Film "Killing them softly"Hier sterben die Leute ganz schonend

Brad Pitt zeichnet in der Gangsterstory "Killing them softly" eine Parabel der amerikanischen Gesellschaft. Sie ist brutal, pessimistisch und schlimmstenfalls wahr. von 

Vielleicht war die Botschaft allzu laut? Noch im Mai in Cannes hatten sich der Regisseur Andrew Dominik und sein Produzent und Hauptdarsteller Brad Pitt nach der Premiere von Killing them softly nur wenig zurückhaltend gefreut, dass ihr Film just während des Präsidentschaftswahlkampfs in die amerikanischen Kinos kommen würde. Schließlich sehen sie in der tiefschwarzen Gangsterstory eine Parabel auf die amerikanische Gesellschaft, die zeigt, was ihrer Meinung nach derzeit die Verantwortlichen in der amerikanischen Wirtschaft und  die Regierenden ihren Landsleuten antun: sie ganz schonend umbringen. Für amerikanische Verhältnisse ist der Film ungewöhnlich politisch. Zu politisch für einen potenziellen Kassenknüller? Jedenfalls erscheint er in den USA – wie in Deutschland – erst jetzt, Wochen nachdem Obama für eine zweite Amtszeit gewählt wurde.

Jackie Cogan (Pitt) muss im Auftrag der Glücksspiel-Mafia für Ordnung sorgen. Ein Trio aus drei wenig bis gar nicht cleveren Gaunern (herrlich erbarmungswürdig: Scoot McNairy und Ben Mendelsohn) hat eine illegale Pokerrunde überfallen und ist sich sicher, die Schuld dafür jemand anderem (Ray Liotta) in die Schuhe schieben zu können. Natürlich dauert es nicht lange, bis Cogan den Dreien auf die Schliche kommt und sich daran macht, die Angelegenheit zu bereinigen.

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Auch wenn man die ganze Zeit hofft, Dominik möge beim Schreiben seines Drehbuchs noch irgendetwas Glaubwürdiges eingefallen sein, um den drei traurigen Gestalten ihr sicheres Ende zu ersparen, ist doch von Anfang an klar, wie das Bereinigen dieser Angelegenheit ausgehen wird.

Der Reiz des Plots liegt nicht darin, zu erleben, dass Kleinkriminelle keine Chance gegen das organisierte Verbrechen haben. Der Reiz liegt darin, dass Dominik seine Vorlage, einen Roman des ehemaligen Staatsanwalts George Higgins, aus den siebziger Jahren ins Jahr 2008 verlegt hat, das Jahr, in dem Barack Obama zum großen change aufrief und ihm so viele glaubten. Wir sehen eine Plakatwand, auf der McCain und Obama zukunftsoptimistisch in den Himmel lachen, während unten der Wind über die Brache fegt und aufwirbelt, was Wahlkampfzettel oder Müll sein könnte. Während wir Obamas Stimme hören, die charismatisch von einer besseren Zukunft spricht und dazu auffordert, die Probleme anzupacken, schiebt sich Cogan seine Knarre in den Hosenbund und macht sich auf den Weg, sein erstes Problem zu lösen.

Leserkommentare
  1. Warheit im Film und ein genialer Hauptdarsteller sind sicherlich eine gute Mischung um Zuschauer zu bekommen.

  2. Ein aeusserst empfehlenswerter Film. Neben der niedlich-erschreckenden Gangstergeschichte verbirgt sich weitaus mehr.
    Etliche Male ist der President ueber Amerikas Probleme und momentane Situation unterschwellig zu hoeren. Die uebergeordnete Essenz ist wohl tatsaechlich erst in den letzten Minuten zu finden, wenn Brad aus seiner Killer-Sicht Amerika beschreibt.

    Mit Gruss und unbedingter Empfehlung an die Geneigten....

    • Zack34
    • 27. November 2012 20:24 Uhr

    haben wir "eine Parabel der amerikanischen Gesellschaft" zu sehen bekommen, die freilich immer brutal, pessimistisch und schlimmstenfalls wahr sei? Kann eine Weitere etwas Neues bringen, einen neuen Blickwinkel, vielleicht gar ohne Killer u.Co. ?

    Dennoch: Danke für die Empfehlung.

  3. auch ein filmkritiker könnte, anstatt sich an der super-slomo-ästhetik des abmurksens zu ergötzen, zwischendurch mal die frage aufwerfen, woher die mainstreamige tendenz rührt, mord und menschenjagd zu einem handwerk unter anderen zu rationalisieren. regelmäßig wird der typus des berufsmörders als quasi-reguläres marktsubjekt zur identifikation angeboten, der, wie der buchhalter oder der müllmann, 'nur seinen job macht'.
    so tiefschürfend und 'parabelhaft' kann ein film gar nicht angelegt sein, dass damit die prämisse der gewaltaffirmation (samt der immer distanzloseren ästhetischen ausweidung von leid und tod) aufgewogen würde.

