Frédéric Beigbeder: Heute kotzt man ganz romantisch gemeinsam
Frédéric Beigbeder hat seinen Roman "Die Liebe währt drei Jahre" verfilmt. Dabei geht es ihm um die Schwierigkeit zu lieben – in Zeiten von Facebook und Hedonismus.
© Francois Durand/Getty Images

Frédéric Beigbeder
ZEIT ONLINE: Monsieur Beigbeder, in Ihrem Film Das verflixte 3. Jahr und dem zugrunde liegenden Buch findet sich viel Privates von Ihnen. Allerdings rätselt man dabei ständig, was Fakt und was Fiktion ist...
wurde 1965 in Frankreich geboren, studierte an einer Pariser Eliteschule Politik und arbeitete nach seinem ersten Romanerfolg Memoiren eines Sohnes aus schlechtem Hause zehn Jahre in einer Werbeagentur als Texter. Die Tätigkeit musste er nach seinem konsumkritischen Roman Neununddreißigneunzig beenden. Bereits 1997 hatte er den Roman Die Liebe währt drei Jahre veröffentlicht, den er nun selbst verfilmt hat.
Frédéric Beigbeder: Das ist es, was ich an autobiographischer Arbeit und Tagebüchern mag: Es ist ein Spiel mit dem Leser, mit Fiktion, mit Realität. Darin liegt aber auch ein Problem der heutigen Literatur: Wir verlangen nach Wahrhaftem und stellen uns die Frage, ob der Autor lügt oder nicht. Das hat sich seit den fünfziger Jahren so entwickelt, ich weiß auch nicht warum. Es gibt Ausnahmen wie Harry Potter. Ansonsten gehört es zum Kino und zu Büchern dazu, auch in Deutschland. Ich spiele also mit meinem eigenen Leben, stelle es öffentlich aus und entblöße mich, aber ich verändere auch stark. Viele Dinge, die im Buch vorkommen, sind mir nie widerfahren. Meine Eltern sind nicht wie die des Protagonisten Marc, sie sind deshalb auch ziemlich sauer. Meine Mutter sagt, sie habe nie solch dumme Bücher geschrieben und mein Vater ärgert sich über die Viagra-Geschichten.
ZEIT ONLINE: Was hat Sie zu Ihrem Roman Die Liebe währt drei Jahre inspiriert?
Beigbeder: Meine Scheidung. Ich war viel zu jung, als ich das erste Mal heiratete: 25. Verrückt. Nach drei Jahren endete das Märchen abrupt. Wenn sie mich mit ihrer Hand berührte, fühlte sich das an, als trüge sie einen Gummihandschuh. Davor hatte ich Angst. Dieser Gummihandschuh, mit dem sonst geputzt wird, ist ein Symbol für das Ende jeder Leidenschaft. Er sagt dir, dass du wegrennen musst. Deshalb schrieb ich das Buch.
ZEIT ONLINE: Teilen Sie denn die Einschätzung Ihrer Hauptfigur Marc Marronnier, dass Liebe nur drei Jahre überdauert und dann zu Ende ist?
Beigbeder: Ich habe das Buch ja bereits vor 15 Jahren geschrieben, diese Frage konnte ich damals nicht beantworten und ich kann es auch heute nicht. Mir ist wichtig, mein Problem zu analysieren – und dass ich dafür bezahlt werde, finde ich cool.
ZEIT ONLINE: Einerseits erzählen Sie von der Unmöglichkeit der Liebe, andererseits gibt es den Wunsch und die Sehnsucht nach der ewigen Liebe. Woher kommt diese Sehnsucht?
