"The Cabin in the Woods": Ein Horrorfilm für den klugen Voyeur
"Cabin in the Woods" ist ein intelligenter Horrorfilm. Die Idee: Sowohl Zuschauer als auch Produzenten solcher Filme sind Voyeure – beileibe kein ungefährliches Vergnügen
© Universum Filmverleih

"Wow!", denkt er (Jesse Williams). Sie (Kristen Connolly) glaubt, es sei nur ein Spiegel.
B-Movies, die sich der rituellen Zerhackstückelung junger Menschen widmen, erfreuen selbst ohne Anspruch ihre treue Anhängerschaft. Auch die Filmemacher Drew Goddard und Joss Whedon, die sich von ihrer gemeinsamen Arbeit für die erfolgreiche Fernsehserie Buffy – Im Bann der Dämonen kennen, zeigen sich fasziniert von diesem Subgenre des Horrorfilms, dem Teenie-Slasher-Film. "Warum haben wir als Menschen das Bedürfnis, zuzusehen, wie Jugend marginalisiert, objektiviert und zerstört wird?", fragt sich der Regiedebütant Goddard, und sein Produzent Whedon spekuliert: "Das ist ein Teil von uns, tief in uns drin, dunkel, primitiv, versteckt, der danach verlangt, dass wir diese Menschen auf der Leinwand opfern."
Aber so, wie die meisten Horrorfilme heute daherkommen, haben sie für die beiden Filmemacher an Reiz verloren. "Ich liebe Horror", bekennt Whedon. "Aber die Geschichten werden immer vorhersehbarer, die Morde immer abstoßender und die Kids immer austauschbarer. Alle Anstrengungen richten sich auf die Ausgestaltung der Folterinstrumente, keinerlei Mühe macht man sich beim Aufmöbeln der Dialoge. Damit entwertet man nach und nach das Ritual."
Das Ritual – in The Cabin in the Woods zelebrieren es Goddard und Whedon als subversiven Angriff auf die Einfältigkeit festgefahrener Genrekonventionen und zugleich als blutspritzende, nun ja, Hommage an legendäre Teenie-Slasher-Filme wie Sam Raimis Tanz der Teufel aus dem Jahr 1982.
Wie dieser beginnt auch The Cabin in the Woods mit einem unbeschwerten Urlaub junger Menschen in der Natur. Fünf Collagefreunde, die alle Rollen des Horror-Casts besetzen (der Denker, der Athlet, die Jungfrau, die Hure und der Narr), fahren mit einem Wohnmobil hinaus ins Gebirge fernab der Zivilisation. Weit und breit nur Wald, darin ein stiller See und die kleine, alte, titelgebende Hütte. In deren Keller entdecken die fünf eine kuriose Rumpelkammer mit Puppenhaus und Spieluhr, alten Filmrollen und Spielkarten, einem Medaillon und einem Tagebuch. Es sind die Notizen eines Mädchens, deren Familie vor langer Zeit in dieser Hütte lebte. Die Jungfrau Dana (Kristen Conolly) beginnt aus dem Buch vorzulesen – und lässt damit den Schrecken auferstehen in Form von blutrünstigen Zombies.
Das Mädchen entscheidet sich damit für eine unter mehreren Optionen ihres Schicksals, die ein Team an Wissenschaftlern für die Jugendlichen vorgesehen haben. Denn tief unter der Erde wird das Gemetzel im Wald von einem Kontrollraum aus beobachtet und beeinflusst.
Hier sitzen die beiden Verantwortlichen, die dubiosen Forscher Hadley (Bradley Whitford) und Sitterson (Richard Jenkins), vor Dutzenden Bildschirmen und Schalthebeln und steuern die Jugendlichen scherzend und emotionsarm in den qualvollen Tod. Als deren Schicksal besiegelt scheint, knallen im Kontrollraum die Sektkorken.
