Städte im Film Paris von unten, New York von innen
Wer vor der Leinwand sitzt, kann mehr über das Leben großer Metropolen lernen als jeder Tourist. Wenn Sie fremde Städte in Ruhe erleben wollen, schauen Sie diese Filme.
© MICHEL RUBINEL/AFP/GettyImages

Die Espaces d'Abraxas des Spanischen Architekten Ricardo Bofill im Osten von Paris kennt man aus "Brazil".
Venedig
Sie sind wütend, weil Sie so lange gezögert haben, die zwei Billigflugtickets zu buchen.
Jetzt sind sie weg und 485 Euro pro Nase echt zu viel für ein spontanes Wochenende in Venedig. Legen Sie Wenn die Gondeln Trauer tragen aus dem Jahr 1973 ein. Donald Sutherland und Julie Christie versuchen darin, den Unfalltod ihrer kleinen Tochter zu verarbeiten, indem er eine neue Stelle in Venedig annimmt. Natürlich ist es Winter: Nebel, das Licht einer tiefstehenden Sonne, kaum Touristen. "Hey", denken Sie jetzt, "ich bin doch schon sauer, weil ich nicht fliegen kann." Warten Sie ab, bis in den feuchten Gassen das tote Mädchen wieder auftaucht. Dann wollen Sie auf gar keinen Fall mehr hin.
- Lust auf Stadt - die Themenwoche
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© Tasos Katopodis/Getty ImagesAlle Beiträge zu unserer Themenwoche "Lust auf Stadt" sehen Sie, wenn Sie auf dieses Bild klicken.
Städte sind eine große Errungenschaft. Sie ermöglichen Menschen ein selbstbestimmtes Leben. Doch viele Stadtbewohner hadern mit dem beschleunigten, vernetzten, von globalen Kräften geprägten Arbeits- und Lebensstil, den die Stadt ihnen abverlangt.
ZEIT ONLINE widmet sich eine Woche lang dem guten Leben in der Stadt. Wir stellen Projekte und Ideen vor, dank derer sich der Wunsch nach mehr Freiraum, nach Natur und Teilhabe mit einem Leben in Ballungsräumen vereinbaren lässt.
Von Eisenhüttenstadt über New York bis Basel finden unsere Autoren gute Gründe, auch die Zukunft in großen und kleinen Städten zu verbringen. Weil man in ihnen schwimmen und Gemüse anbauen, sie der Nase nach oder mit dem Fahrrad entdecken kann.
- Die Folgen der Serie
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Lust auf Stadt: Das gute Leben bleibt urban
Eisenhüttenstadt: Eine Stadt wartet auf ihre Pointe
Tempelhofer Feld: Entfaltung auf dem Rollfeld
Schwimmen im Rhein: Wie Basel lernte, im Fluss zu leben
Smellscapes: Die Stadt mit der Nase entdecken
Stadtleben mit Kind: Kleine Menschen unter vielen
Landleben mit Kind: Die Härte des Lebens in kindgerechten Dosen
Stadt für Senioren: Ohne Aufhebens aufeinander achten
Wohngemeinschaft: Eine Siedlung für alternde Künstler
Städte im Film: Paris von unten, New York von innen
Orte der Stille: Die Stadt der leisen Töne
Grüne Stadt: Klimaanlagen mit Wurzeln und Laub
Bauen mit Holz: Atmende Fassaden statt Platte
Fahrrad in der Stadt: Mit dem Rad durch offene Türen
Seilbahn: Leise über den Dächern reisenAlle Beiträge zur Themenwoche finden Sie hier.
Paris
Sie glauben noch immer, Paris sei die Stadt der Liebe.
Dann können Sie sich Filme wie Ein süßer Fratz mit Audrey Hepburn von 1957 oder Die fabelhafte Welt der Amélie mit Audrey Tautou von 2001 ansehen. Ganz Hartgesottene naschen dazu Pralinen.
Sie mögen es gern etwas untergründiger.
Subway von Luc Besson: Isabelle Adjani als gelangweilte Bourgeoise mit dem schönsten Irokesenschnitt der Filmgeschichte und Christophe Lambert mit einem Blick, so schräg wie die Story, verbringen einen Großteil des Films in der Metro und deren Tunneln. Dazu spielt wirklich trashige Achtziger- Jahre-Musik.
Sie wählen die Piraten-Partei.
In Diva von Jean-Jacques Beineix beschafft sich ein junger Mann illegal die Aufzeichnung einer Opernarie, was schon 1981 ein Delikt war. Im Folgenden geht es um die Verfolgung des Urheberrechtsverletzers durch ganz Paris.
London
Sie mögen Schauer.
Hitchcock hat seine erfolgreichsten Filme in Amerika gedreht, obwohl er Brite war. Für Frenzy kam er 1970 zurück. In dem Thriller geht es um Essen, Sex und Mord – vielleicht weil er in England spielt, eine besonders haarsträubende Verbindung. Fingerknochen, die in einer Szene gebrochen werden, machen die gleichen Knacklaute wie die Grissinis, die später gereicht werden. Abgesehen davon gibt es den alten Obst- und Gemüsegroßmarkt Londons in Covent Garden zu sehen und eine der besten Suspense-Szenen des Meisters mit einer vollkommen tonlosen Kamerafahrt. Danach können Sie sich eine hübsche Krawatte kaufen gehen.
Auch mehr Schauer stören Sie nicht.
Dann gönnen Sie sich einen Abend im Dienste seiner Majestät mit Dame, König, As, Spion von 2011. Neben dem Gesicht von Gary Oldman, der als alternder MI5-Agent brilliert, kann man auch das Victoria and Albert Museum in South Kensington bewundern. Das diente der Bestseller-Verfilmung als Drehort für den Circus, den Sitz des Geheimdienstes.
Beides nichts für Sie, denn Sie sind ein ganz ein netter Mensch?
1999 erlebte Notting Hill ungeahnte Touristenanstürme, weil der Regisseur Roger Michell die zwei Großstars Julia Roberts und Hugh Grant in den Stadtteil brachte, der fortan als trendig galt. Sie ist eine berühmte Schauspielerin, er ein kleiner Buchhändler (also im Film jetzt), sie verlieben sich. Happy End.
- Datum 14.09.2012 - 10:03 Uhr
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