Beigbeder: Ohne diesen Wunsch solltest du dich umbringen. Deshalb versucht sich Marc zu Beginn des Filmes aufzuhängen. Wir sind Teil einer Generation, die Angst vor der Liebe hat. Wir sind verdorben – oder wenigstens ich bin es. Ich bin ein Kind der Bourgeoisie und will, dass alles einfach ist. Der Film ist eine Komödie über diese Generation, die gleichzeitig furchtbare Angst vor Schmerz und auch vor Romantik hat. Davon handeln auch Fernsehserien, die ich mag, Californication zum Beispiel: Da gibt es diesen Typen, der lieben will, aber jeden Abend mit einer anderen Sex hat. Wie können wir glücklich verliebt sein in einer hedonistischen Welt voller Freiheit und Sehnsüchte? Ich mag, was Pascal Bruckner dazu im Film sagt: "Wir lieben die Liebe und keine Menschen." Wenn du in die Liebe verliebt bist, kannst du nicht nur eine Person lieben.
ZEIT ONLINE: Ist das denn ein Generationenfrage? Unsere Großeltern waren schließlich noch sehr lange verheiratet...
Beigbeder: Auf jeden Fall, das verursacht die Gesellschaft. Meine Großeltern zum Beispiel haben sich vielleicht in andere Menschen verliebt, blieben aber zusammen. Das hat mit Religion zu tun, mit Familie und mit der Bourgeoisie. Die Gesellschaft war anders, Menschen unternahmen Anstrengungen, um zusammen zu bleiben. Jetzt sind wir einen Klick bei Facebook davon entfernt, zu sehen, wer hier in der Nachbarschaft verfügbar ist. Ich kann genau sehen, wo draußen viele Mädchen auf mich warten. Das ist aufregend – und ich mache mich darüber lustig. Als Schriftsteller ist das mein Job.





Entfernt. Bitte verfassen Sie sachliche Kommentare. Danke, die Redaktion/ls
hat der Beigbeder eine imposante Rolle zugewiesen bekommen.
Ist halt auch eine Charakter- und Erziehungsfrage.
Beigbeder: Ich behaupte nicht, dass es besser ist, dein ganzes Leben mit jemand zu verbringen, den du hasst
bedeutet jemanden nicht mehr zu lieben gleich ,Ihn/Sie zu hassen ?
also erwachsen ist das nicht
aber so ist das mit den Schmetterlingen im Bauch
und die Liebe in Zeiten von social Networks ? ,steriler ist sie geworden
die Phase des Kennenlernens ,vergleichbar mit dem Kauf eines Joghurts
cèst la vie
Selbst im besten falle, ist es mit Schmetterlinge im Bauch, so wie mit dem Kotzen, es schmeckt nichts, und es macht auch nichts richtig spass, bei liebe auf dem ersten blick, gibt es sowas vielleicht noch, aber das gibs eigentlich nicht mehr.(die Schmetterlinge im Bauch mein ich). Liebe verstehen heute doch die meisten menschen, unter besitz, eigentum, nur das es damals die Männer waren, ich spreche aus eigenr erfahrung, heute wolen wir es, wenn wir ganz ehrlich sind. Zu schwierig noch Liebe zu finden, viel zu schwierig, ich kenne da kein Mann zur Zeit, der sich opfern würde und mir das gegenteil beweist.
die eigene situation zu verallgemeinern und gleich auf eine ganze gesellschaft oder kultur zu übertragen ist nicht unbedingt hilfreich.
die eigene situation zu verallgemeinern und gleich auf eine ganze gesellschaft oder kultur zu übertragen ist nicht unbedingt hilfreich.
gehört zu den Autoren, über den Medien schreiben, weil die Medien darüber schreiben, weil Medien darüber schreiben...
Ist ja schön, wenn sich die ZEIT mal für Frankreich, b.z.w. einen französischen Autoren, interessiert. Aber Beigbeder gehört wirklich zum Überflüssigsten, was sich da in Paris so herumtreibt.
Für das "Tout-Paris", und solche, die glauben, unbedingt dazugehören zu müssen, natürllich ein absolutes Muss.
Nettes Interview - aber Gratulation für die wirklich gelungene Headline. Die regt richtig die Neuronen an und fackelt Feuerwerke der Wollust im Gehirn ab.
Werde sie für den Pulitzer Preis vorschlagen, sofern ich gefragt werde.
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