"Wetten, dass...?"Samstagabend. Familie. Couch.

Hundefrisuren, Promis und Kandidatenglück: Markus Lanz beschwört in seiner "Wetten, dass…?"-Premiere alte Werte der TV-Unterhaltung – ohne Innovationen. von 

20.18 Uhr. Die wichtigsten drei Minuten in Markus Lanz ‘ Karriere sind vorbei. Wetten, dass…? hat begonnen. Unzählige Zeigefinger hämmern in diesem Moment auf Twitteraccounts und diverse Live-Ticker ein. Nicht weniger als das TV-Ereignis 2012 wird angeblich an diesem 6. Oktober verhandelt: Kann Lanz Wetten, dass…? Kann er es besser als Gottschalk, der zeitgleich auf RTL das Supertalent moderiert?

Was hat Lanz nicht alles getan im Vorfeld, um den Coolen zu geben: einen Tandem-Fallschirmsprung mit Frank Elstner , einen Cameo-Auftritt als Putzmann in der Wetten, dass...? -Persiflage von Switch Reloaded . Fernsehereignis des Jahres? Quatsch, tiefstapelte der Moderator noch vor ein paar Tagen: "Es ist Samstagabend. Familie. Badewanne."

Anzeige

An diesem Samstagabend treten aber tatsächlich nicht nur zwei Moderatoren gegeneinander an, sondern vor allem zwei grundverschiedene TV-Formate: einmal das Old-school-Fernsehen Wetten, dass…? : ein freundliches Format, bei dem Kandidaten und Promis zusammenhalten zugunsten der Unterhaltung. Auf der anderen Seite das Supertalent , ein knallharter medialer Spießrutenlauf mit der Erniedrigung der Kandidaten durch eine Jury aus Promis – auch zugunsten der Unterhaltung. Mehr als Lanz steht die Sendung Wetten, dass...? auf dem Prüfstand. Ist sie noch zeitgemäß oder ein mediales Auslaufmodell?

Zurück zum guten alten Samstagabend-Traditionsfernsehen

Dass es keine Show der neuen Rekorde werden würde, konnte man schon an der Auswahl der Gäste sehen. Der Top Act Jennifer Lopez war schon vier Mal bei Gottschalk, der Tenor Rolando Villazón ebenfalls, Karl Lagerfeld schon sechs Mal. Nein, man wollte keine Höher-weiter-besser-Show, sondern zurück zum guten alten Samstagabend-Traditionsfernsehen. Menschlicher sollte es zugehen, der Blick liebevoll auf die Wettkandidaten gerichtet statt auf die Promis auf PR-Tour.

Doch so richtig menscheln wollte es zunächst nicht, auch wenn Kandidaten und Wettpaten einträchtig händchenhaltend in die Halle einliefen. Die Vorstellungsrunde gestaltete sich zäh, ein desinteressierter, nuschelnder Karl Lagerfeld ließ seinen kärtchenlesenden Gastgeber ablaufen. Als Lanz den Designer hartnäckig nach dessen Begriff von Spaß löcherte, war man schon fast dankbar, als plötzlich der Ton ausfiel.

Mit seiner Neuerung, alle Wettpaten gleichzeitig zu Beginn der Show einmarschieren zu lassen, hatte sich der Moderator keinen Gefallen getan. Wie ein Haufen unglücklicher Vögel saßen Jennifer Lopez, Lagerfeld, das Ehepaar van der Vaart, NRWs Ministerpräsidentin Hannelore Kraft , der Schauspieler Wotan Wilke Möhring, der Comedian Bülent Ceylan und der Tenor Rolando Villazón auf der sichelförmigen Hartplastik, die die gute alte "Couch der Nation" ersetzt hatte. Dazwischen irrlichterte Lanz mit dem Versuch, anhand von drei Fragen zum Seelenleben seiner Gäste durchzudringen. Zu Jennifer Lopez: "War das dein Freund, der Tänzer mit dem nackten Oberkörper?"