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    Ein sehr guter Kommentar, dem ich gerne zustimme.

    Vielleicht steckt hinter solchen Filmen ein Bedürfnis, die Gewalt wieder anschaulich und greifbar machen zu wollen ?

    Schließlich ist es auch Normalität, daß Gier, Betrug /asoziale Skrupellosigkeit von Finanzwirtschaft und dassoziierter Politik Menschen -ganze Gesellschaften- um ihre Lebensgrundlage -also um ihr Leben- bringt, nur kann keiner die Strukturen und die Kausalbeziehungen mehr überschauen.

    Da sehnen sich manche vielleicht nach einem "ehrlichen" Killer, ein Mörder mit einem Gesicht ? Ein (fehlgeleitetes ?) Bedürfnis nach Einfachheit ?

  4. Man muss es den Amis lassen, sie machen sogar die weltbesten antiamerikanischen Filme.

    • vonDü
    • 28. November 2012 7:30 Uhr

    "Hier wird gestorben mit Bildern wie im Drogenrausch und zu Musik, die gute Laune machen könnte."

    "So schafft er Momente von poetischer Schönheit."

    "unerhört cooler Vollstrecker"

    Wer sich an Gewaltdarstellung und Töten, so "launig" ergötzen kann wie der Autor, hat sicher ein größeres Problem als ein jugendlicher Ballerspiel Fan. Ich finde das abstoßend, und die Botschaft, die damit transportiert wird, bedenklich.

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    • Skyejet
    • 28. November 2012 8:22 Uhr

    JEDER Mensch)Sie verunglimpfen hier eine ganze Menge Menschen, die sich an der Ästhetik der Gewalt "ergötzen", wie Sie es so abwertend fabulieren.
    Es mag ja sein, dass Sie persönlich das abstoßend finden, das sei Ihnen ja auch unbenommen, aber hier dann auch mit Küchenpsychologie alle anderen, die sich an Action- und/oder Gangsterfilmen erfreuen können, weil Sie etwas zeigen, was man im normalen Leben einfach nicht sieht/sehen muss. Sie scheinen einfahc den Sinn solchen Eskapismus´nicht zu verstehen, dass manche Leute einfach gerne solche aufregende Geschichten sehen, nein, richtiggehend erleben kann, ohne sich tatsächlich ernsthaft in Gefahr zu bringen.
    Erläutern Sie mir bitte den Unterschied zu Erzählungen und Märchen von früher, die bisweilen ebenfalls äußerst grausam waren? Irgendeinen Grund muss es doch dafür geben, dass der Mensch als solches (aber eben auch nicht jeder Mensch) soclhe Geschichten sucht, genießt und tief verinnerlicht? Googlen Sie mal, es gibt bestimmt eine psychologische Erklärung dafür, vermutlich sogar mehrere. ;)

    • Skyejet
    • 28. November 2012 8:22 Uhr

    JEDER Mensch)Sie verunglimpfen hier eine ganze Menge Menschen, die sich an der Ästhetik der Gewalt "ergötzen", wie Sie es so abwertend fabulieren.
    Es mag ja sein, dass Sie persönlich das abstoßend finden, das sei Ihnen ja auch unbenommen, aber hier dann auch mit Küchenpsychologie alle anderen, die sich an Action- und/oder Gangsterfilmen erfreuen können, weil Sie etwas zeigen, was man im normalen Leben einfach nicht sieht/sehen muss. Sie scheinen einfahc den Sinn solchen Eskapismus´nicht zu verstehen, dass manche Leute einfach gerne solche aufregende Geschichten sehen, nein, richtiggehend erleben kann, ohne sich tatsächlich ernsthaft in Gefahr zu bringen.
    Erläutern Sie mir bitte den Unterschied zu Erzählungen und Märchen von früher, die bisweilen ebenfalls äußerst grausam waren? Irgendeinen Grund muss es doch dafür geben, dass der Mensch als solches (aber eben auch nicht jeder Mensch) soclhe Geschichten sucht, genießt und tief verinnerlicht? Googlen Sie mal, es gibt bestimmt eine psychologische Erklärung dafür, vermutlich sogar mehrere. ;)

    Eine Leserempfehlung
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    • Skyejet
    • 28. November 2012 8:23 Uhr

    Dieser Kommentarkasten bringt mich noch mal ins Grab! :D
    Die ersten beiden Wörter meines oberen Kommentars gehören da natürlich nicht hin. ;)

    • Skyejet
    • 28. November 2012 8:23 Uhr

    Dieser Kommentarkasten bringt mich noch mal ins Grab! :D
    Die ersten beiden Wörter meines oberen Kommentars gehören da natürlich nicht hin. ;)

    Antwort auf "Sehr anmaßend."

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  • Schlagworte Brad Pitt | Film | Thomas Jefferson | USA | USA | Cannes
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