ZEIT ONLINE: Herr Hofer, die US-Serie The Newsroom verspricht einen realistischen Blick hinter die Kulissen einer Fernsehnachrichtensendung. Hält das Ihrer Erfahrung bei der Tagesschau stand?

Jan Hofer: Die Serie ist vom deutschen Nachrichtenalltag so weit entfernt wie die Erde vom Mond. Die ständige Schreierei, Hektik und Aufgeregtheit findet bei uns nicht statt.

ZEIT ONLINE: Die Tagesschau könnte sich aus dieser Serie also rein gar nichts abgucken?

Hofer: Die Tagesschau kann davon lernen, dass sie hoffentlich nie so wird wie The Newsroom. Je aufgeregter die Atmosphäre ist, desto häufiger kommt es zu Fehlern. Und das sollte nicht passieren.

ZEIT ONLINE: Der Anchorman in der Serie, Will McAvoy, bekommt Morddrohungen, muss zur Therapie – ist aber gleichzeitig Millionär mit Chauffeur, Bodyguard und Luxusloft. Neidisch?

Hofer: Den Begriff Neid habe ich aus meinem Gedankenspektrum gestrichen. Ich bin ganz zufrieden mit dem, wie es ist. Drohungen und Schmähungen bekomme ich trotzdem gratis dazu.

ZEIT ONLINE: Wie viel Macht hat ein Nachrichtensprecher wirklich?

Hofer: Gar keine. Bei uns entscheidet der Chefredakteur, und daran haben sich alle zu halten. Wenn sich ein Sprecher wie McAvoy gerieren würde, wäre er seinen Job wahrscheinlich bald los.

ZEIT ONLINE: Sind Politik, Medien und Menschen hierzulande ähnlich polarisiert wie in den USA?

Hofer: Ich persönlich glaube, dass in Deutschland viele Menschen politisch denken, allerdings sehr viel nüchterner und pragmatischer als in den USA. Dort ist Politik immer auch Showbusiness. In Ansätzen ist das auch hier bereits zu erkennen. Aber zu US-Verhältnissen ist es zum Glück noch ein langer Weg.