Jean Reno gehört zu Frankreichs erfolgreichsten Exportartikeln. Der Mann mit den Tränensäcken und dem reduzierten Minenspiel ist abonniert auf Rollen, in denen er den ganz Harten gibt, der dann doch irgendwann Gefühle zeigt. Wie in Leon – Der Profi oder in Ronin , zwei seiner größten Kinoerfolge.

In Frankreich landete Reno aber auch mit Komödien Kassenhits. Allen voran 1993 in seiner Rolle als Ritter, den es in die Gegenwart verschlägt – inklusive Mundgeruch und vormodernen Machismen. 14 Millionen Franzosen haben ihn damals in Die Besucher gesehen. Der Film gehört bis heute zu den erfolgreichsten Komödien Frankreichs. Reno drehte davon noch einen zweiten Teil und 2001 sogar ein amerikanisches Remake.

Die Franzosen lieben ihre Komödien, wenn darin ihre nationalen Kulturinsignien ebenso kunst- wie respektvoll auf die Schippe genommen werden. 1976 nahm sich Luis de Funès in Brust oder Keule die Kochkunst vor. Es galt, die gute französische Küche gegen Großindustrielle und technischen Schnickschnack zu verteidigen. Daran muss man unweigerlich denken, wenn man jetzt in Kochen ist Chefsache Jean Reno als Drei-Sterne-Koch in der Schaffenskrise sieht: Auch er muss sich gegen die Vermarktung seiner Menüs als Tiefkühlkost, gegen die Molekularküche und Restaurantkritiker zur Wehr setzen.


Neben Reno spielt Michaël Youn den leidenschaftlichen Amateurkoch Jacky, der selbst Fernfahrer zu Gourmets erziehen will. Die beiden Köche eint die Liebe zur klassischen cuisine fran ç aise und die Abneigung gegen extreme Neuerungen. Das geht freilich nicht ohne grobe Gags, in denen Geleewürfelchen nach Ente schmecken und die Küche aussieht wie ein Laboratorium von Daniel Düsentrieb mit gewaltig brodelnden Phiolen.

Das französische Restaurant dagegen ist heimelig wie Großmutters Garten und Auberginen jaulen darin auf, wenn sie schlecht behandelt werden. Es gibt einen angemessen erlesenen Weinkeller und zwei komplizierte Beziehungen: Jacky hat seine hochschwangere Frau belogen, weil er doch wieder lieber als Koch arbeitet, anstatt sich endlich einen richtigen Job zu suchen. Und Lagarde hat eine erwachsene Tochter, die er solange ignoriert, bis er riskiert, sie zu verlieren. Um sie zu versöhnen, muss er für sie eine ganze Nacht lang die besten Brioches der Welt backen.

Der stoische Reno und der plappernde Youn bilden ein hübsch gegensätzliches Paar und manche der Dialoge haben eine reizvolle Würze. Über weite Strecken bleibt das Gebotene jedoch Hausmannskost. Das Drehbuch überzeichnet, ohne originell zu sein. Die Nebenfiguren bleiben zweidimensional, die Wendungen im Plot sind so überraschend wie das Tagesmenü einer Autobahnraststätte.

Was zu retten ist, rettet Jean Reno. Wie er den Sternekoch in Existenzangst spielt, den Überheblichen, der seinen Fall ahnt, hat viel Komisches, weil Reno sich in mancher Weise auf seine anderen Rollen bezieht, die er hier gleichsam ironisch mitspielt: Er ist der Beinharte, vor dessen Strenge die ganze Brigade stramm steht. Er ist der Unterkühlte, der sich dann doch im rechten Augenblick erweichen lässt. Er ist der Held, der die eskalierende Situation im letzten Moment rettet. 

Das macht Kochen ist Chefsache zu einem Film, den man wie Popcorn genießt: zu wenig Nährstoffe, zu viele leere Kalorien und nach der Hälfte des Films mag man eigentlich schon nichts mehr davon. Aber hin und wieder tut man sich so was doch gerne im Kino an.