MedienpreisEin paar ernste Momente beim Bambi

Es waren nicht nur Stars, die im Mittelpunkt der Bambi-Verleihung standen. Auch zwei Gewaltopfer wurden gewürdigt. Viel Beifall gab es für eine Lepra-Ärztin. von afp, dpa und dapd

Die 83-Jährige Lepra-Ärztin Ruth Pfau während der Bambi-Gala in Düsseldorf

Die 83-Jährige Lepra-Ärztin Ruth Pfau während der Bambi-Gala in Düsseldorf  |  © Andreas Rentz/Getty Images

Die 64. Verleihung des Medienpreises Bambi bot neben dem üblichen Glamour und der üblichen Prominenz auch nachdenkliche Momente. Einer davon war der Auftritt einer 83 Jahre alten Lepra-Ärztin. Die deutsche Nonne Ruth Pfau erhielt die Trophäe in der Kategorie "Stille Helden" und bekam dafür viel Beifall. Sie hilft seit Jahrzehnten Leprakranken in Pakistan . Und tatsächlich wurde es bei den etwa tausend Gästen im Düsseldorfer Congress Center ganz leise, als Ruth Pfau auf die Bühne trat.

"Sie wissen sicher, dass Ihre Welt nicht meine Welt ist", sagte sie vor den Promis im Saal. Mit ihr seien gleichzeitig die Menschen in Pakistan eingeladen worden, "die heute Abend hungrig zu Bett gehen".

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Einen Bambi bekam nach dem gewaltsamen Tod des 20-jährigen Jonny K. dessen Schwester, Tina K., für ihr Engagement gegen Jugendgewalt . Die junge Frau rief bei der Gala zu Zivilcourage und einem Einstehen gegen Gewalt auf. Jonny K. war im Oktober auf dem Berliner Alexanderplatz von mehreren jungen Männern bis zur Bewusstlosigkeit geprügelt worden. Einen Tag später starb er an den Folgen seiner Kopfverletzungen.

Integrationspreis für Berliner Rabbiner

Der Berliner Rabbiner Daniel Alter bekam den Bambi für Integration. Er war auf offener Straße im Beisein seiner kleinen Tochter von mehreren Jugendlichen umstellt, verprügelt und verhöhnt worden . Die Bambi-Jury würdigte ihn "für sein couragiertes Engagement für religiöse Toleranz". Alter sagte, er wolle den Preis den Berliner "Heroes" widmen. In dem "Projekt für Gleichberechtigung" engagieren sich nach den Worten der Initiative "junge Männer aus Ehrenkulturen gegen die Unterdrückung im Namen der Ehre und für die Gleichberechtigung und Gleichstellung von Frauen und Männern".

Extremsportler Felix Baumgartner wurde für seinen Rekordsprung aus 39 Kilometern Höhe ausgezeichnet. "Jetzt bin ich mindestens genauso aufgeregt wie bei meinem Sprung aus der Stratosphäre", sagte Baumgartner. Zur Preisverleihung sei er mit dem Auto nach Düsseldorf gekommen, erzählte er auf dem roten Teppich. "Vom Fliegen habe ich erst einmal die Schnauze voll."

Alina Levshin und Ulrich Tukur als beste Schauspieler geehrt

Als beste Schauspielerin wurde Alina Levshin gekürt. Im Neonazi-Drama Kriegerin spielte Levshin, die 1984 in der Ukraine zur Welt kam und in Berlin aufwuchs, ihre erste Kino-Hauptrolle. Bei den männlichen Schauspielern gewann Ulrich Tukur . Er war zuletzt in der Rolle des Generalfeldmarschalls Erwin Rommel zu sehen. In der Kategorie "Film International" bedankte sich Hollywoodschauspielerin Salma Hayek überschwänglich.

Der "Talent"-Bambi ging an die erst siebenjährige Mercan-Fatima Türkoglu. Sie hatte eine Rolle an der Seite von Elmar Wepper im Spielfilm Dreiviertelmond . In der Kategorie "Film national" konnte sich Türkisch für Anfänger durchsetzen.

Ihren bereits dritten Bambi erhielt Sängerin Céline Dion. Rapper Cro bekam den Preis in der Kategorie "Pop National". Kreischende weibliche Fans gab es für die Boygroup One Direction ("Pop International").

Lebenswerk-Bambi für Joachim Fuchsberger

Für das Lebenswerk wurde Schauspieler und Autor Joachim Fuchsberger ausgezeichnet. Der bedankte sich so ausführlich, dass er irgendwann einen trockenen Mund bekam und um einen Schluck zu trinken bat. "So viel Zeit muss sein, oder seid ihr schon alle so müd'?", fragte der 85-Jährige das Publikum. Ihren ersten Preis, einen "Überraschungs"-Bambi, erhielt am Ende der Gala auch noch seine Ehefrau Gundel, mit der er seit fast 60 Jahren verheiratet ist.

