Sylvester Stallone , dieser Hansdampf mit Jahrgang 1946, wälzt sich mal wieder durch eine irrsinnige Gewaltorgie. The Expendables 2 ist eine Altmännerfantasie, die völlig frei von Erotik ist und sich stattdessen ungeziert am Töten ergötzt. Wie so oft, hat Stallone diesen Kugelhagel von einer Story selbst geschrieben, nur das Inszenieren hat der Zampano, man könnte ihn fast einen Auteur des Actionkinos nennen, diesmal einem anderen überlassen, Simon West. Und für West gilt dasselbe wie für das Gros der Darsteller, das Stallone für seine Expendables -Filme aus der Abstellkammer der Traumfabrik holt: Wie ein Dolph Lundgren oder ein Jean-Claude Van Damme hatte West schon vor vielen Jahren seinen Spaß gehabt – er drehte einst die vergnüglich überkandidelte Nicolas-Cage-Action Con Air –, doch dann ging der Kerl irgendwie vergessen. Der Regisseur, der mit einer Bierwerbung den Blockbusterproduzenten Jerry Bruckheimer auf sich aufmerksam gemacht hatte, verdingte sich die vergangenen fünfzehn Jahre vor allem in Fernsehfilmen.

Diesmal also führt Stallone als Barney "The Schizo" Ross seine Söldnertruppe in die Berge Albaniens. Dorthin werden die Kämpfer vom schief gewickelten Auftraggeber ( Bruce Willis ) beordert, um in einem Flugzeug-Wrack eine Blaupause sicherzustellen, die den Weg zu einer vergessenen Sowjet-Mine weist, wo gleich ein paar Tonnen Plutonium lagern. Doch zu spät. Ein Gangster (Jean-Claude Van Damme) passt die Guten ab, bemächtigt sich der Karte und haut zu allem Überdruss dem jüngsten Mitglied der Söldnerfamilie (Liam Hemsworth) ein Messer ins Herz. Jetzt sinnen die Alten auf Rache. Nur noch ganz nebenbei geht es darum, den Planeten vor dem Plutonium-Dieb zu retten.

Die Geschichte ist ein hanebüchener Flickenteppich, den Stallone aus allen möglichen und unmöglichen Action-Motiven gewebt hat. Es ist aber sowieso ziemlich witzlos, sich über die Story eines Films zu mokieren, dessen Figuren Church (Bruce Willis) und Christmas (Jason Statham) heißen, und die es mit einem frankophonen Bösewicht zu tun haben, der auf den Namen Jean Vilain hört, was in der deutschen Fassung mit "Hans Schurke" synchronisiert hätte werden können. Das hier ist ein Plot mit dem Anspruch einer Patronenhülse: Der Stoff braucht nur so lange zusammenzuhalten, bis es PENG! macht.

Mit anderen Worten: Dieser zweite Expendables ist sogar noch beknackter als der erste . Er ist aber auch lustiger, denn er treibt es mit dem Augenzwinkern so weit, dass es nicht verwundern würde, wenn, wie in der Action-Persiflage Hot Shots 2 , ein Body-Count am Bildrand die Toten in Echtzeit zählen würde. Stallone gibt sich und die anderen Gorillas der totalen Selbstentblödung hin. Chuck Norris etwa, der während eines Kurzauftritts den Söldnern aus der Patsche hilft, erzählt im Stile echter Chuck Norris Facts , dass ihn eine Giftschlange gebissen habe – "und nach fünf qualvollen Tagen ist die Kobra gestorben." Arnold Schwarzenegger leiert seinen Claim " I’ll be back " so oft herunter, dass ihn Bruce Willis irgendwann abwürgt: " This time I’ll be back! " Am Lustigsten aber ist Dolph Lundgren (der Ivan Drago aus Rocky IV ). Der Schwede schüttet als Söldner mit posttraumatischer Belastungsstörung sein Herz aus und beklagt seine reale Vergangenheit: Lundgren hatte das Studium am MIT nach einer Disco-Romanze mit Grace Jones sausen lassen.

Expendables 2 ist eine 103-Minuten-Übung in Selbstironie. Selbst die Bilder erinnern in ihren desaturierten Farben und dem rauschenden Korn an ein B-Movie der achtziger Jahre.

Dennoch kann die schelmische Überhöhung nicht verhindern, dass die Fließband-Metzelei früher oder später aufstößt: Müssen die Erschossenen immer zerspritzen wie explodierende Wassermelonen? Und muss wirklich jeder niedergemähte Böse wie ein Touchdown im American Football bejubelt werden? Nur Fans von Hartgesottenem finden das oberprimitive Gehabe möglicherweise spaßig, aber auch sie wird es wurmen, dass Stallone in seiner Kernkompetenz enttäuscht: Die Action ist ein bisschen langweilig. Dem Schnitt geht der Rhythmus ab, das Setting gibt nicht viel her, und mit Ausnahme des drahtigen Jean-Claude Van Damme, der noch immer sehr gelenkig um sich treten kann, wirken die betagten Haudraufs im Nahkampf jetzt tatsächlich ein wenig eingerostet.

Retten können sich nur mit Witz: "Wir gehören ins Museum", schnauft Schwarzenegger nach dem Showdown. Nun, ein Museum ist ungefähr der letzte Ort, wo diese Trampeltiere hingehören.