus. Die schöne Nähe, die der Schriftsteller zwischen der beschleunigten Zeit, den Datenströmen der Finanzwelt und den realen Veränderungen unseres Daseins evoziert, geht im Film flöten.

Verlagsangebot

Entdecken Sie mehr.

Lernen Sie DIE ZEIT 4 Wochen lang im Digital-Paket zum Probepreis kennen.

Hier testen

Kommentare

14 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

"grenzauthistisch"?

Ich empfehle ihnen, das Wort "Autismus" in einem Lexikon nachzuschlagen (Achtung: ohne "th", sonst werden Sie keinen Eintrag finden). Ich bezweifle stark, dass Robert Pattinsons Charakter autistische Züge hat. Mir ist der Ausdruck in der Printausgabe schon mehrmals in ähnlichen Zusammenhängen untergekommen - das heißt, als prätentiöses Schimpfwort. Ich bitte, das in Zukunft zu vermeiden.

Dissonat?!

Um die - zugegeben: etwas pedantische - Fehlersuche zu komplettieren: Es soll wohl "nervig dissonant" heißen statt "nervig-dissonat".

Und das Fazit des Artikels gibt auch inhaltliche Rätsel auf, wenn man einen Moment darüber nachdenkt: "David Cronenberg hat schon gute Filme gedreht. 'Cosmopolis' ist ein gutes Buch. Beides zusammen ergab nichts Besseres." Also ist "Cosmpolis" doch zumindest ein guter Film geworden?! Das widerspricht leider der gesamten Kritik...

Hmmmm, vielleicht sucht ZEIT ONLINE ja eine/n Lektor/in?