Raabs "Absolute Mehrheit"Eine Leerstunde in Fernseh-Emokratie
Seite 2/2:

Auf den Inhalt darf man nicht eingehen

Natürlich gab es auch Inhalt in der Sendung (Umverteilung von Vermögen, Energiepolitik und Internet). Aber dieser Inhalt wurde von Raab so rasant durchgepeitscht, dass die Diskutanten gar nicht anders konnten, als sich auf maximale Flachheit zu konzentrieren. Es wäre deshalb ein Fehler, auf diesen Inhalt einzugehen. Was immer man von dem Theoretiker Marshall McLuhan halten soll, der übers Fernsehen gesagt hat, das Medium sei die Botschaft: Auf Raabs Sendung trifft der Satz voll und ganz zu. Nicht "Meinung muss sich wieder lohnen", wie der Untertitel zur Sendung behauptet. Performance muss sich lohnen.

Das Rollenmodell für maßstabsgetreue Performance gab Raab gleich selbst ab – er hätte bestimmt die absolute Mehrheit bekommen, wenn man auch ihn hätte wählen dürfen. Seine Performance war unkorrekt, nur auf den eigenen Spaß bedacht, mit Lust am Macho-Gehabe, gern auch mal mit einer Prise Rassismus gewürzt. Als er über FDP-Chef Phillip Rösler herzog, fiel ihm dazu ein: "Wenn er das jetzt beim Abendessen sieht: Hoffentlich fallen ihm da nicht die Stäbchen aus der Hand." Aber ist ja nur ein Witz. Und jeder lacht. Wie um zu beweisen, dass wir Deutschen doch ein lockeres, ungezwungenes, fröhliches Völkchen sind, alles, nur bloß keine Spaßbremsen.

Am Ende seiner Polit-Show ohne Politik freut sich Stefan Raab, endlich mal "Politiker mit menschlichem Antlitz" gesehen zu haben. Von einem Fernsehen mit menschlichem Antlitz war nichts zu merken.

Zur Startseite
 
Leserkommentare
  1. Das war zu erwarten, dass gab es.

    Mehr kann er nicht. Punkt.

    33 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ...hätte mich das doch sehr gewundert.

    Maybrit Illner, Günther Jauch oder Frank Plasberg. Gut und gerne könnte ich noch einige weitere Polit-talk-moderatoren aufzählen und das einzige, was sich unterscheiden würde, wären die Vor- und Zunamen. All diese Moderatoren verfolgen letztlich ein ähnliches und allzu bekanntes Diskussionskonzept. Ein Art der Diskussion, welche das Fernsehprogramm fast schon übersättigt. Der Zuschauer kann sich an fast jedem Wochentag eine andere Sendung ansehen und erlebt letztlich immer wieder dieselben Charaktere mit den selben Meinungen. Und seien wir ganz ehrlich: Stefan Raab der Entertainer war erfrischend. Das seine Jokes und Floskeln abundzu unter der Gürtelliene landeten störte Wolfgang Kubicki auch nur die erste Viertelstunde. Wer eine Diskussionsrunde à la Plasberg etc. erwartet hätte, der schätzt Pro7 und Stefan Raab sehr schlecht ein. Gestern Abend mussten sich zum ersten Mal im Deutschen Fernsehen vier Politiker Frechheiten gefallen lassen, mit diesen umgehen und auf dieser Grundlage argumentieren. Für Herrn Fuchs war dies sicherlich eine vollkommen neue Welt. Was wohl auch seinen letzten Platz erklären dürfte. - Keine Frage: es war nicht überragend, aber (!) es war etwas Neues. Erfrischender, leidenschaftlicher und nicht so steif, wie so vieles andere!

  2. die Eingaben von Herrn Kubicki die eigentlich überhaupt nicht zum aktuellen Bild der FDP paßten.

    Eine langweilige Unterhaltungssendung deren Fortsetzung ich mir nicht anschauen werde.

    Herr Raab kann besser Schlagerkontest, bei dem ist keine Tiefe erforderlich.

    7 Leserempfehlungen
    • Infamia
    • 12. November 2012 13:31 Uhr

    Um es Vorweg zu nehmen, ich mag Raab und ich mag seine politisch unkorrekte Art durchaus. In Teilen finde ich ihn ja doch ganz witzig.

    Wie er den ESC neues Leben eingehaucht hat, verdient Respekt.

    Nur was ich nicht mag ist, dass eine Show der anderen gleicht. Irgendwann ist so etwas dann wirklich durchgenudelt.

    Aber der Erfolg gibt ihm recht. Es scheint genügend Stimmvieh zu geben, welches sich so etwas in schöner Regelmäßigkeit gibt.

    3 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • fse69
    • 12. November 2012 13:50 Uhr

    "...Aber der Erfolg gibt ihm recht. Es scheint genügend Stimmvieh zu geben, welches sich so etwas in schöner Regelmäßigkeit gibt...."

    Man sollte die Sendung m.E. nicht danach bewerten, wie sie bei einer Forengemeinde wie der unseren ankommt, sondern sich vergegenwärtigen, dass Raab gerade bei jungen und ansonsten doch eher apolitischen Menschen Kultstatus genießt. Wenn es ihm gelänge, mit einer Sendung wie dieser gerade die ansonsten doch eher apolitische Klientel nachhaltig am politischen Alltagsdiskurs teilhaben zu lassen, wäre schon viel gewonnen - ganz gleich, was Lammert und co. davon halten.

  3. ... was NACH Raab kommt.

    7 Leserempfehlungen
    • deDude
    • 12. November 2012 13:34 Uhr
    6. [...]

    Entfernt. Bitte verfassen Sie sachliche Kommentare. Danke. Die Redaktion/cv

    5 Leserempfehlungen
  4. Nun wüßte ich noch gerne die Meinung von Carolin Ströbele zur Sendung.

    5 Leserempfehlungen

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Artikel Auf einer Seite lesen
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Stefan Raab | Wolfgang Kubicki | CDU | FDP | Die Linke | SPD
Service