Insgesamt ging die Gala deutlich harmonischer über die Bühne als im vergangenen Jahr. In Wiesbaden hatte sich an der Vergabe des Integrations-Bambis an Skandal-Rapper Bushido ein heftiger Streit entzündet. Ihm war Frauen- und Schwulenfeindlichkeit vorgeworfen worden. Der Bambi ist der älteste und einer der wichtigsten deutschen Medienpreise und wird von Hubert Burda Media vergeben. Im vorigen Jahr hatten sechs Millionen Zuschauer die Gala im Fernsehen verfolgt.

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Leserkommentare
  1. Es ist schon verwunderlich, wie eine Show, die wie wenig andere, in der Bussi-Bussi Teil unserer Gesellschaft ihren Narzismus öffentlich zur Schau stellt immer wieder durch "soziale" Anklänge durchbrochen werden muss, damit man die Illusion eines "guten Gewissens" aufrechterhalten werden kann und nicht die Feierlaune stört.

    Nichts gegen feiern, gesellschaftlichen Status zur Schau stellen, Oberflächlichkeit, rote Kleider und Bambis für B Leistungen, aber die Scheinheiligkeit des "soziale Touch" ist unerträglich. Vielleicht aber glauben und benötigen diejenigen vor den Fernsehgeräten aber viel mehr daran, als die Partgänger, die sich ganz banal ausleben, trinken, tanzen und sich feiern.

  2. Eher Burda-Boulevard mit Sozialgarnitur.

  3. ist es nicht schön, dass Fürst Burda die heiligen deutsche Volk lobt. Er verteilt sogar sein Gold unter die wertvollsten von ihnen. Im Mittelalter hätte er sicher gleich noch ein paar Getreue zum Ritter geschlagen. Kann es eine Demokratie ohne unanständig Reiche geben? So wie es aussieht, lebt ja sogar der Adel noch. Die ganze Show ist inhaltlich, formell und inder Ausführung ein absurder Witz!

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    >> Er verteilt sogar sein Gold unter die wertvollsten von ihnen. <<

    ... wird ein Schuh daraus: Die Stadt Düsseldorf hat für den B-Promi-Aufmarsch 800.000,- Euro aus dem Steuersäckel spendiert.

    Sind wir Steuerzahler nicht nett zu unseren Schönen & Reichen?

  4. >> Er verteilt sogar sein Gold unter die wertvollsten von ihnen. <<

    ... wird ein Schuh daraus: Die Stadt Düsseldorf hat für den B-Promi-Aufmarsch 800.000,- Euro aus dem Steuersäckel spendiert.

    Sind wir Steuerzahler nicht nett zu unseren Schönen & Reichen?

    • 可为
    • 23. November 2012 10:30 Uhr

    und fand es mal wieder furchteregend wie scheinheilig und geschmacklos das deutsche TV ist. Die Lebra-Ärztin brachte es auf den Punkt als sie sich bedankte, dass sie ganze 3min reden darf. Um danach nicht knallhart umzuspringen stopfte man noch irgendwas über Armut in Dtld. dahinter, was ich in Anbetracht der Tatsache dass das pakistanische Durchschnittseinkommen noch unter der Armutsgrenze in Dtld. liegt als höchst geschmacklos empfand... Und nachdem das Publikum dann wieder beruhigt war, dass wir uns ja mit "gutem Gewissen" erstmal um uns selbst kümmern sollten kommt wieder comedy-Fernsehen mit der Keule auf den Zuschauer, dass er auch ja alles gerade gehörte wieder verdrängen kann.
    Grausam - und zu allem Überfluss noch im öffentlich rechtlichen...

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    mussten Sie dass ertragen, zumal im TV?
    Man kann doch problemlos wegbleiben.

  5. warum nennen meine Vorkommentatoren gerade die sogenannten "B-Promis" als Kritikpunkt? Ob da jetzt die Queen oder Cro auftritt, macht doch im Grund keinen Unterschied.
    Den "sozialen Touch" empfinde ich dabei eher als erfrischende Abwechslung - und ein Programmpunkt bei dem ich die "Ehrung" zumindest nachvollziehen kann. Im Gegensatz zur Boygroup "One Direction" hat Frau Dr. Pfau nämlich tatsächlich ehrenswertes geleistet.

  6. 7. Warum

    mussten Sie dass ertragen, zumal im TV?
    Man kann doch problemlos wegbleiben.

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    • 可为
    • 23. November 2012 13:55 Uhr

    der es ausnahmsweise mal "nach Hause" schafft hat man nicht immer die Wahl was man dort anschauen möchte - geschweige denn die Chance dann einfach zu gehen ;)

    • 可为
    • 23. November 2012 13:55 Uhr

    der es ausnahmsweise mal "nach Hause" schafft hat man nicht immer die Wahl was man dort anschauen möchte - geschweige denn die Chance dann einfach zu gehen ;)

    Antwort auf "Warum"

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, dapd, AFP, nf
  • Schlagworte Joachim Fuchsberger | Ulrich Tukur | Bambi | Boygroup | Bushido | Elmar Wepper
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