Eigentlich ist alles da. Ein mit Preisen überschütteter Regisseur. Eine Kamera, schwenkbar um 360 Grad, hoch oben an einem Hubschrauber befestigt, um unten alles zu erfassen, Wälder, Flüsse, Seen, Städtchen, Städte, Kapellen, Kirchen, Burgen, Schlösser, BergeBergeBerge. Vom Himmel aus muss man sagen: Bayern ist wirklich schön. Was hat der Filmemacher Joseph Vilsmaier also falsch gemacht, als er fünfzig Tage lang auf seine Heimat blickte? Leider fast alles.

Denn es gibt auch das Bayern am Boden, wo Bierbänke vollbesetzt sind, Maßkrüge gegeneinander klirren und junge Frauen, in Dirndl gezwängt, zu "Des samma mir" schunkeln. Das Bayern aus Werbefilmen für Weißbier, und nur einen kurzen Moment lang freut man sich, dass diese Bilder bestimmt gleich auf Schönste konterkariert werden. Nachdem sich aber Szene an Szene reiht, glatt wie ein Voralpensee bei Flaute, ist klar: auf Brechung, auf lustvolle Enttarnung dieser Folklore wird man 90 Minuten vergebens warten. Vilsmaier hatte angekündigt, dass sein Film "hinterfotzig" hätt' werden sollen. Das Lustigste an diesem Vorsatz blieb das Wort selbst.

Menschen in normaler Kleidung kommen nicht vor, mal abgesehen von einer Sekundensequenz in der Münchner U-Bahn. Von Ortschaften sind ausschließlich deren Altstadt und historische Bauten zu sehen, ansonsten viel Landschaft und Brauchtum. Selbst in dem kurzen Einschub zur Industrie Bayerns sehen wir Hochglanzmaschinen, die perfekte Arbeit an perfekten Produkten verrichten: eine Autokarosserie ins Lackbad tauchen, einen Sportschuh einspannen, Motoren montieren. So drehte höchstens Horst Seehofer einen Film, wenn Horst Seehofer einen Film drehen könnte.


Gut, lehnt man sich eben zurück, die Landschaft hat ja einiges zu bieten. Der Bayerische Rundfunk beweist regelmäßig, dass man sehenswerte Beiträge daraus schneiden kann, ganz zu schweigen von den Dokumentationen der BBC, die uns trotz ihres Pathos bleibende Eindrücke aus allen Gegenden der Erde vermitteln. Doch Vilsmaier will selbst das nicht. Das Reisetempo seines Films entspricht der Atemlosigkeit eines Tagestouristen, Aufnahmen in Sekundenhäppchen, stets wartet eine neue Kapelle, ein neuer Landstrich, eine neue Wiese. Traumatisch ist die Musik. Der Bayer Hans-Jürgen Buchner mit seiner Band Haindling hat sie geliefert und auch hier bleibt das Krachlederne ungebrochen: viel Blechbläser, viel Mundart. Nur während der erwähnten Industrieszenen hinterlegte Haindling synthetische Technorhythmen. Stille gönnt uns Vilsmaier nie.