Deutsches Fernsehen: "Bambule"-Regisseur Itzenplitz gestorben
Ulrike Meinhofs "Bambule" und "Für'n Groschen Brause": Der Regisseur Eberhard Itzenplitz ist vor allem durch sozialkritische Filme fürs Fernsehen bekannt geworden.
Der Regisseur und Autor Eberhard Itzenplitz ist tot. Er sei bereits am Samstag im Alter von 85 Jahren einer langen und schweren Krankheit erlegen, teilte sein Sohn der Nachrichtenagentur dpa mit. Itzenplitz hatte vor allem mit gesellschaftskritischen Filmen Furore gemacht.
Itzenplitz arbeitete gemeinsam mit namhaften Drehbuchautoren die Vergangenheit auf und nahm Gegenwartsprobleme ins Visier. Für Debatten etwa sorgte der TV-Film Bambule. Itzenplitz führte Regie, das Drehbuch stammte von Ulrike Meinhof. Der Film, der die autoritären Methoden in einem Mädchenheim kritisierte, wurde wegen der terroristischen Verstrickung Meinhofs zurückgezogen und erst 1994 ausgestrahlt. "Wir haben gesellschaftliche Planspiele betrieben", sagte er anlässlich seines 80. Geburtstags.
Itzenplitz, der aus einem alten brandenburgischen Geschlecht stammte, wurde in Holzminden geboren und wuchs in Sachsen auf. Nach dem Abitur 1943 wurde er eingezogen und geriet in russische Gefangenschaft. Nach dem Krieg studierte er in München und Göttingen Germanistik, Kunstgeschichte und Philosophie. 1953 promovierte er mit einer Untersuchung über die Bühnenbilder zur Goethe-Zeit.
Leidenschaft für Ost und West
Immer wieder griff Itzenplitz zeitgeschichtliche Themen auf, wie in den Filmen Die Mitläufer über den Alltag des kleinen Mannes im Dritten Reich oder Für'n Groschen Brause und Schwarzenberg nach Stefan Heym über die Nachkriegsjahre in der damaligen Ostzone. Die Berlin-Blockade fand ihren Niederschlag in dem Film Rosinenbomber.
Viel beachtete Fernsehfilme waren unter anderem Die Dubrow-Krise nach Wolfgang Menge, eine fiktive Vorwegnahme der Wiedervereinigung, oder die temperamentvolle DDR-Aussteigergeschichte Die neuen Leiden des jungen W. nach Ulrich Plenzdorf. "Ich hatte immer eine große Leidenschaft für Ost und West", sagte Itzenplitz. Er wurde mit einer Reihe von Preisen bedacht, darunter dem Adolf-Grimme-Preis in Silber.






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