Noch nicht ein Schauspieler war gecastet, da hagelte es Proteste. Kritiker hatten das Skript zu Die Kennedys, einer achtteiligen Mini-Serie über die Amtszeit des 35. US-Präsidenten John F. Kennedys gelesen. Das Drehbuch komme einer Hinrichtung gleich, befand der Regisseur Robert Greenwald. Im Frühjahr 2010 drehte er deshalb ein kurzes Video und stellte es auf seine Website. Darin forderte unter anderem der frühere Berater John F. Kennedys, Theodor C. Sorensen, den History Channel auf, die Produktion nicht zu senden. Die New York Times berichtete. Caroline Kennedy und Maria Shriver aus dem Familienclan schalteten sich ein. Es drohte ein Eklat. Schließlich nahm der History Channel die Serie noch vor ihrer Ausstrahlung aus dem Programm. Gesendet wurde sie stattdessen Anfang 2011 auf dem Nischensender ReelzChannel. Jetzt zeigt Arte Die Kennedys in Deutschland.


Die Geschichte dieser Familie ist eine der meisterzählten. In hunderten Büchern und Dokumentationen wurde auch der letzte Winkel im Leben von John F. und Jackie Kennedy ausgeleuchtet. Es ist nicht falsch zu fragen, warum sich Joel Surnow, der zuvor die Echtzeitserie 24 entwickelt hatte, trotzdem des Stoffes annehmen wollte. Neue Tatsachen hat er nicht zu erzählen, stattdessen beschränkt Surnow sich darauf, Momente und Dialoge zu erfinden, die so nie von den Geschichtsschreibern dokumentiert wurden. Seine Fiktion steckt im Detail, nicht im großen Bogen. Etwa den Morgen der US-Präsidentschaftswahl 1960. John F. Kennedy (Greg Kinnear) steht im Badezimmer. Nacheinander nimmt er vier verschiedene Schmerzmittel zu sich. Der Tag endet damit, dass der designierte Präsident seine Frau Jackie (Katie Holmes) mit einer Wahlkampfhelferin betrügt.

Der bekennende Konservative Joel Surnow zeichnet das Bild eines medikamentensüchtigen und schürzenjagenden Präsidenten. Allerdings sollte das keinen Kritiker beunruhigen, denn die Darstellung der Familie ist denkbar harmlos. Das beginnt mit den wenig lebendigen Gesprächen zwischen den Protagonisten und gipfelt in der Inszenierung jenes schicksalhaften Auto-Korsos durch Dallas im November 1963. Im Moment des Attentats auf John F. Kennedy werden in einer Montage unterschiedliche Personen des Kennedy-Clans gezeigt. Nicht zu sehen ist der getroffene Präsident.


Einziger Lichtblick ist die schauspielerische Leistung der Protagonisten. Katie Holmes und Greg Kinnear ähneln Jackie und John F. Kennedy nicht nur optisch. Beide spielen überzeugend den Zwiespalt, der sich zwischen öffentlichen Auftritten und Privatleben auftut. Überragend ist Tom Wilkinson in der Rolle des Patriarchen Joseph P. Kennedy. Seine drei ältesten Söhne Joe Jr., Robert und John sind für ihn Erfüllungsgehilfen bei der Erfüllung der Verwirklichung seiner Machtfantasien. Um das Bild einer idealen Familie zu wahren, ordnet er 1941 eine Lobotomie, einen operativen Eingriff ins Gehirn seiner widerspenstigen Tochter Rosemary an.

Die Kennedys spielt in derselben Zeit wie die US-Serie Mad Men. Während Letztere auch die Mode und das Design der sechziger Jahre zelebriert, bleiben Die Kennedys blass. Selbst die Präsidentengattin Jackie, von ihren Zeitgenossen als Stilikone verehrt, fällt selten durch ihre Kostüme auf. Es gelingt nicht, der Epoche eine Signatur zu geben. Es bleibt eher – Polit-Kitsch.

Arte zeigt Die Kennedys an insgesamt drei Abenden. Am heutigen Donnerstag werden zunächst die ersten drei Folgen ausgestrahlt. Man habe in der Vergangenheit sehr gute Erfahrungen damit gemacht, mehrere Episoden am Stück zu senden, sagt Arte-Redaktionsleiter Andreas Schreitmüller. Inspiriert wurde er von den französischen Gewohnheiten. Dort wurden bereits vor 20 Jahren mehrere Derrick-Folgen am Stück gezeigt. Auch andere Sender setzen auf den Serien-Marathon. So strahlte RTL 2 Ende März die erste Staffel der Mittelalter-Serie Games of Thrones an einem einzigen Wochenende aus. Mit Erfolg.

Die Kennedys, Arte. Teil 1 bis 3, heute ab 20 Uhr 15; Teil 4 bis 6 am 2.8. , Teil 7 und 8 am 9.8.

Erschienen im Tagesspiegel