"Die Kunst zu lieben": Frei für Töchter aus gutem Hause
Immer mehr Sprösslinge französischer Schauspielstars wechseln in das Fach ihrer berühmten Eltern. So auch Julie Depardieu in der Episodenkomödie "Die Kunst zu lieben".
© Pascal Le Segretain/Getty Images

Julie Depardieu
Ist sie’s oder ist sie’s nicht? Es ist schwer, Julie Depardieu in der neuen Episodenkomödie Die Kunst zu lieben inmitten der anderen Darstellerinnen zu identifizieren. Der Nasenvergleich mit Julies berühmtem Papa hilft nicht (andererseits hat sich Gérard Depardieu seine Blumenkohlnase schon in früher Jugend durch das Boxen zugezogen). Auch ein Schnutenvergleich à la Angelina Jolie/Jon Voight führt nicht weiter. Julie, die in dem komödiantischen Beziehungsreigen den Part einer etwas verhuschten Singlefrau übernimmt, hat nun mal die zarte Physiognomie ihrer Mutter Elisabeth Guignot geerbt. Chiara Mastroianni dagegen sieht man ihren illustren Stammbaum an der Nasenspitze an. In der musikalischen Tragikomödie Die Liebenden (ab 3.5.2012) tritt sie, als filmisches Tochter-Mutter-Gespann, an der Seite ihrer wirklichen Mutter Catherine Deneuve auf. Chiara ist ganz der Papa und der Anblick der dunkelhaarigen Schauspielerin mit dem brunnentiefen Marcello-Blick eine Begegnung der unheimlich aparten Art. In Frankreich sind die Töchter der beiden Leinwandikonen sehr beliebt – Julie Depardieu hat bereits 2004 zwei Césars eingeheimst, Chiara Mastroianni hat auch als Sängerin Erfolg –, im Ausland aber noch wenig bekannt.
Depardieu jr. und Mastroianni jr. sind nur die bekanntesten Gesichter der zweiten Schauspielergeneration. Ohne Abgrenzungsprobleme und auch ohne öffentliche Häme tritt diese jeunesse dorée in die Fußstapfen ihrer berühmten Eltern. Die Republik, die ihre Aristokratie blutig abgeschüttelt hat, scheint eine besondere Vorliebe für Schauspieler-Dynastien zu hegen. Die schwarzen Schafe dieser Mediokratie sind bekannt, etwa Julies 2008 tragisch verstorbener Bruder Guillaume, der sich zeitlebens an seinem Vater abgearbeitet hat. Sein Versuch, die Anerkennung des Giganten zu gewinnen, wird sogar in dem rührenden Drama Liebe deinen Vater (2002) verarbeitet. Dann gibt es noch Ari Päffgen, der, wie Guillaume, Drogen- und Alkoholexzesse hinter sich hat, der aber (anders als der talentierte Guillaume Depardieu) trotz seines perfekten Genpools nicht auf der Leinwand reüssierte. Dafür hat er seine chaotische Biografie veröffentlicht. Seine Mutter ist das Model Christa Päffgen, auch bekannt als Nico, Kultsängerin der Velvet Underground. Sein Erzeuger ist – nun, er hat die unübersehbare Vaterschaft niemals anerkannt. Alain Delons Mutter aber zog Ari groß.
Die meisten Ableger der A-Liga jedoch machen ihren Weg, ohne dass hinter ihrem Rücken getuschelt wird. Vincent Cassel beispielsweise stieg als junger Wilder in raubauzigen Actionkrimis zum international gefragten Star auf – und nicht als Sohn von Jean-Pierre Cassel (2007 verstorben), einem Urgestein der französischen Nachkriegs-Filmszene, der oft in gediegenen Autorenfilmen mitwirkte. Und wer weiß schon, dass Eva Green, die im ersten "Bond"-Update das "Love-Interest" von Daniel Craig war, die grünen Feenaugen ihrer Mama, der rothaarigen Nouvelle-Vague-Muse Marlène Jobert, verdankt?
