Raabs "Absolute Mehrheit" : Eine Leerstunde in Fernseh-Emokratie
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Auf den Inhalt darf man nicht eingehen

Natürlich gab es auch Inhalt in der Sendung (Umverteilung von Vermögen, Energiepolitik und Internet). Aber dieser Inhalt wurde von Raab so rasant durchgepeitscht, dass die Diskutanten gar nicht anders konnten, als sich auf maximale Flachheit zu konzentrieren. Es wäre deshalb ein Fehler, auf diesen Inhalt einzugehen. Was immer man von dem Theoretiker Marshall McLuhan halten soll, der übers Fernsehen gesagt hat, das Medium sei die Botschaft: Auf Raabs Sendung trifft der Satz voll und ganz zu. Nicht "Meinung muss sich wieder lohnen", wie der Untertitel zur Sendung behauptet. Performance muss sich lohnen.

Das Rollenmodell für maßstabsgetreue Performance gab Raab gleich selbst ab – er hätte bestimmt die absolute Mehrheit bekommen, wenn man auch ihn hätte wählen dürfen. Seine Performance war unkorrekt, nur auf den eigenen Spaß bedacht, mit Lust am Macho-Gehabe, gern auch mal mit einer Prise Rassismus gewürzt. Als er über FDP-Chef Phillip Rösler herzog, fiel ihm dazu ein: "Wenn er das jetzt beim Abendessen sieht: Hoffentlich fallen ihm da nicht die Stäbchen aus der Hand." Aber ist ja nur ein Witz. Und jeder lacht. Wie um zu beweisen, dass wir Deutschen doch ein lockeres, ungezwungenes, fröhliches Völkchen sind, alles, nur bloß keine Spaßbremsen.

Am Ende seiner Polit-Show ohne Politik freut sich Stefan Raab, endlich mal "Politiker mit menschlichem Antlitz" gesehen zu haben. Von einem Fernsehen mit menschlichem Antlitz war nichts zu merken.

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Kommentare

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Einmal anders

Maybrit Illner, Günther Jauch oder Frank Plasberg. Gut und gerne könnte ich noch einige weitere Polit-talk-moderatoren aufzählen und das einzige, was sich unterscheiden würde, wären die Vor- und Zunamen. All diese Moderatoren verfolgen letztlich ein ähnliches und allzu bekanntes Diskussionskonzept. Ein Art der Diskussion, welche das Fernsehprogramm fast schon übersättigt. Der Zuschauer kann sich an fast jedem Wochentag eine andere Sendung ansehen und erlebt letztlich immer wieder dieselben Charaktere mit den selben Meinungen. Und seien wir ganz ehrlich: Stefan Raab der Entertainer war erfrischend. Das seine Jokes und Floskeln abundzu unter der Gürtelliene landeten störte Wolfgang Kubicki auch nur die erste Viertelstunde. Wer eine Diskussionsrunde à la Plasberg etc. erwartet hätte, der schätzt Pro7 und Stefan Raab sehr schlecht ein. Gestern Abend mussten sich zum ersten Mal im Deutschen Fernsehen vier Politiker Frechheiten gefallen lassen, mit diesen umgehen und auf dieser Grundlage argumentieren. Für Herrn Fuchs war dies sicherlich eine vollkommen neue Welt. Was wohl auch seinen letzten Platz erklären dürfte. - Keine Frage: es war nicht überragend, aber (!) es war etwas Neues. Erfrischender, leidenschaftlicher und nicht so steif, wie so vieles andere!

Liest sich wie ein typischer Raab

Um es Vorweg zu nehmen, ich mag Raab und ich mag seine politisch unkorrekte Art durchaus. In Teilen finde ich ihn ja doch ganz witzig.

Wie er den ESC neues Leben eingehaucht hat, verdient Respekt.

Nur was ich nicht mag ist, dass eine Show der anderen gleicht. Irgendwann ist so etwas dann wirklich durchgenudelt.

