Bienen-DokumentationSumm, summ, dumm – Die Bienen und der Mensch
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Tolle Bilder, aber zu viel Pathos

Hinzu kommt, dass man an einigen Stellen vor lauter Dramatik unfreiwillig schmunzeln muss. So zum Beispiel, als auf der Mandelbaum-Plantage grobschlächtige Arbeiter in Schutzanzügen mit schwerem Gerät Pestizide versprühen und eine von Millers summenden Arbeiterinnen treffen. Verlangsamt und in Nahaufnahme windet sich die benebelte Biene im Todeskampf, verklebt und benommen, bis sie schließlich rücklings aus der Mandelblüte fällt.

Wanderarbeiter statt Arbeiterinnen

Es gibt aber auch viele Szenen in More than Honey , die überraschen und deutlich machen: Um Bienen und Blumen geht es in der Honig- oder Bestäubungsindustrie schon längst nicht mehr. Die Branche ist global, gnadenlos und gigantisch. So werden Pakete, in denen lebende Zuchtbienen schwirren, von Robotern in der Postsortieranlage aufs richtige Band geschossen, gezüchtete Königinnen mitsamt Gefolge in kleinen Schachteln um die Welt geschickt.

In China sieht man Wanderarbeiter, die mit der Hand und kleinen Pinselchen Blüte für Blüte einer Plantage bestäuben, weil es dort zum Teil schon keine Bienen mehr gibt. Die Geschäftsfrau Zhang Zhao Su, die das Pollen-Pulver dazu verkauft, wirkt wie eine Koks-Dealerin in einem Hinterzimmer. Und auch Fred Terry, der Killerbienen-Imker, darf nicht fehlen. Seine afrikanisierten Bienenvölker lassen sich nicht einfach in Symbiose mit dem Menschen halten und sind vom Bienensterben kaum betroffen. Am Ende flüchten sie sogar aus ihren Stöcken in eine Felsspalte in der Wüste Arizonas.

Varroa-Milbe

Die Milbe Varroa destructor wurde im Jahr 1977 nach Europa eingeschleppt über befallene asiatische Honigbienen, die Wissenschaftler des Bieneninstitutes Oberursel zu Forschungszwecken nach Deutschland brachten.

Die Varroa-Milbe gilt als eine Hauptursache des seit einigen Jahren immer wieder auftretenden seuchenartigen Bienensterbens in Deutschland. Sie befällt die Larven und führt zu missgebildeten Bienen. Asiatische Bienen kommen mit der Milbe besser zurecht, sie erkennen und entfernen befallene Brutzellen und gebieten so der Vermehrung des Schädlings im Stock Einhalt.

Amerikanische Faulbrut

Die Amerikanische Faulbrut ist eine durch das Bakterium Paenibacillus larvae ausgelöste Infektion im Bienenstock. Die schon etwa entwickelten Streckmaden erkranken daran: Sie befinden sich in der bereits mit einem Wachsdeckel verschlossenen Brutzelle.

Im Erkrankungsverlauf löst sich die gesamte Körperstruktur der Larven auf und es bleibt nur eine zähe, braune und schleimige Substanz übrig, die später zu einem dunklen Schorf eintrocknen kann. Der Name "amerikanisch" bezieht sich nicht auf ein Ursprungsgebiet, sondern auf den Ort der Entdeckung. Die Krankheit tritt weltweit auf.

Europäische Faulbrut

Die europäische, auch Sauerbrut genannte Form wird durch Melissococcus plutonius und Bacillus alvei ausgelöst. Dabei werden die noch offenen Waben, in denen die sogenannten Rundmaden liegen, infiziert.

Tiermediziner erkennen die Erkrankung an den wässrig gewordenen, übel riechenden gelblich-weißen Überresten der Maden, die durch das Bakterium absterben.

Ein befallener Bienenstock ist nicht mehr zu retten. Um eine Ansteckung zu verhindern, muss dann das ganze Volk getötet werden.

Imhoof gelingen in seinem Film hervorragende Charakterstudien. Er hätte es dabei – und bei den beeindruckenden Flug- und Makroaufnahmen der Kameraleute Jörg Jeshel und Attila Boa – belassen sollen. Zumindest hätte der Regisseur nicht versuchen sollen, die wissenschaftliche Frage nach der Ursache des Bienensterbens mit den gesellschaftlichen Einblicken zu beantworten, die sein Film zweifelsohne liefert.

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Leserkommentare
  1. erinnert er an die wichtige Funktionen der Bienen.

  2. ... der über alle bisher ungelösten Fragen endgültig aufklärt?

  3. Nur leider setzen sich die großen Chemiefirmen dagen ein, dass es endlich akzeptiert wird und das nur wegen ein paar Hundert Millionen Euro - was ist dagegen schon die Ernährungssicherheit der Menschheit?

    http://www.seeddaily.com/reports/Use_of_common_pesticide_linked_to_bee_c...

    http://www.scinexx.de/newsletter-wissen-aktuell-14617-2012-03-30.html

    http://www.sciencedaily.com/releases/2012/09/120904101128.htm?utm_source...