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Außerhalb Frankreichs wenig bekannt ist auch die Halbschwester von Charlotte Gainsbourg. Die schlaksig-schöne Lou Doillon (Vater: Regisseur Jacques Doillon), Model, Schauspielerin und It-Girl, war in Deutschland bisher nur in einem Miniauftritt in Poliezei zu sehen (in dem übrigens auch Delons zweiter Sohn Anthony auftritt). Auch für sie gilt: an der Lücke zwischen den Vorderzähnen sollt ihr die Gene von Jane Birkin erkennen.
Unverkennbar ist, zumindest für Fans französischer Filme, auch Marilyn Berry. Ihren Durchbruch feierte sie mit der rührenden Tragikomödie Schau mich an (2004), in der sie, zufällig?, das Thema eines Liebesfilms ihrer Mutter Josiane Balasko – Zu schön für dich (1989) – weiterdenkt. Balasko, zuletzt in Die Eleganz des Igels als vierschrötige Concierge zu sehen, spielte darin die Geliebte eines Geschäftsmannes (Depardieu), die darüber nachgrübelt, wieso er sie seiner bildhübschen Gattin vorzieht. Und Tochter Marilyn mimt in Agnès Jaouis feinfühligem Film ein Mädchen, das, umzingelt von schlankeren Freundinnen und Stiefmüttern, permanent um Beachtung, besonders die ihres egomanen Vaters, eines Star-Intellektuellen, ringt. Auch die Muse von François Ozon, die schüchterne Valeria Bruno Tedeschi, ließ sich in ihrer ersten Regiearbeit, der leichtfüßigen Lebenssinn-Komödie Eher geht ein Kamel durchs Nadelöhr (2004), von ihrer eigenen Biografie als Tochter eines reichen Turiner Industriellenclans inspirieren. Und ja, richtig vermutet: ihre berühmtere Halbschwester ist einstige Première Dame Carla Bruni. In Tedeschis Film wird die Schwester der Hauptfigur – Bruno-Tedeschi selbst - übrigens von Chiara Mastroianni gespielt.
In der leicht inzestuösen Szene treten sich die begabten Star-Kinder gegenseitig auf die Füße. Zu den bekannteren zählt etwa auch Laura Smet, die Tochter von Nathalie Baye (zuletzt in Bezaubernde Lügen zu sehen) und Popidol Johnny Hallyday. Die niedliche Brünette gilt als begabte Nachwuchsdarstellerin, machte aber in den letzten Jahren vor allem durch ihren "Rock’n drogue"-Lebensstil Furore. Auch Ana Girardot, nicht zu verwechseln mit Annie Girardot, machte in den letzten zwei Jahren mit Simon Werner a disparu von sich reden. Sie ist die Tochter von Vieldreher Hippolyte Girardot (bekannt durch die Kult-Komödie Eine Welt ohne Mitleid 1989 und Das Parfum von Yvonne 1993) und TV-Schauspielerin Isabel Otero.
Nach Die Liebenden ist ab 28.6. in der Komödie Copacabana ein weiteres prominentes Mutter-Tochter-Duo zu besichtigen. Miss Eisblock Isabelle Huppert, gegen den Strich besetzt als chaotische Bohémienne-Mutter, tritt mit Lolita Chammah, einem ihrer drei Kinder mit Filmproduzent Roland Chammah, auf. Das Töchterlein spielt eine brave Studentin, der ihre Herumtreiber-Mutti peinlich ist. Und auch diesmal wird es fast spannender sein, den elterlichen Schatten in ihrer Erscheinung zu erhaschen als den eigentlichen Film zu verfolgen.








Blumenkohlnase - Schnutenvergleich - Physiognomie ihrer Mutter
Um was geht es in diesem Artikel? Transplatationskunst?
...darum, wer am meisten schauspielernde Söhne und Töchter von Schauspielern aufzählen kann. Teil zwei kommt dann mit Deutschen und Teil drei mit Hollywood.
dass man die dame auf dem bild nicht an der nase als eine depardieu wiedererkennt, liegt wohl weniger an papas boxkünsten (respektive trinkgewohnheiten) als an der fertigkeit ihres chirurgen.
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