Michael Haneke im Mai auf dem Filmfestival in Cannes. © Vincent Kessler/Reuters

ZEIT ONLINE: Ihr Film heißt Liebe . Wir sehen aber einen Mann, der am Ende seine pflegebedürftige Frau tötet. Kann Liebe so weit gehen?

Michael Haneke: Wenn ich diese Frage beantworte, ist das kontraproduktiv. Ich interpretiere meine Filme nicht, weil sich der Zuschauer diese Fragen selbst stellen soll.

ZEIT ONLINE: Sie geben aber Hinweise: Der Film heißt Liebe , und in den ersten Szenen wird klar, dass sich das Ehepaar in Zuneigung verbunden ist.

Haneke: Liebe ist ein komplexer Begriff. Man kann alles Mögliche darunter verstehen. Außerdem ist ein Titel immer nur ein Werbeträger, der in erster Linie dazu da ist, den Zuschauer ins Kino zu bringen. Dieser Titel stammt im Übrigen nicht von mir, sondern von dem Hauptdarsteller Jean-Louis Trintignant. Ich hatte – wie meistens – eine ganze Liste von Vorschlägen, mit denen ich aber nicht zufrieden war. Wir saßen in Paris beim Mittagessen und dann sagte er plötzlich: "Der Film handelt doch von Liebe, warum heißt er dann nicht Liebe ?" "Ja, wunderbar", sagte ich.

ZEIT ONLINE: Also glaubt auch Trintignant, dass der Film von Liebe handelt.

Haneke: Tut er ja auch. Aber das ist keine Antwort auf Ihre Frage.

ZEIT ONLINE: Die Frage war: Wie weit kann Liebe gehen?