Natürlich gab es auch Inhalt in der Sendung (Umverteilung von Vermögen, Energiepolitik und Internet). Aber dieser Inhalt wurde von Raab so rasant durchgepeitscht, dass die Diskutanten gar nicht anders konnten, als sich auf maximale Flachheit zu konzentrieren. Es wäre deshalb ein Fehler, auf diesen Inhalt einzugehen. Was immer man von dem Theoretiker Marshall McLuhan halten soll, der übers Fernsehen gesagt hat, das Medium sei die Botschaft: Auf Raabs Sendung trifft der Satz voll und ganz zu. Nicht "Meinung muss sich wieder lohnen", wie der Untertitel zur Sendung behauptet. Performance muss sich lohnen.

Das Rollenmodell für maßstabsgetreue Performance gab Raab gleich selbst ab – er hätte bestimmt die absolute Mehrheit bekommen, wenn man auch ihn hätte wählen dürfen. Seine Performance war unkorrekt, nur auf den eigenen Spaß bedacht, mit Lust am Macho-Gehabe, gern auch mal mit einer Prise Rassismus gewürzt. Als er über FDP-Chef Phillip Rösler herzog, fiel ihm dazu ein: "Wenn er das jetzt beim Abendessen sieht: Hoffentlich fallen ihm da nicht die Stäbchen aus der Hand." Aber ist ja nur ein Witz. Und jeder lacht. Wie um zu beweisen, dass wir Deutschen doch ein lockeres, ungezwungenes, fröhliches Völkchen sind, alles, nur bloß keine Spaßbremsen.

Am Ende seiner Polit-Show ohne Politik freut sich Stefan Raab, endlich mal "Politiker mit menschlichem Antlitz" gesehen zu haben. Von einem Fernsehen mit menschlichem Antlitz war nichts zu merken.