Nach knapp 20 Minuten könnte der Film bereits zu Ende sein. Da zieht der Zeitforscher Karlheinz Geißler gerade das Fazit: "Wir haben nicht zu wenig Zeit, sondern zu viel zu tun, beziehungsweise glauben wir, dass wir zu viel zu tun haben." Doch der Berliner Dokumentarfilmer Florian Opitz trifft noch eine Menge weiterer interessanter Menschen, um sie mit einem sehr persönlichen Problem zu konfrontieren: "Sobald ich auf meiner To-Do-Liste eine Aufgabe abgehakt habe, kommen unten fünf neue hinzu". 

Opitz, Jahrgang 1973, verbrachte eigener Aussage nach seine Jugend in Baden-Baden als Pfadfinder und Punk, dann hat er studiert. Heute lebt er in Berlin . Mit seinem Kinodebüt Der große Ausverkauf , einem Dokumentarfilm über das weltweite Phänomen der Privatisierung, landete er 2007 einen Erfolg, dann wurde sein Leben stressiger.

In seinem neuen Film Speed – Auf der Suche nach der verlorenen Zeit präsentiert er sich als vielbeschäftigter Regisseur und Familienvater, der mit dem Handy telefoniert, während er das Kind anzieht. Zeitraffer-Aufnahmen zeigen Opitz auf dem Fahrrad durch Kreuzberg rasen, mit dem Kaffee im Pappbecher in der U-Bahn, mit müden Augen vor dem Bildschirm. So sieht es aus, das anstrengende Leben in der Großstadt, oder vielleicht auch nur dessen Klischee. "Ich habe immer irgendwie zu wenig Zeit", lautet Opitz' Bestandsaufnahme. Und weil er das für ein allgemeines Problem hält, macht er sich auf, in drei Filmkapiteln die verlorene Zeit zu suchen.

So sehen wir Opitz in einer deutschen Kongresshalle bei dem Vortrag eines sogenannten Zeitmanagement -Gurus und im Therapiegespräch bei einem Burnout -Experten. Seine Begegnungen kommentiert Opitz aus dem Off, und wir erfahren, dass beide Männer ihm nicht wirklich helfen können. Im zweiten Teil des Films löst Opitz sich von der persönlichen Ebene und macht sich auf die Suche nach denen, die "das große Hamsterrad antreiben".

Das ist mitunter durchaus erhellend, etwa wenn der Sozialwissenschaftler Hartmut Rosa erläutert, dass das Gefühl der permanenten Beschleunigung die Menschen auch zu früheren Zeiten schon quälte. Oder wenn Opitz erfährt, dass bei Reuters Nachrichten für die Finanzwelt längst von Computern im Mikrosekundentakt generiert werden, weil das menschliche Gehirn dafür viel zu langsam ist.

Viele Aussagen im Film könnten eindrucksvoll für sich stehen. Leider bebildert Opitz seine Behauptung, das Leben sei so stressig, ständig unnötig plakativ. So unterbrechen den Film immer wieder Zeitrafferaufnahmen von Menschenmassen und Verkehr, lautstark begleitet vom Elektrorock der Kölner Band "Von Spar" . Selbst Interviews werden dafür unterbrochen – auf die Dauer ist das äußerst enervierend.