Nun: die Sendung ist dieselbe geblieben, es gibt ein paar Neuerungen wie die "Lanz Challenge", in der der Moderator gegen einen zufällig ausgewählten Kandidaten aus dem Publikum antritt. Viele hatten vom sportlichen Moderator eine abenteuerliche Darbietung erwartet. Doch die Prüfung bestand schlicht daraus, möglichst viele Liegestütze mit einem Bierkasten auf dem Rücken zu absolvieren.

Leserkommentare
    • rugero
    • 07. Oktober 2012 9:20 Uhr

    .... ist das Product Placement von AUDI als Konstante geblieben.

  1. ZDF Ziegruppe erreicht. Bei nächsten Mal bitte noch etwas Volksmusik.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    auf ARD ._.

    Ich hab nach 5 Minuten die Glotze ausgemacht und bin zocken gegangen. Länger hab ich den Lanz nicht ertragen können. Der war mir schon immer zu verweichlicht.

    • Gerry10
    • 07. Oktober 2012 9:24 Uhr

    ...aber mit "Wetten, dass..." verbinde ich instinktiv genau das: Samstag Abend, Familie, Häuslichkeit.
    Ist nun auch schon über 10 Jahre her, dass ich mir eine Sendung angesehen habe.
    Wir befinden uns, auch wenn die Politiker es nicht wahr haben wollen, in einer Krise die noch viele Jahre andauern wird.
    Ein nostalgischer Blick zurück ist da nicht unbedingt schlecht, solange man den Kopf auch wieder nach vorne dreht.
    Wer weis, wenn die Sendung wieder zu ihren Wurzeln zurückkehrt schau ich mal rein ;-)

    Eine Leserempfehlung
    • Infamia
    • 07. Oktober 2012 9:28 Uhr

    Egal wie und was Lanz bei "Wetten, dass..." macht, die Medien scheinen immer einen Grund zu finden, an diesem Format rumzukritteln. Man hat fast den Eindruck, diese Sendung ist wichtiger als eine Ansprache Merkels zur Lage der Nation.

    Lasst den Leuten doch ihr "Wetten, dass...". Die Quote wird schon zeigen, ob Lanz damit richtig liegt oder ob er was verändern muss oder ob die Sendung inzwischen überflüssig geworden ist.

    Ich schau es nicht, gönne den Menschen aber ihr "Wetten, dass...". Nur weil ich es nicht sehe, heißt es ja nicht, dass es gleich abgesetzt werden muss. Wer bin ich denn? Ich schaue auch keinen Musikantenstadel, aber offensichtlich gibt es Menschen, die so etwas schauen.

    Dieses Rumgemähre in Deutschland, wie eine Sendung zu sein hat oder ob sie abgesetzt gehört (übrigens auch von den Zeit-Foristen hier), finde ich selten anmaßend. Es gibt für jeden ein Format, nur eben nicht für alle.

    Antwort auf
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    zur Lage der Nation..sagen Sie.

    Die Sendung selbst ist die Lage der Nation!

    Unterhaltend muss eine Sendung sein, Samstags Abends auch für alle Generationen. War da irgendwas bei, für ältere?
    Nein! Diese blöden weissen Figuren da auf der Bühne oder der mit der Tiermaske-wer braucht denn dass?

    Es war nicht gut- will heissen, Lanz soll es gefälligst nächstes Mal besser machen.
    Er hat noch den Bonus- "Beim ersten Mal tuts noch weh"

  2. Die Sendung habe ich mir nicht angesehen. Hätte mich zu Tode gelangweilt. Und das war von vornherein klar.

    Stattdessen wollte ich heute die Kritiken genießen. War wohl nichts.....

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Moika
    • 07. Oktober 2012 13:17 Uhr

    Dann können Sie hier eine weitere gute Kritik "genießen":

    http://www.handelsblatt.com/panorama/aus-aller-welt/wetten-dass-eine-qua...

