Film "Prometheus"Hände weg von der Biomasse

Wo kommen wir her? Wer spielt hier Gott? Ridley Scott hat ein Prequel zu "Alien" gedreht. "Prometheus" ist ein Science-Fiction-Film, der mit den Ursprungsmythen jongliert. von Sabine Horst

Szenenbild aus "Prometheus"

Szenenbild aus "Prometheus"  |  © 2012 Twentieth Century Fox

"Ich habe Dinge gesehen, die ihr Menschen niemals glauben würdet. Gigantische Schiffe, die brannten, draußen vor der Schulter des Orion. Und ich habe C-Beams gesehen, glitzernd im Dunkeln, nahe dem Tannhäuser-Tor …" Der Schlussmonolog des Replikanten in Ridley Scotts Blade Runner zielt ins Herz der Science Fiction: Zum Versprechen dieses Genres gehörte seit seinen Anfängen im Kino das Abenteuer der Fantasie, das große, nie zuvor gesehene Bild.

Gut aufgehoben war es in der Untergattung der Weltraum-Oper, die den entschiedensten Drang in die Ferne und zum Spektakel hat, auf der Suche nach "neuem Leben und neuen Zivilisationen". Inzwischen ist die Idee freilich etwas in Vergessenheit geraten – weil alternative Gesellschaftsentwürfe in der globalisierten Welt nur noch schwer vorstellbar sind und die Menschheit sich eine Zukunft kaum mehr zutraut. Der heutige Science-Fiction-Film ist in erster Linie Katastrophenkino. Er zeigt keine neuen Welten, sondern unsere alte im Niedergang, geplagt von Viren, Zombies, Armut und ökologischen Fehlentwicklungen. Und E.T., die Aliens, die Fremden? Sind in Men in Black schon so lange da , dass sie sich an den amerikanischen Kaffee gewöhnt haben.

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Mit dem im Ausland bereits angelaufenen, von heftigen Werbegeräuschen begleiteten und einem dichten Trailer-Teppich unterlegten Prometheus – Dunkle Zeichen versucht Ridley Scott nun, dem Genre wieder etwas von seinem ursprünglichen Reiz zurückzugeben, von seinem Sinn für Wunder und Wunderliches. Dafür ist der englische Regisseur nicht der schlechteste, schließlich hat er sich mit zwei stilbildenden Science-Fiction-Produktionen in die Filmgeschichte eingeschrieben: mit Blade Runner (1982), einem Vorläufer des Cyberpunk-Kinos , und mit dem modernen Monstermovie Alien (1979), das das Genre auf Jahre hinaus mit dem Horror assoziierte und Heerscharen von wandelbaren, schleimigen Ungeheuern auf den Plan rief.

Darin war die Zukunft zwar auch nicht lustig. Aber die Filme legten es darauf an, den Zuschauer staunen zu machen. Es waren typische Schöpfungen der heraufziehenden, visuell so glamourösen Achtziger, vollgestopft mit "Design". Luxuriös in ihrem Einfallsreichtum waren sie selbst dann, wenn die Schauplätze heruntergekommen wirken sollten wie die Decks des Frachters Nostromo in Alien , dessen Besatzung, angestellt bei einer very big corporation mit einer geheimen Agenda, buchstäblich von ihrem Job aufgefressen wurde.

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Prometheus ist weniger ein Prequel als ein Spin-off-Produkt, ein Ableger der Alien -Geschichte, die sich bis 1997 unter der Regie von James Cameron , David Fincher und Jean-Pierre Jeunet zur Tetralogie ausgewachsen hatte, die Predator -Kreuzungen nicht mitgerechnet. Der Plot des neuen Films – die Fans streiten sich darum, ob er 30 Jahre vor dem Original angesiedelt ist – setzt im alten Universum neue Akzente.

Das beginnt schon mit dem klaren, sehnsüchtigen Fanfarenton des Anfangs, der eher an die Intros der von Hoffnung getriebenen Star Trek -Serien erinnert als an die sparsame, heimtückische Alien -Musik von Jerry Goldsmith. Dazu kombiniert Scott idealisierte Aufnahmen von Bergen und Fjorden: Die Erde in grauer Vorzeit war grandios, aber unbelebt. In diese Prähistorie tritt ein außerirdischer Besucher, der in einem fast religiösen Akt der Selbstaufgabe die Menschheit zeugt – indem er das Wasser mit seiner DNA versetzt und sich auflöst. In seinem Kielwasser wird später ein Raumschiff ins All aufbrechen.

Die Besatzung besteht aus Wissenschaftlern, Piloten, Sicherheitspersonal und einem der Androiden, die in der Serie immer quergeschossen haben. Ein prominent besetztes Team, mit Noomi Rapace als Archäologin, Charlize Theron als eiskalter Chefin der Mission, Idris Elba als Raumschiffkapitän und einem famosen Michael Fassbender als Android David. Rapace, die als Heldin der Stieg-Larsson-Verfilmungen bekannt wurde, tritt offensichtlich in die Fußstapfen von Sigourney Weaver , die das Genre als allererste große Actionheldin bereichert hatte. Wie jene bringt auch die Archäologin ein Glibbermonster zur Welt; erneut will Scott seinem Ruf als Regisseur starker Frauenfiguren gerecht werden. Allein, Rapace bleibt im Vergleich doch sehr blass.

Leserkommentare
  1. Ich habe den Film im Kino gesehen und dachte die ganze Zeit man hätte fälschlicherweise "Alien" in den Projektor gelegt. Der Film erzählt fast 1:1 dieselbe Geschichte - nur schlechter.

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    • Radpix
    • 10. August 2012 11:04 Uhr

    Enjoy life und 3D SF !!!

