Film "The Expendables 2"Bumfidibums Fortsetzung

Auch der zweite Einsatz der Action-Altstars ist dumm wie Blei. Dennoch hat diese Schießübung der Truppe um Stallone, Schwarzenegger und Willis ihren Unterhaltungswert. von Andreas Scheiner

Sylvester Stallone , dieser Hansdampf mit Jahrgang 1946, wälzt sich mal wieder durch eine irrsinnige Gewaltorgie. The Expendables 2 ist eine Altmännerfantasie, die völlig frei von Erotik ist und sich stattdessen ungeziert am Töten ergötzt. Wie so oft, hat Stallone diesen Kugelhagel von einer Story selbst geschrieben, nur das Inszenieren hat der Zampano, man könnte ihn fast einen Auteur des Actionkinos nennen, diesmal einem anderen überlassen, Simon West. Und für West gilt dasselbe wie für das Gros der Darsteller, das Stallone für seine Expendables -Filme aus der Abstellkammer der Traumfabrik holt: Wie ein Dolph Lundgren oder ein Jean-Claude Van Damme hatte West schon vor vielen Jahren seinen Spaß gehabt – er drehte einst die vergnüglich überkandidelte Nicolas-Cage-Action Con Air –, doch dann ging der Kerl irgendwie vergessen. Der Regisseur, der mit einer Bierwerbung den Blockbusterproduzenten Jerry Bruckheimer auf sich aufmerksam gemacht hatte, verdingte sich die vergangenen fünfzehn Jahre vor allem in Fernsehfilmen.

Diesmal also führt Stallone als Barney "The Schizo" Ross seine Söldnertruppe in die Berge Albaniens. Dorthin werden die Kämpfer vom schief gewickelten Auftraggeber ( Bruce Willis ) beordert, um in einem Flugzeug-Wrack eine Blaupause sicherzustellen, die den Weg zu einer vergessenen Sowjet-Mine weist, wo gleich ein paar Tonnen Plutonium lagern. Doch zu spät. Ein Gangster (Jean-Claude Van Damme) passt die Guten ab, bemächtigt sich der Karte und haut zu allem Überdruss dem jüngsten Mitglied der Söldnerfamilie (Liam Hemsworth) ein Messer ins Herz. Jetzt sinnen die Alten auf Rache. Nur noch ganz nebenbei geht es darum, den Planeten vor dem Plutonium-Dieb zu retten.

Anzeige

Die Geschichte ist ein hanebüchener Flickenteppich, den Stallone aus allen möglichen und unmöglichen Action-Motiven gewebt hat. Es ist aber sowieso ziemlich witzlos, sich über die Story eines Films zu mokieren, dessen Figuren Church (Bruce Willis) und Christmas (Jason Statham) heißen, und die es mit einem frankophonen Bösewicht zu tun haben, der auf den Namen Jean Vilain hört, was in der deutschen Fassung mit "Hans Schurke" synchronisiert hätte werden können. Das hier ist ein Plot mit dem Anspruch einer Patronenhülse: Der Stoff braucht nur so lange zusammenzuhalten, bis es PENG! macht.

Mit anderen Worten: Dieser zweite Expendables ist sogar noch beknackter als der erste . Er ist aber auch lustiger, denn er treibt es mit dem Augenzwinkern so weit, dass es nicht verwundern würde, wenn, wie in der Action-Persiflage Hot Shots 2 , ein Body-Count am Bildrand die Toten in Echtzeit zählen würde. Stallone gibt sich und die anderen Gorillas der totalen Selbstentblödung hin. Chuck Norris etwa, der während eines Kurzauftritts den Söldnern aus der Patsche hilft, erzählt im Stile echter Chuck Norris Facts , dass ihn eine Giftschlange gebissen habe – "und nach fünf qualvollen Tagen ist die Kobra gestorben." Arnold Schwarzenegger leiert seinen Claim " I’ll be back " so oft herunter, dass ihn Bruce Willis irgendwann abwürgt: " This time I’ll be back! " Am Lustigsten aber ist Dolph Lundgren (der Ivan Drago aus Rocky IV ). Der Schwede schüttet als Söldner mit posttraumatischer Belastungsstörung sein Herz aus und beklagt seine reale Vergangenheit: Lundgren hatte das Studium am MIT nach einer Disco-Romanze mit Grace Jones sausen lassen.

Expendables 2 ist eine 103-Minuten-Übung in Selbstironie. Selbst die Bilder erinnern in ihren desaturierten Farben und dem rauschenden Korn an ein B-Movie der achtziger Jahre.

Dennoch kann die schelmische Überhöhung nicht verhindern, dass die Fließband-Metzelei früher oder später aufstößt: Müssen die Erschossenen immer zerspritzen wie explodierende Wassermelonen? Und muss wirklich jeder niedergemähte Böse wie ein Touchdown im American Football bejubelt werden? Nur Fans von Hartgesottenem finden das oberprimitive Gehabe möglicherweise spaßig, aber auch sie wird es wurmen, dass Stallone in seiner Kernkompetenz enttäuscht: Die Action ist ein bisschen langweilig. Dem Schnitt geht der Rhythmus ab, das Setting gibt nicht viel her, und mit Ausnahme des drahtigen Jean-Claude Van Damme, der noch immer sehr gelenkig um sich treten kann, wirken die betagten Haudraufs im Nahkampf jetzt tatsächlich ein wenig eingerostet.