  3. "Eine Frau, die sich einer lächerlichen Situation ausgesetzt hat, wird dennoch nicht lächerlich gemacht."
    -

    Wirklich nicht? Da ist dem Lanz aber zumindest schwer gefallen, die verunsicherte Frau wollte ihre Leute grüßen und das wird lächerlich gemacht? In Wahrheit haute Lanz seine KandidatInnen andauernd in die Pfanne und störte die Ausführung der Wetten mit permanenten Motivationsgequatsche Der Slackliner hätte ohne Lanz seine Übung geschafft, die Hundefrau war durch Lanz schon völlig verunsichert.

    Lanz neigt zu einer Kerner-haften Distanzlosigkeit bei der Gesprächsführung, die tatsächliche Distanz zu Kandidaten und Promis könnte aber kaum größer sein. Ein wirkliches Interesse an den Wett- und Promigästen ist nicht zu erkennen. Richtig vorbereiten wollte man die Interviews *lach*, die Lanz-Gespräche waren mit ihren dummen und unverschämten Fragen regelrecht peinlich. Gottschalks Plaudereien sind interessanter.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Sorry, habe mir die Sendung angeschaut, gezwungenermaßen könnte ich schreiben, weil die weibliche Übermacht nicht umschalten wollte. Was solls... ein paar Gäste fand ich ziemlich gut, Herr Lagerfeld, der von Herrn Lanz unwitzigerweise öfters in dämliche Situationen gebracht wurde, Cindy aus M???, Schauspieler Wotan???, Campino, der Opernsänger. Trotzdem hatte auch ich das Gefühl, dass sich Herr Lanz gerne ein wenig in den Vordergrund quatscht und eigentlich nicht an seinen Gästen interessiert ist, es auch nicht irgendwie heucheln könnte. Gibt bestimmt auch vielen, denen es gefallen hat, mir war es zuviel Klamauck. Trotzdem, viel Spaß weiterhin.

    • APGKFT
    • 07. Oktober 2012 10:54 Uhr

    und das Gequatsche von Gottschalk nicht vermisst.

    Ich kann weizenkeim nur absolut zustimmen. Lanz hat die Wettkandidaten verunsichert, lächerlich gemacht und teilweise vorgeführt.
    Lanz hat nicht alles falsch gemacht, vieles war wirklich in Ordnung.
    Aber eine absolute Unverschämtheit war der Umgang mit Jennifer Lopez. Gottschalk hätte sie sofort nach ihrem Act mit Blumen beschenkt und begrüßt (Lanz blieb lieber sitzen). Auch die 2. Begrüßung vor dem Sofa wäre mit Gottschalk viel herzlicher und ausführlicher ausgefallen. Die dann von Lanz folgende Ausfragerei auf dem Sofa war einfach peinlich und verletzend. Die Tatsache das JLo danach ewig auf dem Sofa einfach sitzen gelassen, von dem widerlichen Möchtegern Türken-Comedian nachgeäfft und von dem nachfolgenden Act auch noch betatscht wurde, war der absolute Gipfel. Wäre ich Jlo oder ein anderer "Superstar", käme ich nie wieder zu Wetten Dass.
    Da ihr Auftritt und ihr Besuch zudem für das ZDF sehr teuer gewesen sein muss, war das die reinste Geldverschwendung

    Die Vorführung der Kandidaten gipfelte dann im Duell -Liegestütze mit Bierkasten auf dem Rücken- gegen einen nichtsahnenden Kandidaten aus dem Publikum. Jeder Normalo hätte max. 10 Stück geschafft (der Kasten wiegt 10kg), Lanz stemmt den Kasten, sicherlich auch dank guter Vorbereitung, fast 30 Mal, 7 mal häufiger als der Kandidat.

    Das war einfach nur ein ekelhafter "Schlag den Raab Anfall", nur das man bei Raab schon ahnt, worauf man sich einlässt.
    Andere erniedrigen zur Zuschaustellung der eigenen Größe.