    • Leiwond
    • 06. August 2012 18:04 Uhr

    Diese Tagesspiegelartikel sind in ihrer Qualität so unterirdisch wie das Thema des besprochenen Filmes außerirdisch! Nicht konstruktiv genug?... Bitte schreiben sie besser!

    via ZEIT ONLINE plus App

    • Rychard
    • 06. August 2012 18:06 Uhr

    der sich den Göttern wiedersetzte in dem er der Vergänglichkeit Hoffnung schenkte. Aus dem Film bin ich nach 40 Minuten raus, um sie zu behalten ..

    Eine Leserempfehlung
    • FahadA
    • 06. August 2012 18:53 Uhr

    "Und Terrence Malick unternahm in The Tree of Life nichts Geringeres als eine Rekonstruktion unseres Planeten aus verlaufenden Wasserfarben und Digitaleffekten."

    ??

  2. Zecharia Sitchin (* 11. Juli 1920 in Baku; † 9. Oktober 2010 in New York) war ein amerikanischer Gelehrter. Er war ein bekannter Vertreter der Prä-Astronautik. In seinen Büchern stellte er die Übersetzung von altsumerischen Keilschrift-Texten vor. Dort wird auf abertausenden von Tontafeln beschrieben, wie in vorgeschichtlicher Zeit die nichtirdischen Anunaki, die von Nibiru, dem zwölften Planeten, stammen, die Erde kolonisiert und den Menschen als Arbeitssklaven erschafften. Die Wirklichkeit dieser unserer Vergangenheit ist weit spannender als jedwede "Aliengeschichte".

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    Na endlich mal jemand der den Mumm hat, hier mal zu sagen was Sache ist!

    Das ist mit Abstand der intelligenteste, sachlich und historisch fundierteste Kommentar, den ich seit der Blitz Illu (Russen klonen Ziege mit drei Beinen), in dieser Zeitung jemals gelesen habe.

    WEITER SO ! ! !

  3. Na wunderbar ! Ich warte bis eine Erwachsenenversion herauskommt !
    Übrigends : Alien hatte 4 Folgen !

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    Wenn man sich den Trailer so anschaut, dann erwartet man eine mystische, geheimnisvolle und fesselnde Geschichte, eine Story, die nicht nur den Ursprung von "Alien" erklären sollte, sondern sogar Sinn und Ursprung der Menschheit.

    Weit verfehlt: Der Trailer enthält schon fast die gesamte Story. Man versucht mangelnde Tiefe wieder Effekthascherei zu verstecken. Dass gute Science-Fiction keine Frage von HD, 3D, und vielen beweisen viele Bücher und alte Klassiker.

    Schade, dass diese Sicht schon lange nicht mehr herrscht.

    Der Autor schreibt doch, es handle sich bei Alien um eine Tetralogie. Manchmal ist es von Vorteil, Fremdwörter verstehen zu können.

  4. Wenn man sich den Trailer so anschaut, dann erwartet man eine mystische, geheimnisvolle und fesselnde Geschichte, eine Story, die nicht nur den Ursprung von "Alien" erklären sollte, sondern sogar Sinn und Ursprung der Menschheit.

    Weit verfehlt: Der Trailer enthält schon fast die gesamte Story. Man versucht mangelnde Tiefe wieder Effekthascherei zu verstecken. Dass gute Science-Fiction keine Frage von HD, 3D, und vielen beweisen viele Bücher und alte Klassiker.

    Schade, dass diese Sicht schon lange nicht mehr herrscht.

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    Wieso denn enttäuscht? Seit wann ist es denn nicht so, dass die Trailer spannender sind, als der Film selbst?
    Ich habe mir nicht so viele Vorstellungen darüber gemacht, was da wohl kommt. Denn in der Regel, und das ist in Hollywood nun mal seit zig Jahren so, gibt man sich bei den Storys weniger Mühe und versucht dies durch technischen Glanz zu tünchen.
    Wenn man mit der Einstellung den Film sieht, ist er wiederum passabel. Denn wenn man keine Superlative erwartet und das übliche Brimborium, dann geht er eigentlich. Allerdings hätte man mehr aus der Story machen können - keine Frage. Er war keine Offenbarung. Allerdings fand ich Michael Fassbender recht überzeugend. Mal sehen, vielleicht wird ja der nächste Teil sogar noch ein wenig besser...... Die Story gäbe das ja her, aber man versucht halt schon lange kleine Genre Filme mehr zu drehen, oder anspruchsvolle Themen zu verarbeiten, oder wenn wir selbst das weglassen, eben einfach eine Vision zuzulassen. Nein, denn dazu ist Hollywood viel zu sehr mit Geld verdienen beschäftigt. Und wenn ich so an Filme wie 2001 oder Fahrenheit 451 denke, wenn da gewisse Themen umgesetzt würden heutzutage, wer würde das gucken wollen? Für mich persönlich waren so die besten Filme diesbezüglich in den 60'ern und 70'ern zu sehen. Dort hat man für meinen Geschmack noch ein wenig Einklang zwischen Story(Vision), schauspielerischer Qualität und technischer Umsetzung.

  5. "Der hat übrigens seine geplante Adaption der 1936 veröffentlichten Erzählung Berge des Wahnsinns abgesagt, nachdem Scott ihm seinen Plot vorgetragen hatte"

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    zwar ist die Geschichte "Berge des Wahnsinns" meinem Geschmack nach eher eine gut-durchschnittliche Geschichte, aber einen Film darüber hätte ich gern gesehen, da es nicht viele "gute" Filme-Adaptionen von Lovecrafts Werken gibt.

    Weiß einer zufällig, ob stattdessen eine andere Lovecraft Geschichte verfilmt wird?

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