Die Kinowoche auf ZEIT ONLINE

Rezensionen und Interviews zu den Filmstarts dieser Woche

The look of love (Großbritannien; Regie: Michael Winterbottom)
Chroniken der Unterwelt – City of Bones (USA; Regie: Harald Zwart)

Weitere Interviews und Besprechungen auf unseren Film- und DVD-Seiten

Vergangene Filmwoche

Rezensionen und Interviews zu den Filmstarts vergangenen beiden Wochen:

Feuchtgebiete (Deutschland; Regie: David Wnendt)
Kid-Thing (USA; Regie: David Zellner
Apple Stories (Deutschland; Regie: Rasmus Gerlach)

Weitere Interviews und Besprechungen auf unseren Film- und DVD-Seiten

Ihre Rezension

Haben Sie diesen Film bereits gesehen? Wie hat er Ihnen gefallen? Oder hat Sie in letzter Zeit ein anderer Film besonders beeindruckt oder enttäuscht? ZEIT ONLINE freut sich auf Ihre Filmrezension. Auf dieser Seite können Sie Ihren Text verfassen. In unseren Leserartikel-FAQ erfahren Sie, wie Sie dabei vorgehen sollten.

Retten können sich nur mit Witz: "Wir gehören ins Museum", schnauft Schwarzenegger nach dem Showdown. Nun, ein Museum ist ungefähr der letzte Ort, wo diese Trampeltiere hingehören.

Zur Startseite
 
Leserkommentare
    • Marobod
    • 27. August 2012 19:01 Uhr

    bin und solche Filme nie ernst genommen habe, fand ich sie recht unterhaltsam, als Kind habe ich hinterfragt und als Erwachsener hab ichs dann hingenommen, weil diese Filme sich nie wiklich ernst genommen haben. Ich glaub mit ein paar freunden wird der Film witzig, sind ja alle dabei :D

    • illyst
    • 27. August 2012 19:05 Uhr

    Wurden eigentlich schon die Rechnungen bezahlt die am Drehort von Teil eins gemacht wurden? Damals sollns ja ziemlich schnell abgehaun sein.

  1. ich habe mit den film angeguckt. Ware ich etwa 11 Jahre alt, dann ware ich verueckt danach gewesen. jetzt ist mir das doch etwa zu doof

    • CoMiMo
    • 27. August 2012 19:44 Uhr

    beschissene Rezension, die ich zu dem Film gelesen habe.

    Ich, übrigens weder alt noch männlich, werde mir meine eigene Meinung bilden und damit bin ich bis jetzt immer gut gefahren, da die meisten hoch gelobten Filme mich tierisch langweilten.

    Der erste Teil hat mir Spaß gemacht und der zweite Teil ist laut Freunden, die schon drin waren (nein, nicht in Deutschland ;P) auch nicht schlecht. Meistens ist die deutsche Synchro ja der schlechteste Part in solchen Filmen...

    • Tho.mas
    • 27. August 2012 20:24 Uhr

    Ich weiß, wer den Film gemacht hat, wer mitwirkt und kann mir so etwa vorstellen, was dort abgeht, ich kann mich also entscheiden. Mit welchem Ansatz gehe ich in solch einen Film? Ich will es ordentlich ballern hören und sehen, keine Liebesschmonzette sehen sondern richtige Kerle ;-)
    eben Popkorn-Kino. Der Autor dieser vernichtenden Rezension wird sicher beim Glas Rotwein einen französischen Schwarzweißfilm aus den 60-zigern genießen. Soll er, kann ja auch ganz nett sein. Jedem das seine, was er zur Entspannung mag oder braucht. Ich sehe mir den Film an, weil alle "guten Jungs" (sicher schon etwas angestaubt) dabei sind, da kann ich nicht fehlen...

  2. alos ehrlich, einen besseren Namen für einen Schurken, der von JCV verkörpert wird, kann es doch gar nicht geben. So viel Mut zum Absurden besitzen nicht viele!

  3. 7. Wow...

    Jetzt bin ich wirklich neugierig auf den Film. Der kann eigentlich nur gut sein.
    Werd mir vorher noch schnell den ersten Teil ansehen, der mir damals irgendwie durch die Lappen ging...

  4. ... sind Grund genug, sich diesen Film gleich zweimal anzuschauen.

    Wann bitte kriegt man die volle Ladung an Actionschauspielern in einem Film zusammen serviert?

    Anstatt mir Rocky, Terminator, Stirb Langsam, Kiss of the Dragon, Crank und Andere einzeln anzuschauen, gehe ich in diesen Film und genieß den Action-Schmaus!

    Ist und bleibt aber Geschmacksache, keine Frage. Der Rezensionist (wenn es den denn gibt), hat schlichtweg den falschen Film gewählt. Anstatt sich in seiner Bekümmertheit selbst zu bemitleiden sollte er lieber über Bücher schreiben und sich seiner Intellektualität dort genüge sein.

    Actionfilme sind nun eben mal stumpf, einfach, brutal, lustig und so fort und deshalb habe ich sie so gern!

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Film | Bruce Willis | Sylvester Stallone | Arnold Schwarzenegger | Söldner
Service