Aber der Erfolg gibt ihm recht. Es scheint genügend Stimmvieh zu geben, welches sich so etwas in schöner Regelmäßigkeit gibt.

Ich finds gut.

"...Aber der Erfolg gibt ihm recht. Es scheint genügend Stimmvieh zu geben, welches sich so etwas in schöner Regelmäßigkeit gibt...."

Man sollte die Sendung m.E. nicht danach bewerten, wie sie bei einer Forengemeinde wie der unseren ankommt, sondern sich vergegenwärtigen, dass Raab gerade bei jungen und ansonsten doch eher apolitischen Menschen Kultstatus genießt. Wenn es ihm gelänge, mit einer Sendung wie dieser gerade die ansonsten doch eher apolitische Klientel nachhaltig am politischen Alltagsdiskurs teilhaben zu lassen, wäre schon viel gewonnen - ganz gleich, was Lammert und co. davon halten.

Interessanter Gedanke ...

Diese Ansicht finde ich sehr interessant. Ich wollte schon schreiben, dass man weniger die Sendung, denn die Menschenschar, die für den Erfolg so einer Sendung verantwortlich ist, kritisieren sollte. Aber das ist zu kurz gedacht, denn mit so einer Kritik erreicht man ja im Grunde nichts, vermutlich auch, weil genau diese Menschen das gar nicht mitbekommen.

So finde ich die Idee, dass die Sendung durchaus was gutes hat, zumal sie eben genau die Menschen erreicht. Ich denke die derzeitige Form ist dann auch wichtig, dass die Menschen erreicht werden. Wenn's nur bei 10 Leuten einen Denkimpuls auslöst, ist das doch gut. Ich glaube, der Rest wird dadurch nicht noch dümmer, um es mal polemisch auszudrücken.

Bedenklich finde ich allerdings, dass mit der Galionsfigur Raab ein sehr einseitiges Menschenbild geprägt wird. Diversifizierung ist ja im deutschen Fernsehen etwas Abhanden gekommen. Immer die gleichen Gesichter, die Erfolg garantieren. Bei Kindern weiß man ja, dass eine menschliche Vielfalt günstig für die Entwicklung ist, ich denke das hört mit dem Erwachsenwerden nicht auf. Das Gehirn bleibt ja bis zum Tode formbar.

Und ich finde es gut, dass man neben Youtube

endlich mal ein Medium hat, wo ein Linkenpolitiker mal solche Fakten wie die Bereicherung der Energiekonzerne am Energiewandel aussprechen kann und auch mal zugehört wird.
Wenn auch abscheinend nicht besonders gut.

Da bin ich auf die kommenden Sendungen sehr gespannt, wenn es um Griechenkand etc. gehen soll und hoffe das auch mal ein Herr Gysi in der Sendung sein wird.

Nicht nur Gysi...

"...Da bin ich auf die kommenden Sendungen sehr gespannt, wenn es um Griechenkand etc. gehen soll und hoffe das auch mal ein Herr Gysi in der Sendung sein wird...."

In gut zehn Monaten ist Bundestagswahl. Die Sozial- und Meinungsforschungsinstitute werden schon dafür sorgen, dass sämtliche Parteien diese neue Plattform in den nächsten Monaten nutzen, um sich an Klientel zu wenden, das man mit Jauch, Will und co. nicht erreicht.

Gruselig

Genau das, was Sie gut finden, halte ich für eher gruselig. Was den vermeintlich politikfernen Zuschauern durch die Sendung geboten wird, hat ja anscheinend viel mehr mit Show zu tun als mit wirklicher Politik. Nun bekommen die Polit-Anfänger mit, dass es nur drum geht, wer die größte Klappe hat und dass sich Meinung hauptsächlich dann lohnt, wenn man Kohle dafür einsacken kann. Am Ende will die selbstverliebte Generation Superstar dann noch selbst in die lustig-lustige Politik und erwartet Applaus für einen leeren Auftritt im Raab-Stil...