    Während Gottschalk meistens nie ne Frage stellte, sondern einfach nen langen Satz formulierte, in dem er meistens der Welt zeigen musste, wie "dicke" er mit den Superstars ist, und dann auch noch in der Gegend rum schaute, meist auf der Suche nach den vorgeschriebenen Moderationstexten, fand ich, dass Lanz sich gestern mal was getraut hat. Ich dachte, die Lopez geht, bei den Fragen, und das ist doch schon mal nichts schlechtes, wenn der Moderator nicht immer auf Kuschelkurs ist. Auch das gleiche mit Lagerfeld: Man hätte mal was erfahren, wenn der Karl die Fragen auch beantwortet hätte...

    Außerdem vermisse ich das getatsche und gefummle von Gottschalk auch nicht, ich finde es gut, dass die Kandidaten, um die es in der Show ja auch geht, nicht nach ihren 2 Minuten auftritt wieder verschwinden, sondern an der Show teilhaben dürfen.

    Dass er die Kandidaten verwirrt hat, dem stimme ich zu, aber das würde ich seiner Unsicherheit zuschreiben. Das nächste Mal wird alles besser.

    Sehr süß fand ich auch, wie sich Rafael und Sylvie mit ihrem Kandidaten gefreut haben, wie sie zu ihm in sein Auto sind und nicht im Abschlussbild zu sehen sein mussten.

    Wir sollten endlich wegkommen von dem Gedanken, an dem Gottschalk auch immer so festhält. Nicht Gottschalk hat Wetten, dass... groß gemacht, sondern Wetten, dass... hat Gottschalk groß gemacht. Kein Zweifel, dass das auch ein andere kann, der auch in anderen Formaten überlebt, wie es ein Gottschalk nie kann.

    Mfg

    auch wenn es wohl einige gibt die irgendwelche persoenliche Animositaeten gegen ihn haben.
    Insgesamt erschrecken mich doch die rel. zahlreichen positiven Meinung zu Lanz. Ich verstehe nicht, wie offensichtlich relativ viele Zuschauer diese blutleere, verkrampfte, unwitzige, unspontane, gefallsuechtige Moderation eines heillos ueberforderten Lanz auch noch gut, oder zumindest gar nicht so schlecht fanden.... aber wahrscheinlich gefaellt es gerade deshalb, weil er ein Spiegelbild der meisten Deutschen ist und somit quasi symbolisch zeigt: jeder von uns Langweilern koennte Wetten dass moderieren.

  4. zur Lage der Nation..sagen Sie.

    Die Sendung selbst ist die Lage der Nation!

    Antwort auf "Egal wie"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Voce
    • 07. Oktober 2012 11:18 Uhr

    "....diese Sendung spiegelt die Lage der Nation wider ".

    Bekräftigt wird Ihre Feststellung zweifelsfrei auch durch das Erscheinen dieses Artikels gleich ganz oben auf der Startseite von Zeit-Online.

    • MarcoG.
    • 07. Oktober 2012 11:48 Uhr

    und wenn das Publikum wirklich Gefallen an diesem unglaublich humorfreien, rosaroten und glatten Geplänkel findet, ist die Lage vermutlich prekärer als gedacht...

    • uwilein
    • 07. Oktober 2012 18:18 Uhr

    dagegen?

    • Infamia
    • 07. Oktober 2012 18:36 Uhr

    "Die Sendung selbst ist die Lage der Nation!

    Wenn Sie knapp 13 Millionen Zuschauer als Bild dessen bezeichnen, was die Lage der Nation wiederspiegelt, tut es mir leid. Das sehe ich anders. 13 Millionen Zuschauer gefällt es, was aber noch lange nichts darüber aussagt, wie es um die Lage der Nation bestellt ist. Würden 13 Millionen Zuschauer "Deutschland sucht den Superstar" sehen, wäre mir schon etwas mulmiger zumute. Da waren es zum Glück nur 4,3 Millionen Zuschauer, was mir sagt, so schlecht kann es um die Lage der Nation nicht bestellt sein. Es war doch nur "Wetten, dass...", was die Mehrheit gesehen hat. Harmlos also.

    • ikonist
    • 07. Oktober 2012 9:36 Uhr

    der humor aus dem stegreif produzieren kann, wurde durch einen mann ersetzt, der nur witze erzählen kann

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service