Doku "Bar 25"Verknallt in eine Exzess-Enklave

Mit tagelangen Partys wurde die Berliner "Bar 25" zum Mythos. Die nun anlaufende Dokumentation ist, wie der 2010 geschlossene Club war: durchgedreht und selbstverliebt. von 

Schlammparty in der Bar 25

Alles war erlaubt und wurde auch veranstaltet, zum Beispiel Schlammpartys.  |  © 25Films/ArdenFilm

Viel, wenn nicht sogar zu viel wurde in den vergangenen Jahren über die Berliner "Bar 25" geschrieben. Wie endlos lange die Feiern und wie exzentrisch die oft verkleideten und nicht nur mit Glitzer eingepuderten Gäste dort seien, das verzückte nicht nur das junge Publikum aus Berlin und Europa , sondern auch die Presse. Die gutbürgerliche Morgenpost aus Berlin notierte ehrerbietend , dass der Klub sogar eine Delegation des Pariser Stadtparlaments an die Spree gelockt habe und dem Spiegel war sie einen hymnischen Nachruf wert .

Auch zwei Jahre nach Schließung strahlt noch der Mythos um die "Bar 25". Gerade als man dachte, die Berliner und die dort ansässigen Journalisten hätten gemerkt, dass ein Klub bloß ein Klub ist und sich immer ein neues Ventil für Feierwütige findet, versucht eine Dokumentation, die Sehnsucht nach der geschlossenen Bar noch einmal aufleben zu lassen.

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Wobei: Bar 25 – Tage außerhalb des Zeit gibt selbst gar nicht vor, eine Dokumentation im ernsthaften Sinne zu sein. Von einer "Hommage" und einer "Liebeserklärung" ist vielmehr die Rede – und das zu Recht, denn fast alles an diesem Film zielt darauf ab, den Rummel um den Rummelplatz in möglichst warmem, weichem Licht erscheinen zu lassen. Der Film ist zwar der versprochene Blick hinter die Kulissen, allein: Es ist ein arg verklärter Blick.


Während Tage außerhalb der Zeit die karnevalesken Feiereien und das lustige Völkchen in der dem Klub angeschlossenen Wagenburg so fröhlich und ausgelassen zeigt, wie zu erwarten war, präsentiert sich der Klub dem nüchternen Betrachter als Mischung aus Berlin-Ballermann samt Wodka-Rutsche, Feuerwerk und Konfettiregen einerseits und Hippiedorf mit Schrebergärtchen andererseits. Das Leben hinter der Feierwall ist, wenig überraschend, eben nicht immer nur Party, Party, Party.

In seinen besseren Momenten lässt Tage außerhalb der Zeit so tatsächlich Einblicke hinter die Kulissen zu und zeigt, was die Bar 25 ausmachte, wenn gerade keine Musik spielte, kein Jägermeister ausgeschenkt wurde und keine Schlammschlachten stattfanden: viel körperliche Arbeit, dörfliche Sozialstrukturen und schwierige Diskussionen. Auch ein Hippietechnoferiendorf ist eben vor allem ein Dorf.

In der Exzess-Enklave stritt man sich vor allem um Politik und Geld: Soll der weltweit berühmte Klub nun ein Rückzugsort ohne Gewinnabsicht für die Spinner und Randgestalten Berlins sein? Oder soll man die vielen, zum Teil eigens angereisten Touristen mit den gut gefüllten Geldbeuteln hereinlassen, um die gegenüber der Politik behauptete Offenheit des Ortes zu unterstreichen?

Leserkommentare
  1. Nichts gegen Hedonismus, aber die selbstverliebte Party-Szene um die Bar 25 und ähnliche Etablissements war/ist mE vor allem eins: Selbstverliebt.

  2. Sind Sie etwa mal nicht reingekommen?
    Die Bar 25 war ein sehr hübscher Ort und wie jeder hübsche Ort in Berlin, zweidrei Sommer sehr großartig. Ganz besonders während der Woche, ohne Drogen und Techno und Exzess und vor allem ohne die Gesehen- und Gesehen-werden Haute Volaute.

    Gar nicht erwähnt haben Sie aber einen der Hintergründe für die Schließung der Bar, nämlich die Begehrlichkeiten von MediaSpree, die zu den Gazillionen an unvermieteten Quadratmetern Bürofläche, die niemand hier braucht und will, noch ein paar dazu bauen wollen. Legendär ist die Bootsparade, die verhinderte, daß die Herren MediaSpree-Investoren sich das Ganze bequem vom Boot aus ansehen konnten.

    Orte wie die Bar 25 wird es immer wieder in Berlin geben, ich kenne ein paar, werde sie aber garantiert nicht verraten, allein schon, um wahlweise hypende oder langzähnige Artikel nicht auch noch zu befördern. Hier noch ein 'arg verklärter Blick' http://www.youtube.com/wa...

  3. Bei den Machern der Mediaspreeversenken wird immer gesagt: "Spreeufer für alle!" Und dann wird die Bar25 als hervorragendes Beispiel wird die Bar25 genannt. Allerdings hatte auch diese Türsteher und die haben eben nicht alle hineingelassen.

    Und ja, ich war drin und bin immer reingekommen.

    • Holmes
    • 05. Mai 2012 9:38 Uhr

    die ich miterlebt habe steht letztendlich der kollektive drogenkonsum - sagt es doch einfach: es macht einfach spass.

    ohne pillen und speed und... wär keine party drei tage gelaufen...

    es ist o.k. - nicht jeder ist der kirmestyp

    legalize it all

  4. 5. danke

    für diesen artikel

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Adidas | Film | Mark Twain | Oscar Wilde | Dokumentation | Sozialstruktur
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