Film "Snow White and the Huntsman"Schneewittchen ist keine Haushälterin

Waren die Märchen der Brüder Grimm nicht schon immer düstere Fantasy? Regisseur Rupert Sanders erforscht in seinem Film "Snow White and the Huntsman" diese dunkle Seite. von 

Pünktlich zum zweihundertjährigen Jubiläum der Kinder- und Hausmärchen der Gebrüder Grimm, wartet Hollywood gleich mit zwei Schneewittchen-Interpretationen auf. Tarsem Singhs Spieglein, Spieglein stellte Julia Roberts als böse Königin ins Zentrum des Interesses und präsentierte ein humorvolles und familienfreundliches Update des klassischen Märchenstoffes.

Nun rückt Rupert Sanders mit Snow White and the Huntsman nach und hat alles andere als braves Family-Entertainment im Sinn. Das düstere Fantasy-Gemälde distanziert sich meilenweit von der Disney-Version, die nicht nur in der US-Kultur bis heute stilprägend für das Schneewittchen-Image ist.

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MystischeZwischentöne

Auf der einen Seite gehen Sanders und seine fünf Drehbuchautoren vollkommen frei mit der Märchenvorlage um, bauen die Beziehung zwischen Schneewittchen und dem Jäger aus und lassen die Königstochter vom verfolgten Opfer zur Anführerin eines Rückeroberungsfeldzuges aufsteigen.

Auf der anderen Seite zeigt sich der Film in seinen Grundstimmungen durchaus treu zum Grimm'schen Werk, indem er dessen düsteren und mystischen Zwischentöne deutlich herausarbeitet.

Die Welt unter der Regentschaft der bösen Königin ( Charlize Theron ) ist ein finsterer Ort. Die Burg ist in die schwarzen Klippen hoch über dem tosenden Meer gehauen und das Land ist umgeben von einem düsteren, magischen Wald, in den sich Schneewittchen ( Kristen Stewart ) nach ihrer Flucht rettet.

Dort hinein wird auch der Jäger (Chris Hemsworth) ein raufsüchtiger Trunkenbold mit vernebeltem Gerechtigkeitssinn geschickt, um die Ausreißerin wieder einzufangen. Aber statt sie an die Schergen der Königin auszuliefern, brennt er mit dem Mädchen durch. Dennoch wird hier nur andeutungsweise eine Liebesgeschichte erzählt. Der Jäger, der den gewaltsamen Tod seiner Frau nicht verwunden hat, fungiert hier vornehmlich als Wegbegleiter, unter dessen Anleitung Schneewittchen zur eigenständigen Kämpferin heranreift.

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Während Kristen Stewart in den Twilight -Filmen mit zunehmender Tatenlosigkeit den Beschützerinstinkten von Vampiren und Werwölfen ausgesetzt war, hat ihre scheinbar stigmatisierte Frauenfigur hier mehr Entwicklungsmöglichkeiten. Schneewittchens haushälterische Qualitäten im Zwergenheim bleiben in dieser Version des Märchens gezielt außen vor. Die sieben Zwerge sind ein Haufen gescheiterten Rebellen, die durch das Auftauchen der Königstochter neue umstürzlerische Energien entwickeln.

Am Schluss reitet sie in schmucker Rüstung mit ihrer Exilarmee gegen die übermächtigen Truppen der Königin. Nicht ohne Geschick verwebt Sanders in Snow White and the Huntsman Elemente aus Fantasy-, Horror- und Ritterfilm mit der Grundstruktur der Märchenvorlage. Robin Hood , Jeanne D’Arc, eine waschechte Wiederauferstehung und jede Menge Motive aus Herr der Ringe werden hier zu einer eigenständigen Geschichte verquirlt, die vor allem durch ihren kohärenten, visuellen Stil überzeugt.

Aggregatzustand zwischen böse und narzisstisch

Kristen Stewart handhabt die Balance zwischen Verletzlichkeit und erstarkendem Selbstbewusstsein ihrer Figur mit differenziertem schauspielerischen Vermögen und Chris Hemsworth wird als animalisches Mannsbild von der Regie fest an die Leine genommen. Charlize Theron , deren Figur der bösen Stiefmutter um einige vampirähnliche Wesenszüge ergänzt wurde und mehrfach digitale Alterungsprozesse durchlaufen muss, überzeugt in jedem Aggregatszustand in der Rolle des personifizierten Bösen und als tragische Narzisstin, in deren Wesen das Wechselverhältnis zwischen Macht und Schönheit reflektiert wird.

Noch sehr viel konsequenter als Catherine Hardwickes Rotkäppchen-Variation Red Riding Hood erforscht Sanders Snow White and the Huntsman die düsteren Seiten des Grimm'schen Universums und modernisiert den Stoff unter der Oberfläche eines archaischen Settings zu einer eigenwilligen, kraftvollen und durchgehend interessanten Interpretation des Märchens.

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Leserkommentare
  1. ...unfreiwillig komisch.

  2. Ich musste den Film leider sehen und empfand ihn als Frechheit. Zusammengeklaute Ideen, therons peinlichste Performance ever und eine dämlich drein schauende Stewart. Nein danke. Müll. Ich kann diese kritik ncht nachvollziehen.

  3. Ich habe den Film Gestern gesehen und ich muss sagen ich finde ihn doch recht ordentlich...
    Sicher es wurde einiges aus anderen Filmen geklaut. So zum Beispiel ganz klar aus "Herr der Ringe". Auch an "Underworld" wurde sich bedient und in einer Szene fühlte ich mich sogar an die alte gute Kinderserie "Als die Tiere den Wald verliesen" erinnert :D
    However, warum das Rad neu erfinden. Ich finde ihn gelungen und stimmungsvoll. Nur die Schlachten hätten noch ein bisschen oppulenter ausfallen dürfen ;)

    Allerdings kann ich jedem nur empfehlen den Film auf englisch zu schauen. Die deutsche Synchro scheint ja echt schwach zu sein. Außerdem hat der Jäger im englischen noch ein angenehmes, betrunkens gelalle in seiner Stimme, was gut zu der Rolle passt.

    Ach, ist eigentlich noch jemand aufgefallen, dass der eien Zwerg wie Silvester Stallone aussieht? :D

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Film | Charlize Theron | Kristen Stewart | Robin Hood | Fantasy | Hollywood
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