Alles beginnt mit einem jungen Kerl, einem Tisch und ein paar Pornoheftchen darauf. Natürlich lässt der Regisseur Ken Scott die Kamera nie unter diesen Tisch blicken, doch ist klar, was folgt, weil zunächst ein rhythmisches Klatschen ertönt und dann der Gesichtsausdruck des Mannes von verkrampfter Anstrengung in verzückte Erleichterung übergleitet. Es ist der saftige Einstieg in eine Feelgood-Komödie, die aufs große Publikum hofft, im Laufe der Erzählung aber sämtliche Ecken und Kanten verliert.

"El Masturbator" – das ist nun wirklich lange her für den heute 42-jährigen David Wozniak (Patrick Huard). Inzwischen verdient er sein Geld nicht mehr mit Samenspenden, sondern damit, tote Tiere für den väterlichen Fleischerbetrieb im Transporter von einem Ort zum anderen zu karren. Eines Tages steht ein Anwalt in seiner Wohnung, der sich zum Glück nicht für Davids Hanfplantage interessiert, sondern zum Unglück für dessen Vergangenheit. Aus seinem einstigen Nebenjob sind nämlich 533 Kinder entstanden, von denen 142 sich nun zu einer Sammelklage zusammen getan haben, um den Spender, der sich hinter dem Pseudonym "Starbuck" versteckte, zu zwingen, seine wahre Identität preiszugeben.

Starbuck, so heißt der Steuermann von Kapitän Ahab in Herman Melvilles Jahrhundertoman Moby Dick , der einzige an Bord, der den Wahn in der Jagd seines Kapitäns erkennt, ein Quäker, der sich stattdessen nach Hause sehnt zu Frau und Kind. Zugegeben, das fällt einem heute zu diesem Namen nicht unbedingt als erstes ein – und als bildungsbürgerlich augenzwinkernde Anspielung taugt es erst recht nicht angesichts dieses Slackers David, dessen schwangere Freundin Valérie (Julie LeBreton) ihm wegen seines unsteten Lebenswandels gleich zu Beginn den Laufpass gibt. Befindet sich unter der launigen Oberfläche, die sich im Fortlauf der Geschehnisse als immer glattpolierter erweist, nicht doch wenigstens ein bisschen erdiger Realismus oder gar intellektuelle Reflexion, mit der sich die frankokanadische Produktion absetzen wollte von der so erdrückenden wie formelhaften Perfektion des populären Kinos, das der übermächtige Nachbar in die Welt trägt?



Leider nein. Sehr schnell und arg vorhersehbar entwickelt David eine Art Verantwortungsgefühl für seine Sprösslinge. Er ignoriert den Rat seines Freunds und Anwalts (Antoine Bertrand), der sich selbst mit seinen vier Kindern eher geschlagen, denn gesegnet sieht – und öffnet eine der ihm zugesandten Akten nach der anderen. Tatsächlich wäre der bisweilen dem Puritanismus zugeneigte US-Mainstream  mit der Drogensucht von Davids Tochter Julie (Sarah-Jeanne Labrosse) wohl weniger offen umgegangen. Aber wie mühelos David, ohne sein Geheimnis verraten zu müssen, diese Julie praktisch über Nacht von ihrer Abhängigkeit heilt, ist eine ärgerliche Verharmlosung.

So reproduziert die Geschichte Davids Dilemma. Hunderten von Kindern ein Vater zu sein ist nun einmal genauso unmöglich, wie realistisch von all ihren Biografien, Gefühlen, Ängsten und Plänen zu erzählen. Die Handlung zerbricht ins Episodenhafte: Einem Sohn jubelt David beim Fußball zu, einen anderen nimmt er bei sich auf, als dieser ihm auf die Schliche gekommen ist, einem dritten hilft er, ein wichtiges Vorsprechen wahrnehmen zu können, indem er sich an seiner Statt hinter die Theke stellt. Der junge Mann wird gefeuert. Und kriegt die Rolle.

Diese Häppchendramaturgie hebt den Unterhaltungswert ungemein, es müssen keine Expositionen und Abschweifungen ausgehalten werden: neuer Mensch, neues Problem, neue Lösung. Doch den Figuren wird man damit nicht gerecht, zumal David auch einen behinderten Sohn unter seinen Nachfahren entdeckt und sich diesem schließlich offenbart. Scott versucht es eine Weile lang, aber als wäre ihm schließlich die Unmöglichkeit dieses Anliegens bewusst geworden, lässt er David seine Schutzengel-Missionen einstellen. Da ist Starbuck längst ein Medienphänomen geworden, die Verhandlung steht an, David steht das Wasser bis zum Halse.

"Yo no soy David Wozniak" , spanisch für "Ich bin nicht David Wozniak" – diese Ausrede ist einer der Running Gags des Films. Dass sie dem polnischstämmigen Einwohner einer französischsprachigen Minderheit im Einwanderungsland Kanada nicht aus der Patsche hilft, ist von Anfang an klar. Erziehung funktioniert hier anders herum: Es braucht 142 Kinder, um einen erwachsenen Tunichtgut dazu zu bringen, sein Leben in den Griff zu kriegen und zu sich selbst und seiner Vergangenheit zu stehen.

Das Thema ist universell, und es ist so komplex wie die Individuen, die einen Kreis um David ziehen – ihn zu umarmen oder zu erdrücken, wer weiß das schon? Mit der Reduktion der Komplexität, die jede Erzählung vornehmen muss, treibt Ken Scott es jedoch ein wenig zu weit.