Mit der Handlungsebene der aus der Distanz beobachtenden Wissenschaftler erschaffen Goddard und Whedon eine Allegorie auf Filmemacher und Zuschauer von Horrorproduktionen. Das Bedürfnis des Publikums nach Spannung und Angst befriedigen Gruselproduzenten mit immer neuen Variationen des Blutvergießens. Aber nur noch selten ist der Effekt eine aufregende Unterhaltung, sondern meist Abstumpfung und Anspruchslosigkeit. Das Teenie-Slasher-Genre war immer blutig, mit Klassikern wie John Carpenters Halloween von 1978 hat es aber schon weitaus Kreativeres hervorgebracht als das, was heutzutage produziert wird. Gegen diesen Missstand starten Goddard und Whedon einen parodistischen Frontalangriff, indem sie zur Überraschung der beiden Wissenschaftler zwei Jugendliche überleben lassen. Es gibt kein wohliges Gruseln aus der Distanz, sagen sie. Nicht für die Wissenschaftler. Und nicht für den Zuschauer.
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Zwar wirkt die allegorische Konstruktion des Horrorlabors samt dem philosophischen Überbau, der sich erst am Ende erschließt, bisweilen etwas schwammig. Mit seiner überbordenden Fantasie und auch viel Blutrünstigkeit in hochgetaktetem Rhythmus bietet The Cabin in the Woods jedoch eine aberwitzige Erfrischungskur für das Teenie-Slasher-Genre. Das vermag auch jene zu begeistern, denen Splatter-Filme aus gutem Grund oft zu einfältig sind.





Jeder, der sich kritisch über Slasher- und sonstige Trash-Filme mit viel Gewalt und Blut äußert, läuft Gefahr, für engstirnig, borniert oder vorgestrig gehalten zu werden. Hinter jedem zweiten Titel dieses "Genres" wird zur Zeit ein verkanntes Meisterwerk vermutet, der Zeitgeist führt zu überbordenen Lobeshymnen. Man denkt unwillkürlich an die Zeiten der New Economy, als man hinter jeder Internet-Aktie den neuen Börsenstar vermutete. Nicht zu vergleichen? Die Mechanismen sind die gleichen: Der Hype verstellt den Blick aufs Fundamentale. Man möchte dabei sein, nicht außen stehen. Und man möchte cool sein, mitreden können. Auch wenn das Schauen von Slasher-Filmen schon längst kein Alleinstellungsmerkmal ist, weil es fast alle tun: Es scheint so eine Art Gegenkultur darstellen zu wollen, eine Art billiger, passiver Protest, weil man mit den real existierenden Verhältnissen und grundsätzlichen Werten eh nichts mehr anfangen kann und sie etwa in der Politik auch nicht mehr vorgelebt bekommt. Slasher statt Occupy. Ersteres ist die mit Sicherheit bequemere, ja billigere Variante und passt auch wesentlich besser ins real existierende Konsumsystem und seinem schnellen Thrill. Sich mit der Wirklichkeit zu beschäftigen ist ja so ermüdend. Dann doch lieber Nervenkitzel pur, mit immer rüderen Methoden. Augenzwinkernd, klar, man möchte ja nicht für naiv gehalten werden. Und ist doch schon längst hereingefallen ...
...weniger verraten! Je unbedarfter man an den Film herangeht, desto besser. Nicht mehr wissen, als der Trailer verrät!
Der Film hat einige Schwächen, ist aber meiner Meinung nach ein Kleinod unter den Horrorfilmen.
Das Telefonat mit dem verrückten Tankwart, herrje, das war herrlich. Im Kino hätte ich dafür einige böse Blicke geerntet, wegen meines lauten Lachen.
Aber wer Horrorfilmen irgendeine ernsthafte Filmkritik abverlangen will...Es ist pure Unterhaltung, einen poetisch-melancholischen Dialog á la sein-oder-nicht-sein des Mörders vor Ansetzen der Kettensäge zu erwarten, nun ja.
Man versteht sich :-)
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