Jan Hofer "In den USA ist Politik immer auch Showbusiness"

Was hat die US-Serie "Newsroom" mit der Tagesschau zu tun? Vom deutschen Nachrichtenalltag ist sie "so weit entfernt wie die Erde vom Mond", sagt der Sprecher Jan Hofer. von Veronika Beer

Kein Anchorman, sondern ein Sprecher: Jan Hofer

Kein Anchorman, sondern ein Sprecher: Jan Hofer  |  © NDR/Holde Schneider

ZEIT ONLINE: Herr Hofer, die US-Serie The Newsroom verspricht einen realistischen Blick hinter die Kulissen einer Fernsehnachrichtensendung. Hält das Ihrer Erfahrung bei der Tagesschau stand?

Jan Hofer: Die Serie ist vom deutschen Nachrichtenalltag so weit entfernt wie die Erde vom Mond. Die ständige Schreierei, Hektik und Aufgeregtheit findet bei uns nicht statt.

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ZEIT ONLINE: Die Tagesschau könnte sich aus dieser Serie also rein gar nichts abgucken?

Hofer: Die Tagesschau kann davon lernen, dass sie hoffentlich nie so wird wie The Newsroom. Je aufgeregter die Atmosphäre ist, desto häufiger kommt es zu Fehlern. Und das sollte nicht passieren.

ZEIT ONLINE: Der Anchorman in der Serie, Will McAvoy, bekommt Morddrohungen, muss zur Therapie – ist aber gleichzeitig Millionär mit Chauffeur, Bodyguard und Luxusloft. Neidisch?

Hofer: Den Begriff Neid habe ich aus meinem Gedankenspektrum gestrichen. Ich bin ganz zufrieden mit dem, wie es ist. Drohungen und Schmähungen bekomme ich trotzdem gratis dazu.

ZEIT ONLINE: Wie viel Macht hat ein Nachrichtensprecher wirklich?

Hofer: Gar keine. Bei uns entscheidet der Chefredakteur, und daran haben sich alle zu halten. Wenn sich ein Sprecher wie McAvoy gerieren würde, wäre er seinen Job wahrscheinlich bald los.

ZEIT ONLINE: Sind Politik, Medien und Menschen hierzulande ähnlich polarisiert wie in den USA?

Hofer: Ich persönlich glaube, dass in Deutschland viele Menschen politisch denken, allerdings sehr viel nüchterner und pragmatischer als in den USA. Dort ist Politik immer auch Showbusiness. In Ansätzen ist das auch hier bereits zu erkennen. Aber zu US-Verhältnissen ist es zum Glück noch ein langer Weg.

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Leserkommentare
    • bkkopp
    • 22. November 2012 16:55 Uhr

    Nicht nur Politik ist showbiz, Fernsehen, und ganz besonders NEWS muss unter extremen Konkurrenzbedingungen um das Interesse der Zuschauer werben. Die Quote bestimmt die Werbeeinnahmen, und diese wiederum das Honorar der Moderatoren(newscaster).

    Blümchen-Nachrichten wie bei ARD und ZDF, mit Wiederholungen vom Vortag und politischer Ausgewogenheit bis zum Verzweifeln, und die Neuverpackung der Nachrichten vom Tage, alles, oder fast alles schon dutzende Male gesendet, würden ausserhalb des öffentlich-rechtlichen Oligopols untergehen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • uwecux
    • 22. November 2012 19:16 Uhr
    2. [...]

    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich mit sachlichen Argumenten an der Diskussion. Danke, die Redaktion/jp

  1. Die Wahrnehmung von Politik entwickelt sich in Deutschland grade weiter. Es wird in Zukunft darum gehen wie stark man Wählergruppen mobilisieren kann.

    Steinbrück wird nicht gewinnen können wenn er sich Merkel anbiedert. Es wird ein polarisierender Wahlkampf. Bei den Entwicklungen der letzten Jahre wird deutlich das es als Politiker schwieriger geworden ist versprechen zu brechen.
    Alles wird aufgezeichnet und ist für die Ewigkeit. Die Transparenz in westlichen Industriestaaten steigt unaufhaltbar. Es gibt mittlerweile Blog und andere Social Media Kanäle die täglich mehr Clicks haben als renomierte Qualitätsmedien.

    Herr Hofer erreicht mit seinem Format nur noch eine stetig abnehmende Anzahl von Konsumenten. Die Sendung ist absolut genial und hat einen starken Realitätsbezug. Vor allem sollte man die Sendung auch als Inspiration verstanden werden. Herr Hofer hat es ja selbst gesagt. Bei ihm entscheidet der Chefredakteur wie über ein Thema berichtet wird. Falsche politische Fairness ist eine der schlimmsten Medienkrankheiten in unserer Zeit. Bei manchen Themen gibt es keine zwei Seiten. Über die nicht vorhandene Bankenregulation sind die Beiträge bei den Tagesthemen manchmal nur 30 Sekunden aber über den Problembär wird dann schonmal minutenlang berichtet.
    So wie alles werden auch bald die Nachrichten on demand sein, und dann ist es unabdingbar auch auf der politischen Bühne die Handschuhe ab zu legen und zu polarisieren.

    • OLola
    • 22. November 2012 21:51 Uhr

    Wer nichts im Hirn hat, muss sich eben an Show und Bildern orientieren. Mit Demokratie hat dies jedoch nichts zu tun.

    • Panic
    • 22. November 2012 21:57 Uhr

    ist gut. Alles andere Schrott. Amerikanischer Dramaqueen-Journalismus: Nein danke!

    cheers

  2. Antwort auf "Jan Hofer irrt"
  3. Wieso wird hier von Zukunft geredet, wenn es heißt, wir seien weit von amerikanischen Verhältnissen entfernt?
    Schröder galt nicht zu unrecht als Medienkanzler, und auch davor gab es ein gehöriges Maß an Inszenierung im politischen und medialen Betrieb. So lange ein Minimum an 'Objektivität' glaubhaft gemacht werden kann, ist das für Politik und Medien eine Win-Win-Situation. Wie so viele, gucke ich mir deutlich weniger Nachrichten und Politsendungen an als früher. Und auch das gab es schon früher: Das war der 'Privatismus' der 'Generation Golf'.
    Inwiefern sich Judith Rakers von der typischen Blondie-Nachrichtensprecherin in den USA unterscheidet, ist mir auch nicht klar.
    In einer Hinsicht sind wir allerdings tatsächlich anders in Westeuropa: Wir verschleudern keine Milliarden in Wahlkämpfen. Damit sollten wir auch gar nicht erst anfangen.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte USA | Medien | Atmosphäre | Drohung | Mond | Tagesschau
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