Haute-Cuisine-DokuDas Erbe der drei Sterne

Ein Dokumentarfilm zeigt die Kochkunst Michel Bras', eines der weltbesten Köche. Interessant ist die Übergabe des Restaurants an den Sohn, leider sieht man zu viel Natur. von 

Im Aubrac ist nicht viel los. Aber inmitten dieser verschlafenen Gegend im Süden Frankreichs , auf einer Anhöhe, liegt ein satter Flachbau, hochmodern, und darin befindet sich eines jener wenigen Spitzenrestaurants , deren besternte Chefs weder im Fernsehen noch sonstwie auf den Oberflächen glitzern. Michel Bras heißt sein Begründer; der Dokumentarfilm Entre les Bras – 3 Sterne, 2 Generationen, 1 Küche begleitet den Übergang der Kochtopf-Macht auf dessen Sohn Sébastien.

Michel ist ein Grantler, Sébastien ein Grübler, und wie sie da so granteln und grübeln, erinnern sie eher an ein altes Ehepaar als an Vater und Sohn. Dem Alten verdankt die Welt erstens das Gargouillou , ein Gericht, das, wenn es gelingt, einen Strauß von Gemüse- und Kräuteraromen zusammenbindet. Den meisten Köchen gelingt es nicht, und das Ganze bleibt eine Wiese, durch die sich der Gast nach Art der Ziegen durchbeißt. Zweitens hat Bras die Mode der verwischten Suppen- und Püree-Kleckse begründet; sie können Akzente setzen, doch leider sind sie zumeist nur Spuren, die der unbedingte Wille des Kochs zur Modernität auf dem Teller hinterlassen hat.

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Solches und noch viel mehr entsteht im Le Suquet . Der Name des Restaurants ist doppeldeutig, bezeichnet im Südfranzösischen einen Hügel und ist zugleich derjenige eines katalanischen Fischgerichts. Die Küche, die der Film zeigt, ist nüchtern wie ein Biolabor , kein Kupfer weit und breit, ganz anders also als in Traditionsküchen wie beispielsweise der von Paul Bocuse bei Lyon .

Die interessantesten Passagen des Films zeigen, wie hier die Gerichte konzipiert, gekocht und angerichtet werden. Die langweiligsten zeigen die Natur, man muss es so hart sagen. Entre les bras ist einer jener französischen Filme, der dem städtischen Publikum minutenlang eine einzige Einstellung zumutet, und nun ja, dann sieht man eben Natur. Manche finden so etwas magisch, aber das setzt eben jene spezifisch französische (oder sagen wir: pariserische) Sehnsuchtshaltung voraus, in der die Natur der Fluchtpunkt der Perspektive ist, mit der genervte Städter auf die Welt blicken.


Wenn da nicht die Klaviermusik von Karol Beffa wäre. Der in Paris lebende junge Komponist, zugleich ein öffentlicher Intellektueller, hat eine Art Klassizismus begründet, der gefällig klingt und doch hochreflektiert und komplex ist. Seine Filmmusik entschädigt für die länglichen Naturpassagen, und nebenbei sei empfohlen, sich den Namen zu merken, denn Beffa gibt auch schöne Konzerte und zwar nicht nur in Frankreich.

Paul Lacoste, der Regisseur, ist Hobbykoch und nach eigenem Zeugnis ein Verehrer des Meisterkochs Michel Bras. Vielleicht hindert ihn das daran, in jenen Momenten nachzufassen, wo sich die familiären Zwänge, Konflikte, Opfer andeuten. So kann man sie nur erahnen. Gleichwohl lohnt es sich, den Film anzusehen. Am besten spätnachmittags, um hinterher essen zu gehen oder zu kochen. Oder zu Hause auf DVD, mit einer guten Flasche Wein.

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Leserkommentare
  1. ... langweilig findet, sollte keine Filme kommentieren, auf er nicht bereit ist, sich einzulassen. Armer Gehetzter.

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    Redaktion

    - vielleicht war diesmal eher der Leser "gehetzt"?

  2. Redaktion

    - vielleicht war diesmal eher der Leser "gehetzt"?

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    "Die langweiligsten zeigen die Natur, man muss es so hart sagen." da Filmszenen nur dann langweilig sein können, wenn sie etwas Langweiliges zeigen, verfängt Ihre tölpelhafte Beckmesserei nach dem Motto "Die Partei hat immer recht!" leider nicht.

  3. "Die langweiligsten zeigen die Natur, man muss es so hart sagen." da Filmszenen nur dann langweilig sein können, wenn sie etwas Langweiliges zeigen, verfängt Ihre tölpelhafte Beckmesserei nach dem Motto "Die Partei hat immer recht!" leider nicht.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Film | DVD | Dokumentarfilm | Filmmusik | Gericht | Komponist
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