Defa-FilmSchauspielerin Käthe Reichel ist tot

Sie war eine Schülerin Bertolt Brechts und eine der bekanntesten Schauspielerinnen der DDR: Im Alter von 86 Jahren ist Käthe Reichel gestorben. von dpa und

© Sebastian Willnow/dapd

Die Schauspielerin Käthe Reichel ist tot. Die Schülerin Bertolt Brechts war eine der bekanntesten Darstellerinnen der DDR: Die 86-jährige Reichel starb in der Nacht zum Freitag im brandenburgischen Buckow, teilte der Eulenspiegel-Verlag mit.

Die 1926 in Berlin geborene Reichel begann ihre Karriere an Theatern in Greiz, Gotha und Rostock . 1950 kam sie dann an Brechts Berliner Ensemble (BE), wo sie in vielen Inszenierungen auftrat. Die Zeit in den Anfangsjahren ihrer Karriere prägte die Darstellerin entscheidend. Auf der Bühne spielte sie als Titelfigur in Brechts Die Heilige Johanna der Schlachthöfe auch ihre Lieblingsrolle.

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Verbrieft ist Brechts Lob, der in der jungen Frau eine der "begabtesten Schauspielerinnen des Ensembles" sah. Gerade weil ihr alles "Liebliche, Jungmädchenhafte, Hübsche" fehlte, entsprach sie den Vorstellungen des Dramatikers von sozialer Genauigkeit und plebejischem Selbstbewusstsein. Als der Dichter und Dramatiker starb, war Reichel 30 Jahre alt.

Seit 1961 war Reichel fest am Deutschen Theater engagiert. Einem größeren Publikum wurde sie als Defa-Schauspielerin bekannt, etwa in dem Märchenfilm Wie heiratet man einen König und in der Legende von Paul und Paula . Eine ihrer wenigen Hauptrollen spielte sie im TV-Film Muhme Mehle von Thomas Langhoff .

Politisch aktiv bis ins hohe Alter

Reichel engagierte sich abseits der Bühne auch politisch und setzte sich für die Bürgerrechte in der DDR ein. 1976 protestierte sie etwa gegen die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann . Während der Wendezeit hielt sie auf der historisch wichtigen Demonstration am 4. November 1989 auf dem Alexanderplatz eine Rede für Freiheit und Demokratie.

Dieses Engagement ging auch nach der Wende weiter. Im wiedervereinigten Deutschland hungerte sie mit den um ihre Arbeitsplätze kämpfenden Kali-Kumpeln von Bischofferode. Wenn auf dem Berliner Alexanderplatz gegen Hartz IV demonstriert wurde, war sie dabei. Die Frauen vom Komitee der Soldatenmütter Russlands, die ihre Söhne nicht in den Tschetschenien-Krieg schicken wollten und für ihren Protest 1996 den Alternativen Nobelpreis erhielten, hatte Reichel für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen. Im Jahre 2000 wurde Käthe Reichel mit dem Menschenrechtspreis der Gesellschaft zum Schutz von Bürgerrecht und Menschenwürde geehrt.

Zuletzt lebte Reichel in Buckow in Brandenburg , wo sie auch gestorben ist. Dort hatten einst auch Brecht und Helene Weigel ihren Sommersitz.

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Leserkommentare
    • FranL.
    • 19. Oktober 2012 19:55 Uhr

    Sie war eine große, wunderbare Schauspielerin, die sowohl die Komödie als auch das Drama beherrschte.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, tis
  • Schlagworte Bertolt Brecht | Hartz IV | Theater | Wolf Biermann | Bühne | DDR
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