Helmut Berger in seiner ersten Hauptrolle in "I giovani tigri" 1968 © Helmut Berger. Ein Leben in Bildern. Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag

Als der einstmals schöne Schauspieler Helmut Berger in einem Berliner Hotel sein Leben in Bildern , einen großformatigen Band mit Fotos aus verschiedenen seiner Schaffens- und Exzessperioden, vorstellen sollte, weigerte er sich hartnäckig, die Film-Fotos, Schnappschüsse und Selbstinszenierungen anzublicken, die hinter ihm auf die Wand geworfen wurden. Langweilig sei es, sagte er, darüber zu reden.

Sein Haar wirr verstrubbelt, das Gesicht aufgedunsen, die Sonnenbrille als Schutzschild vor den Augen – als Beobachter konnte man sich keinen größeren Gegensatz vorstellen: dort der junge Faun als Projektion an der Wand, hier der abgehalfterte Star vor seinem Bier. Man musste an einen schönen Satz Wilhelm Genazinos denken: Der Argwohn vor unserem eigenen Abbild sei die Erfahrung unserer zukünftigen Abwesenheit.

Vielleicht war es die Ahnung einer solchen Erfahrung, die Berger renitent die Bitten seines Verlegers Oliver Schwarzkopf ignorieren ließ, doch einmal etwas zu den Fotos zu sagen. Nur zögerlich erzählte er seine altbekannten Geschichten: Ans Theater wollte er, weil er glaubte, da lange schlafen und erst abends auf die Bühne gehen zu müssen. Liz Taylor sei "die Beste" gewesen. "Wir beide waren richtige Komplizen. Haben immer den Richard Burton verarschen können, der hat das nicht mal gemerkt." Los Angeles hasst er. Und auf seine letzten, sichtlich desolaten Fernsehauftritte bei Thomas Gottschalk und Markus Lanz angesprochen, in denen er ausfällig wurde und andere Gäste beleidigte, meinte er: "Da war ich gut drauf."

Bei Berger ist man sich nie ganz sicher, ob er sich tatsächlich für keine Peinlichkeit zu schade ist oder ob er sozusagen in Notwehr auf die Trivialität und Obszönität der Boulevardmedien mit noch größerer Trivialität und Obszönität reagiert. "Ich bin weiser geworden", sagte er im Verlauf der Buchvorstellung, und vielleicht stimmt das sogar.

Klicken Sie bitte auf das Bild, um die Fotostrecke zu öffnen © Elisabetta Catalano/Helmut Berger. Ein Leben in Bildern. Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag

Vor vierzehn Jahren erschien Bergers Autobiographie mit dem durchaus angemessenen Titel Ich . Er hatte sie freilich nicht allein verfasst, sondern von der Journalistin Holde Heuer kongenial – also sehr lustig, charmant aufschneiderisch und plump – schreiben lassen. Da heißt es: "Ja, ich bin durch die schönen Dinge des Lebens verdorben. Aber allen, die mich nur als Skandalnudel sehen wollen, kann ich nur sagen: Mit jedem Tag meines Lebens erhöht sich zwangsläufig die Zahl derer, die mir so was von egal sind."

Ich ist ebenso wie Ein Leben in Bildern im Grunde eine Art autobiographischer Bildungs- und Hochstaplerroman. Helmut Berger als Felix Krull: Wie Thomas Manns Narziss hatte auch Berger etwas vor mit seinem Leben, und er hatte das Aussehen, das ihm dabei helfen sollte. Wie Felix Krull durchläuft auch der aufstrebende Österreicher eine Initiationszeit als Page in einem Pariser Hotel. Man kann sich ungefähr vorstellen, welche Wirkung dieser junge Mann auf Frauen und Männer gehabt haben muss. Fotos aus dieser Zeit zeigen, wie der Parvenü seine gesunde, alpine Skilehrer-Anmutung in etwas Snobistisches zu verwandeln sucht.

In dem Bildband, erschienen im Verlag Schwarzkopf und Schwarzkopf, lernen wir Berger aber noch ein bisschen früher kennen: als Bub mit Babyhaube in Bad Ischl. Als Jugendlicher bei Festen, verkleidet als Diva. Als Schüler mit Kameraden und ersten Freundinnen. Der 27-Jährige wird später als Bayernkönig an seinen Geburtsort Bad Ischl zurückkehren. Sein Entdecker, Förderer und Liebhaber Luchino Visconti dreht mit ihm dort Ludwig II. , die Rolle seines Lebens, die ihm auf gewisse Weise bis zum heutigen Tag in Fleisch und Blut übergegangen ist.