Castingshow "Alles für die Kunst"Du bekommst heute leider kein Bild

Arte traut sich an eine Künstler-Castingshow. "Alles für die Kunst" sucht nicht den Superstar, sondern will ein realistisches Bild des Kunstbetriebs zeigen. von Rafael Dernbach

Arte Casting Show Alles für die Kunst

Eine Künstlerin (li.) versucht, Christiane zu Salm (re.) und Peter Raue von ihrem Werk zu überzeugen.  |  © ZDF/Michael Sombetzki

Ein Trauerzug aus getrockneten Heuschrecken, eine Wand voller identischer Wecker, eine Landschaft aus Rieselzucker. Die Finalisten von Alles für die Kunst stehen vor ihren Werken und müssen sich vor der Jury verteidigen. "Was ist daran Kunst?" "Haben Sie nicht Angst vor der Nähe zu Francis Bacon?" "Ist das relevant, was Sie tun?"

So sieht eine Castingshow auf Arte aus. Sieben Nachwuchskünstler aus Deutschland, Frankreich und Belgien müssen unter Zeitdruck Auftragsarbeiten anfertigen und diese vor einer Jury verteidigen. Als Mentoren bekommen sie Künstler wie Norbert Bisky und Kunstsammler wie Christiane zu Salm und Peter Raue an die Seite gestellt. Die Kandidaten, die bis zum Schluss durchhalten, dürfen ihre Kunst im Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) in Karlsruhe präsentieren.

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Es ist zunächst ein irritierender Gedanke: eine Castingshow für bildende Künstler. Denn verwehrt sich nicht gerade die Kunstwelt banaler Unterhaltung? Kann man künstlerische Fragen in so einem Format behandeln, ohne oberflächlich zu werden?

Man kann. Alles für die Kunst ist eine intelligente Adaption des Casting-Formats. Im Gegensatz zu Popstars oder Deutschland sucht den Superstar stellt die Sendung nicht die Kandidaten, sondern deren Arbeit in den Vordergrund. Arte sucht gerade nicht den Künstler-Superstar, sondern will sieben Nachwuchskünstler einem größeren Publikum präsentieren.

Der Fokus von Alles für die Kunst liegt auf den großen Fragen der zeitgenössischen Kunstwelt. In den sechs Folgen, die sonntagnachmittags auf arte laufen, stellen die Künstler jeweils eine Frage ins Zentrum ihrer Arbeit. Was ist ein Werk? Welche Rolle hat der Künstler in der Gesellschaft? Und kommt Kunst noch immer von Können?

Die Art und Weise, wie die Künstler bei ihrer Arbeit gezeigt werden, räumt mit einigen Klischees über den Kunstbetrieb auf. So wird zum Beispiel der romantische Mythos des genialen Einfalls entzaubert. Alle Kandidaten verbindet nämlich eine äußerst systematische Arbeitsweise. Sie wirken eher wie Forscher fremdartiger Wissenschaften.

Der Finalist Ismael Dua aus Berlin etwa arrangiert alle seine Werke im DIN A4-Format. Die Materialien für seine Konzeptkunst wechseln von Werk zu Werk, das Format bleibt. Für seine erste Aufgabe, ein Selbstporträt, montiert er sieben dieser Materialblätter zu einer Skulptur. Jedes der DIN A4-Blätter symbolisiert einen Aspekt seiner künstlerischen Persönlichkeit. Das Oberste repräsentiert sein Gesicht und ist aus verbogenem Spiegelplastik. Für Dua ist es der Narrenspiegel, den er mit seiner Kunst der Gesellschaft vorhalten will. 

Leserkommentare
    • rsi99
    • 18. November 2012 10:02 Uhr

    ... verstehe ich, warum in der Szene gern nach einem bedingungslosen Grundeinkommen gerufen wird. Sicher bringt es mehr Spass, ein paar Gegenstände zu arrangieren, und dies als bedeutungsvoll und wertvoll einzuordnen. Besser als Möbel schleppen oder Taxifahren. Sicher kann eine von Fördermitteln verwöhnte Branche sich stets eine noch schönere Welt vorstellen. Und es kann nerven, auf die tatsächliche Wertschätzung der Mitmenschen angewiesen zu sein.

    Ich glaube aber nicht, dass eine aus erzwungenen Abgaben finanzierte Variante von populären Casting-Shows es schafft, eine Bevölkerungsgruppe, die sich gern über den Dingen sieht, populärer zu machen. Das sieht mir ganz danach aus, als wollten ein paar Theoretiker ihre empirisch hergeleiteten Empfindungen per finanzierten Fernsehen der Bevölkerung überzustülpen. Aber mal sehen, was daraus wird.

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    ...es werden zuviele Künstler produziert...sie (die künstler) stehen gerne über den Dingen...

    es scheint, als wollen Sie es den KünstlerInnen so richtig "einisagen". Was für ein Problem genau haben Sie mit der Kunst und den Kunstproduzenten?

  1. Studiere an einer Kunstakademie und kann das nur bestätigen (abgesehen davon, dass die Frauen in die Ehe gehen.. die meisten wollen eigentlich garnicht heiraten).
    Es werden heutzutage einfach viel zu viele Künstler produziert. Und dann, unserer derzeitigen Gesellschaft entsprechend, kurz genutzt und noch schneller verbraucht. Ausreichend Nachschub ist ja vorhanden, es geht ja eh nur noch darum möglichst effektiv Kapital aus ihnen zu schlagen.

  2. Der Kunsthandel spukt auch aus...
    Kunst als austauschbare Ware. Viel ist vom humanistischen Kunstbegriff nicht über geblieben!

    • ikonist
    • 18. November 2012 11:21 Uhr

    der künstler als forscher? was dabei herauskommt ist doch schon allgemeinplatz und sehr oft unterkomplex . man sollte wieder den romantischen mythos des genialen einfalls reinstallieren

    • Mari o
    • 18. November 2012 12:05 Uhr

    und unseren Kunststudenten nur das Beste.
    2011 zählten Statistiker 24 690 arbeitslose Künstler in Deutschland.
    Wie erkennt man ein Talent,dass sich später auf dem Markt durchsetzen kann?fragt die Rheinische Pest
    Erste wichtigste Voraussetzung:man muss mit den wichtigen Menschen in der Szene gut klarkommen.
    Die Kunstmafia muss dich akzeptieren,sonst bleibst du für immer ein Looser.egal wie gut du bist....
    ich wäre dafür den ganzen Verein mal zu entzaubern.

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    • Mari o
    • 18. November 2012 12:24 Uhr

    Loser statt Looser.
    Von der Aka stracks in die Rente.

    • JimNetz
    • 18. November 2012 12:15 Uhr

    Natürlich ist es schön, wenn Künstler die Möglichkeit haben, ihre Gedanken zu erläutern. Es stellt sich aber die Frage, wie weit ihre Werke diese Erläuterung denn benötigen, oder ob sie aus sich selbst heraus wirken können. Für letzteres ist eine Fernsehshow sicher kein geeigneter Raum. Das schränkt die Auswahl schon ein.

    Zum anderen, es klingt ein wenig nach Gymnasium-Kunstleistungskurs. Sagen Sie mal, was Sie sich dabei gedacht haben. Gesellschaftskritik, aha. - Brav, ja.

    'Von der Aka stracks ins Museum der Jetztzeit'. Da wollen wir nicht hin - wir leben noch.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte ARTE | Arbeit | Künstler | Popstar | Belgien | Frankreich
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