Öffentlich-Rechtlicher JugendkanalDiscokugel in der Seniorenresidenz

ARD und ZDF wollen einen eigenen Jugendkanal einführen. Das ist die endgültige Bankrotterklärung, kommentiert Joachim Huber. von Joachim Huber

Es war kein offizielles Projekt, aber erfolgreich war es. ARD und ZDF haben sich über die Jahre um junge Zuschauer erkennbar nicht gekümmert. Die haben das begriffen, sind gegangen und von den Privaten mit offenen Armen aufgenommen worden. ARD & Co. haben RTL & Co. stark gemacht. Die Publika der beiden öffentlich-rechtlichen Hauptprogramme haben ein Durchschnittsalter von 60 Jahren, RTL hält bei 47 Jahren, Pro 7 bei 35 Jahren.

Bei den öffentlich-rechtlichen Illusionisten ist alles heilbar. ARD und ZDF werden zwei Digitalkanäle für ein neues Jugendprogramm fusionieren. Ein Zuschauerleben von der Wiege bis zur Bahre wird Planprogramm: Bis 14 Jahre schaut der Zuschauer Kika, zwischen 14 und 29 Jahren den künftigen Jugendkanal, die 30- bis 49-Jährigen schalten Einsfestival und ZDFneo ein, die Älteren schätzen das Erste und das Zweite, Ruheständler finden sich in den Dritten wieder.

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Gestorben wird auch, und zwar in der regelmäßigen Themenwoche "Tod"

In der Realität haben die Öffentlich-Rechtlichen mindestens zwei Generationen Zuschauer verloren. Bei den 16-, 20-, den 30-Jährigen ist die Akzeptanz der GEZ-Sender verheerend. Ein eigener Jugendkanal sendet das Signal aus: Wir hängen in unserer Seniorenresidenz eine Discokugel im Keller auf, und in der Beletage gibt es weiter den Tanztee. Das Image von ARD und ZDF wird über das erste und das zweite Programm ausgebildet – und wer da keine Jugend in den Sendungen hat, der hat auch keine Jugend vor den Bildschirmen. Ein Jugendkanal wird die geeignete Ausrede sein, auch noch die letzte Anstrengung aufzugeben.

Die private Konkurrenz ist da nüchterner, auch illusionsloser. Mit dem Kampf um die ewige Jugend wird keine Siegeserwartung verbunden. Nur wer sich in seiner Jugend zum Fernsehzuschauer ausgebildet hat, der bleibt sein Leben lang Fernsehzuschauer. Das junge bis sehr junge Publikum aber lebt diese TV-Biografie längst nicht mehr. Die Generation Youtube pfeift auf Sender und lineares Programmangebot, sie liebt nur noch Inhalte. Wie reagieren die Privaten? RTL erweitert die Zielgruppe der TV-Anhänger auf bis zu 59 Jahre , Sat 1 gründet Sat 1 Gold . Fischen, wo die Fische sind.

Erschienen im Tagesspiegel

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Leserkommentare
  1. Was ist das? Wahrscheinlich hat das irgendwie mit einer Flimmerkiste aus Kindheitstagen zu tun, welche nur broadcastete. Big Brother durfte, glaube ich, bestimmen was er wollte und die Schafe durften mitbestimmungslos konsumieren. In Ost und West. Vielleicht ist das noch für manche bildungsferne oder betagte Kreise wichtig, nur, heutzutage gibt es auch noch Multicast und sogar derweilen Unicast, und das alles sogar Multinational, allerdings sollte man da schon technisch zumindest auf dem Stand vor 10 Jahren sein um zu partizipieren. Wer das bis heute nicht kapiert hat oder kapieren will, dem ist halt sowieso nicht mehr zu helfen.

  2. ...was ist das denn für eine sprachliche Verrenkung. Zumal für das Publikum von beiden Sendern dann so wie so das selbe Durchschnittsalter aufgeführt wird. Warum also nicht "Das Publikum der beiden öffentlich-rechtlichen Hauptprogramme hat..."?!

    Musste da unbedingt jemand zeigen, dass er grammatikalisch korrekt den (unsinnigen) Plural bilden kann?!

  3. Versuchen sie sich mal folgendes vorzustellen:
    Stehen zwei 16jährige auf dem Pausenhof und unterhalten sich über die Sendung, die sie gestern auf dem ZDF Jugendkanal gesehen haben.

    Sie können sich das nicht vorstellen?
    Genau da liegt das Problem.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • emmapi
    • 29. November 2012 22:58 Uhr

    Ich gkaube, ich habe schon lange keine Jugendlichen mehr gehört, die sich über irgendein TV-Programm vom Vorabend unterhalten haben.
    Das will nur kaum einer wahrhaben. Nun ja, es will ja auch kaum noch jemand wahrhaben, daß auch die BILD nur noch wenige lesen und noch viel weniger Leute ernstnehmen.

  4. "Nur wer sich in seiner Jugend zum Fernsehzuschauer ausgebildet hat, der bleibt sein Leben lang Fernsehzuschauer. "

    die generation aus den 50-60ger jahren sind vermutlich die, die am meisten tv geglotzt haben und in der kindheit wenig tv hatten.
    die am meisten tv in der kindheit hatten, also die 70-80ger-generation, ist die die mittlerweile aus dem tv-leben aussteigt, wegens internet ;-)

    Antwort auf "ZDFneo und Co"
  5. Sehe ich genauso!Und Ihre Bemerkung mit dem "vorbildlichen Angebot im Netz" in Verbindung mit über 60-jährigen trifft den Nagel auf den Kopf.

    Antwort auf "ZDFneo und Co"
  6. oder kommt da immer nur was obendrauf, als würde die Zahl der Zuschauer stetig wachsen.

  7. 15. [...]

    Entfernt wegen Doppelposting. Danke. Die Redaktion/kvk

  8. "ARD und ZDF haben sich über die Jahre um junge Zuschauer erkennbar nicht gekümmert. Die haben das begriffen, sind gegangen und von den Privaten mit offenen Armen aufgenommen worden. ARD & Co. haben RTL & Co. stark gemacht."

    Die Privaten haben nur einen Anspruch: Die Quote muss stimmen, und damit der Preis für die verkaufte Werbung. Stefan Mross ist sicher ein Highlight für die Generation 60+, aber das Programm der ÖR besteht ja nicht nur aus solchen Sendungen.

    Den Wettbewerb um das trashigste, an Horrorfilmen und Sozialvoyeurismus reichste Programm können und sollten meiner Ansicht nach die ÖR nicht annehmen.

    Ich finde der wichtige Punkt in dieser Diskussion ist der, warum viele junge Leute nur noch so ein Müll interessiert, wie er auf den Privatsendern läuft, und wie man das ändern kann.

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    • Skyejet
    • 30. November 2012 8:36 Uhr

    weil nichts anderes mehr kommt.

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  • Schlagworte ZDF | Fisch | Generation | Gold | Sender | Sendung
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