James BondDie Spezialeffekte ihrer Majestät

Düsenrucksäcke, Navigationssysteme, Gesichtsscanner. Was James-Bond-Gadgets mit unserer realen Lebenswelt zu tun haben, erklärt der Bond-Experte Siegfried Tesche. von 

ZEIT ONLINE: Herr Tesche, Sie beschäftigen sich seit Jahren mit James Bonds Spielzeugen, Waffen, Autos und anderen Spezialgeräten. Welches ist ihr Lieblings-Gadget?

Siegfried Tesche: Es gibt zwei – der Aston Martin aus Goldfinger (1964), der mit Vernebelungsanlage, Ölsprüher, Maschinengewehren, Reifenschlitzern und Schleudersitz ausgestattet war. Und natürlich der Düsenrucksack in Feuerball (1965).

Anzeige

ZEIT ONLINE: Viele Dinge, die in Bond-Filmen vorkommen, galten zu ihrer Zeit als unerhört und futuristisch, sind heute aber normale Gebrauchsgegenstände wie etwa ein Navigationssystem. Waren manche Geräte ein Testlauf für Prototypen?

Siegfried Tesche

ist Journalist und Autor. Er hat mehrere Bücher über die James-Bond-Filme und Sean Connery verfasst und eine filmhistorische Ausstellung über 007 konzipiert. Tesches Das große James Bond Lexikon ist gerade als E-Book erschienen. 

Tesche: Ja, das war tatsächlich in mehreren Fällen so: Die Unterwasserkamera in Feuerball 1965 war zum Beispiel ein Prototyp der Nikonos I. Und als Goldfinger 1964 gedreht wurde, war der Einsatz von Laser-Technik noch längst nicht serienreif. Auch bei Uhren greifen die James-Bond-Filme neue Erfindungen auf. In der Parodie Casino Royale von 1967 gibt es eine Uhr mit Monitor, in Octopussy von 1983 hat Bonds Seiko eine Zoom-Funktion und Fernsehempfang. Diese Uhr gab es später tatsächlich zu kaufen, allerdings benötigte man zum Empfang zusätzliche Kabel und ein Extra-Gerät.

ZEIT ONLINE: In Diamantenfieber aus dem Jahr 1971 sind schon ein biometrischer Fingerabdruck-Scanner und falsche Fingerkuppen im Spiel. In In tödlicher Mission von 1981 werden Gesichter mit einem 3D-"Identigraphen" erkannt. Inwiefern spiegeln sich reale Entwicklungen auch der Geheimdienste und Regierungen in Bond-Filmen wider?

Tesche: Die Filmemacher haben tatsächlich mit dem britischen Geheimdienst gesprochen und sich bestätigen lassen, welche Entwicklungen dort gerade vorangetrieben wurden. Der ehemalige KGB-Agent Oleg Gordievsky, der später in den Westen überlief, erzählte, dass der KGB die James-Bond-Filme immer mit Spannung anschaute, denn man wusste: Was dort zu sehen war, hatten die westlichen Geheimdienste schon längst erfunden. Markus Wolf , der ehemalige Leiter des Auslandsnachrichtendiensts der DDR, sagte in einem Gespräch, dass die Bond-Filme, "Lehrmaterial" für seine Mitarbeiter gewesen seien. Offiziell sei die Serie natürlich verpönt gewesen als "abschreckendes Beispiel für die westliche Lebensweise".

Wirkt heute fast rührend: Der Aston Martin DB5 aus "Goldfinger" und "Feuerball" mit Knöpfen für Ölsprüher, Nägeln, Rauch und MG-Feuer

Wirkt heute fast rührend: Der Aston Martin DB5 aus "Goldfinger" und "Feuerball" mit Knöpfen für Ölsprüher, Nägeln, Rauch und MG-Feuer  |  © Carl Court/AFP/Getty Images

ZEIT ONLINE: In der Romanvorlage von Ian Fleming spielen Spezialgeräte keine besonders große Rolle. Woher kommt diese Technikversessenheit der James-Bond-Filme?

Tesche: Harry Saltzman, bis 1975 Ko-Produzent der Bond-Filme, war ein Technikfreak. Er hatte diverse Wissenschaftsmagazine abonniert und kam ständig mit neuen Ideen an. Nach dem großen Erfolg von Goldfinger 1964 merkte man, dass die Zuschauer auf diese technischen Neuerungen ansprangen und rüstete für Feuerball nach.

Leserkommentare
    • Mieheg
    • 31. Oktober 2012 12:46 Uhr

    Ich Frage mich ob man im Alter seine Entscheidungen nicht ein bisschen bereut, wenn man sich sein ganzes Leben mit Gegenständen aus einer Filmreihe beschäftigt hat. Soviel zur Überflussgesellschaft :)

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • mkretz
    • 01. November 2012 1:22 Uhr

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf persönliche Angriffe anderen Usern gegenüber und beteiligen Sie sich argumentativ an der Diskussion. Danke, die Redaktion/jp

    • mkretz
    • 01. November 2012 1:22 Uhr
    2. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf persönliche Angriffe anderen Usern gegenüber und beteiligen Sie sich argumentativ an der Diskussion. Danke, die Redaktion/jp

    Antwort auf "Lebenssinn?"

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service