Film "Puppe, Icke und der Dicke"Lustig unterwegs im deutschen Irgendwo

Das deutsche Independent-Roadmovie "Puppe, Icke und der Dicke" erschafft drei skurrile Charaktere voller Komik. Leider bleibt die Geschichte etwas mager. von 

Blind, fast stumm und wortgewaltig: die drei Reisegefährten Europe (Stephanie Capetanides), Bruno (Matthias Scheuring, rechts) und Bomber (Tobi B.)

Blind, fast stumm und wortgewaltig: die drei Reisegefährten Europe (Stephanie Capetanides), Bruno (Matthias Scheuring, rechts) und Bomber (Tobi B.)  |  © Stefan Höderath/strangenough pictures & One Two Films

Er heißt Bomber. Wenn man ihn fragt, warum er so genannt wird, fuchtelt er mit den Händen herum und sagt: "Bomber halt".

Bomber (Tobi B.) ist zuerst einmal Berliner. Kein Zugezogener, wie er stolz betont, und keiner von diesen Spinnern, die sich die Wohnung von den Eltern finanzieren lassen und dann Halligalli machen. Bombers riesengroße Klappe steht im umgekehrt proportionalen Verhältnis zu seinem kleinwüchsigen Körper, den er mit kompaktem Selbstbewusstsein durch die Gegend trägt.

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Dass er nach nur fünf Monaten schon wieder seinen Job als Kurierfahrer verliert, scheint ihn nicht zu erschüttern. Denn Bomber hat einen Plan. Die letzte Warenlieferung will er nicht nach Warschau bringen, sondern in Paris auf eigene Rechnung verticken. Und so begibt sich die Hauptfigur in dem Roadmovie Puppe, Icke und der Dicke auf die Reise von der einen in die andere Hauptstadt, wo der dicke Bruno (Matthias Scheuring) am Kiosk wortlos seine Biere trinkt und die blinde Europe (Stephanie Capetanides) erfährt, dass sie schwanger ist. Der Kindsvater war nur zu Besuch und arbeitet als Müllkutscher in Berlin , wohin sich nun Europe aufmacht, um ihren Mathias ausfindig zu machen.

Eine geklaute Lieferung und einen verpassten Linienbus später kreuzen sich die Wege von Bomber, Bruno und Europe, und irgendwo kurz vor der französischen Grenze landen sie gemeinsam im Auto auf dem Weg nach Berlin, das für den einen graue Heimat und für die anderen ein unbekannter Sehnsuchtsort ist.

Wie sich das für ein Roadmovie gehört ist auch in Felix Stienz' Langfilmdebüt Puppe, Icke und der Dicke der Weg das eigentlich Ziel, wobei sich der Film der Läuterungs- und Erkenntnisdramaturgie des Genres weitgehend verweigert. Man merkt deutlich, dass hier die Figuren und nicht die Handlung der Ausgangspunkt des Projektes waren, wobei das schauspielerische Unikat Tobi B. den skurrilen Stil der Erzählung prägt. An dem kleinen Mann, der kein Blatt vor den Mund nimmt und im zwischenmenschlichen Miteinander oftmals gründlich daneben langt, kommt keiner vorbei.

Europe ist sein Gegenpol. Sie ist sanft und weiblich und wirkt zunächst wie eine Widergängerin von Audrey Tautous Amelie , erweist sich aber in Krisensituationen als patente Pragmatikerin. Als Puffer zwischen diesen beiden dient der stumme Bruno, dem Matthias Scheuring kontrastierend zur körperlichen Statur eine zärtliche Dünnhäutigkeit verleiht.

Puppe, Icke und der Dicke , der beim diesjährigen Max-Ophüls-Filmfestival in Saarbrücken mit dem Publikumspreis ausgezeichnet wurde , verwebt seine Charaktere mit einer sanft grotesken Atmosphäre, in der Alleinunterhalter auf leergefegten Parkplätzen Konzerte geben können, ohne dass es zu einem entscheidenden Stilbruch in der Erzählung kommt.

Bei aller Sympathie für die Figuren-Entwürfe, den mäandernden Erzählfluss und das skurrile Setting fehlt es Puppe, Icke und der Dicke jedoch für die gesamte Strecke eines abendfüllenden Spielfilms entschieden an dramaturgischer Substanz. Die originellen Charaktere hätten einen besseren Plot verdient, der weniger selbstzufrieden vor sich hindümpelt und über das bloße Losfahren, Unterwegssein und irgendwie Ankommen hinausgeht.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Film | Charakter | Erzählung | Genre | Patent | Puppe
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