Film "Für Elise": Mama, Du feierst zu viel
Die Tochter erzieht die Mutter: Wolfgang Dinslages Mutter-Tochter-Drama "Für Elise" findet ausgewogene Bilder für ein in die Schieflage geratenes Verhältnis.
© Farbfilm

Elise bemüht sich um ihre Mutter.
Im Wohnzimmerschrank steht ein handbemaltes Holzkästchen. Dort versteckt Elise (Jasna Fritzi Bauer) die unbezahlten Rechnungen. Sie muss den Papierstapel kräftig herunterdrücken, damit auch die neuen Mahnungen hineinpassen.
Seit der Vater vor zwei Jahren bei einem Unfall gestorben ist, lebt das 15-jährige Mädchen allein mit seiner Mutter Betty, die den Verlust des Ehemannes durch ein ausschweifendes Partyleben mit rasch wechselnden Herrenbekanntschaften und jeder Menge Alkohol kompensiert. Wenn Betty (Christina Große) wieder einmal morgens um drei Uhr sturztrunken nach Hause kommt, lässt sie sich neben der Tochter ins Bett fallen und schließt das Kind in ihre Arme. Denn auch, wenn sie sich der mütterlichen Verantwortung entzieht, mit der Miete hoffnungslos im Rückstand ist und für jeden Elternabend eine andere Ausrede bereithält, liebt sie die Tochter voller Zärtlichkeit.
Elise dagegen kann das Leben an der Seite ihrer Mutter kaum ertragen. Das nächtliche Alleinsein, die Versöhnungsrituale am Morgen, die Saufgelage, die Betty mit ihren Freunden in der Wohnung veranstaltet, während sie versucht, für die Mathematik-Arbeit zu lernen. Manchmal packt Elise die Wut und dann wirft sie die Bierflaschen vom Balkon und die Partygäste aus der Wohnung. Schließlich ist das Mädchen in der Pubertät – eine Lebensphase, in der man sich eigentlich von der Mutter abgrenzt und nicht auch noch die Verantwortung für sie übernehmen muss.
Als Betty in einem Club Ludwig (Hendrik Duryn) kennenlernt, scheint sich das Verhältnis von Mutter und Tochter zu ändern, denn der ist keiner der üblichen Loverboys, sondern ein gestandener Mann mit schicker Altbauwohnung, Einbauküche und zwei Kindern, die noch bei ihm leben, bis die Sorgerechtsfragen geklärt sind. Betty klammert sich an ihn wie an einen Strohhalm und auch Elises kritischem Urteil hält der etwas verunsicherte, alleinerziehende Vater stand – bis sie sich in ihn verliebt.
Mit seinem Regiedebüt Für Elise entwirft Wolfgang Dinslage ein Mutter-Tochter-Drama, das vor allem durch die differenzierte Zeichnung der Charaktere überzeugt.
Wie leicht hätte dieser Stoff zur Seifenoper werden können, aber Dinslage und seine Drehbuchautorin Erzsébet Rácz finden für ihr Drama genau den richtigen Erzählton, der viel Raum für Nuancen lässt und die Figuren konsequent vor Stereotypisierungen schützt.
Auch wenn Elise und ihre Mutter im Plattenbau wohnen, wird das Setting nicht zu der üblichen Sozialtristesse ausgebaut. Die Figuren sind hier nicht Opfer der Verhältnisse, sondern selbstständig agierende Charaktere, die mit der Verantwortung für ihr eigenes Handeln konfrontiert werden.
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Das Thema Alkoholismus wird hier ohne jede Larmoyanz verhandelt. Das zerstörerische Potenzial der Sucht wird deutlich, aber im Zentrum bleibt die Beziehung zwischen Mutter und Tochter, die mit hoher Sensibilität und emotionaler Tiefe ausgelotet wird.
Die fabelhafte Christina Große entwirft hier das hoch differenzierte Porträt einer Alkoholikerin, ohne sich in Tour-de-Force-Allüren zu versteigen. Die Stimmungsschwankungen werden immer wieder durch kurze, helle Momente abgefedert und selbst im Vollrausch mutiert die Mutter nie zum Monster.
Die junge Jasna Fritzi Bauer (Ein Tick anders) erweist sich als absolut ebenbürtige Partnerin und positioniert ihre Figur präzise zwischen Mitgefühl und Hass, Verlorenheit und erstarkender Willenskraft. Diese Elise ist alles andere als ein wandelndes Teenagerklischee und ihre Leidenschaft für klassische Musik und Klavierspiel bietet einen guten Kontrapunkt zum dramatischen Handlungsverlauf.
Einzig in der Zielgeraden gerät der Film in die Schieflage, weil er die Plot-Schraube um ein bis zwei Drehungen zu fest anzieht – ein marginaler Makel in einem viel versprechenden Kinodebüt.









Realität kommt sicherlich vor.
Eine weitere Tragödie, mal schauen wann es eine wirklich gute Kommödie gibt, die bevorzuge ich aktuell da ich Leid und Mord nach vierzig Jahren auf der Leinwand mittlerweile ausschließe.
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