    • h00bert
    • 05. November 2012 20:32 Uhr

    http://planete.zdf.de/ZDF/zdfportal/web/ZDF.de/planet-e/2942534/24385582...

    hier noch die Sendung, leider nicht mehr in der Mediathek zu finden

    http://www.youtube.com/watch?v=TEHa0P5IiqA

    Recht dreist wie sich die Chemiefirmen ala Bayer vor Ihre Blumenwiesen stellen und behaupten das Bienensterben kommt von der Varroamilbe und nicht von Neonicotinoiden (Nervengift).Diese Doku hat mich schockiert!!

    http://aktion-hummelschutz.de/neonicotinoide-neue-studie-sorgt-fur-aufre...

    „Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen, werdet ihr feststellen, dass man Geld nicht essen kann.“

    • Peugeot
    • 05. November 2012 21:24 Uhr

    Nun ja trotz aller hier geäusserter Kritik, DIE EINE Ursache für CCD wird wohl nicht leicht zu finden sein.

    Der aufmerksame Mensch allerdings wird wohl irgendwie spüren, dass Bestäubungsimkerei ala Miller nicht gut für die Bienen sein KANN. Hier häufen sich Massenhaltung mit Transportstress und Pestizidbelastung.

    Was er vielleicht nicht weiss: Die Reinzuchtbemühungen des Almöhi (Rasse A. m. Nigra) sind auch nicht unproblematisch. Die Erkrankungen an Sauerbrut häufen sich gerade in der Schweiz und werden u. a. mit unzureichendem Genpool der Nigra in Verbindung gebracht.

    Gifte, bes. Neonikotinoide, Monokulturen und Varroa sind unheilvoll für unsere Bienen. Gegen die Varroa kann Imker etwas tun, gegen die heutige Praxis der Landwirtschaft ist er nahezu machtlos.

    • RoH
    • 06. November 2012 10:13 Uhr

    Die Bilder im Trailer sind wirklich beeindruckend.

    Schnell würde man sich davon blenden lassen, deshalb vielen Dank für die kritische Rezension.

    Soweit man es bis jetzt beurteilen kann, handelt es sich um einen weiteren Film, wie es sie zu verscheidenen Themen in den letzten Jahren schon viele gab. Ich denke da an Filme wie "We Feed the World", "Unser täglich Gift" usw.
    Mit starken Bildern, extrem schlechten Beispielen aus den USA und den ebenso extrem "guten" auf der anderen Seite.
    Diesen Filmen fehlt es leider oft an wissenschaftlicher Substanz und der richtigen Einordung. Das hat dann die ülichen schockierten Reaktionen zufolge, vielleicht noch kurzen "Da müssen wir was machen"-Reaktionismus, aber das war es dann auch.
    Echte Problem werden so nicht gelöst, auch das Bienensterben nicht.

  4. Das Bienensterben hat nachgewiesener Weise mehrere Ursachen aber nur eine davon lässt sich vermeiden und das sind die Pestizide, insbesondere die Neonicotinoide der Schweizer Firma Syngenta. Meine Imkerei besteht aus 70 leeren Kisten, die ich erst wieder Fülle, wenn die Pestizide der Schweizer Insektenmörder nicht mehr eingesetzt werden. Solange gibt es keine kostenlose Bestäubung (Gegenwert ca 35000 €/Jahr.) Was soll dieser Insektizid-Wahnsinn. Bei uns in Südwestdeutschland gibt es nicht mal mehr stechende Quälgeister oder gewöhnliche Mücken.
    Wir reden schon lange nicht mehr von Bienensterben, sondern haben die gleichen Probleme bei Nutzinsekten, die nicht wegen der Varroamilbe leiden. Aber darüber reden die verantwortlichen der deutschen Chemieindustrie nicht und dafür geben sie keine Drittmittel, also gibt es diesbezüglich auch von Seiten der Biologen keine Erkenntnisse.
    Nach 7 Jahren Bienensterben kann ich keine vergifteten Bienen mehr sehen und vielen Imkern geht es genauso.
    Das ist Tierquälerei!
    Bienenvergiftungen, so offensichtlich sie sind, führen in D in 99 % der Fälle nicht zum Schadensersatz.
    Dann verzichtet auf die Bienen, Ihr "schlauen Deutschen",
    und feiert noch einmal 'ne Party mit den satten Gewinnen von Bayer, Syngenta, BASF und Co.

  5. So dramatisch es klingt und ist, ist's doch keinesfalls eine Überraschung. Wo (Land-)Wirtschaft auf maximale Gewinne ausgerichtet ist, Mega-Konzerne die Produktion bestimmen und nicht die Bedürfnisse der Menschen, wird eben die Natur gewinnmaximierend zur Sau gemacht! It's capitalism, stupid!
    http://www.bienenkiste.de
    Auch gut für/an Schulen z.B. Siehe auch: HOBOS - HOneyBee Online Studies: HOBOS Online (http://www.hobos.de/) urban gardening, "urban imkering", regionale Vertragslandwirtschaft, Verbrauchergemeinschaften, Änderung des Konsumverhalten, Nachhaltigkeit, selber machen, nachdenken, dezentrale, kommunale Strukturen, ... gegen Konzerne, Masssentierhaltung und Monokultur! Yes we can! ;o)

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  • Schlagworte Biene | Pestizid | Wanderarbeiter | China | USA | Europa
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